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Sommersemester 2017

Entwicklungstheorie von heute – Entwicklungspolitik von morgen

Dozent: Prof. Dr. Hans-Jürgen Burchardt

Das 21. Jahrhunderts stellt die Entwicklungstheorie und -politik vor neue Herausforderungen: Afrika, Asien und Lateinamerika befinden sich im Aufwind. Teilweise beeindruckende Wachstumsraten, relativ geringe Krisenanfälligkeit sowie ein erstarkender Einfluss auf Weltwirtschaft und -politik erwecken den Eindruck, dass die internationale Ordnung mit Beginn des 21. Jahrhunderts vielfältiger wird. Mit Blick auf China und Indien wird bereits ein `asiatisches Jahrhundert‘ prognostiziert. Aus einer regionenübergreifenden Perspektive stellen sich aber verschiedene Fragen: Gelingt es, alte Entwicklungspfade und Abhängigkeiten zu verlassen und ein neues Fundament aufzubauen, welches stärker auf eigenständige und nachhaltige Entwicklung setzt? Oder wird der Globale Süden weiterhin vor allem von Weltmarkteinflüssen dominiert, durch die ein Aufstieg jederzeit auch wieder in eine neue Krise münden kann? Die Veranstaltung befasst sich mit aktuellen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Dynamiken im Globalen Süden. Dazu werden die neuen Facetten der Entwicklungspolitik vorgestellt und ihr Innovationsgehalt geprüft. Über die Themenschwerpunkte Arbeit und Umwelt werden dann zwei Kernfragen der Entwicklung aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet, um abschließend zu diskutieren, wie die Entwicklungspolitik und -theorie der Zukunft auszusehen hat. Es wird ein Textbuch gestellt.

 

Umwelt und Entwicklung in globaler Perspektive

Dozent: Prof. Dr. Hans-Jürgen Burchardt

Umweltpolitische Themen gewinnen für die (internationale) Politik an Bedeutung. In der Praxis erscheinen ökologische Bedenken gegenüber dem dominanten Wachstumsimperativ jedoch oft als Papiertiger. In der Veranstaltung werden zunächst die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Konsequenzen einer intensiven Rohstoffausbeutung sowie die damit verbundenen teils heftigen sozial-ökologischen Konflikte in den Ländern des Globalen Südens erörtert. Weiterhin werden aktuelle Vorschläge für ökologische Alternativen zum dominanten Wachstumsmodell vorgestellt, die Wege in eine umweltschonende und lebenswerte Zukunft eröffnen und die heute schon in Schulen und Universitäten vertiefend diskutiert werden sollten. Es wird ein Textbuch gestellt.

 

Vom Süden lernen

Dozent: Prof. Dr. Hans-Jürgen Burchardt

Die Welt befindet sich im Umbruch. Krisenerscheinungen in Politik, Gesellschaft und Ökologie erschüttern Europa und Nordamerika. Während das „Ende der Geschichte“ schon längst in Vergessenheit geraten ist, zeichnet sich die Politik heute oft durch Orientierungslosigkeit aus. Dabei kann ein Blick über den Tellerrand helfen: Viele der aktuellen Probleme der westlichen Gesellschaften werden im Globalen Süden bereits seit langer Zeit debattiert und haben innovative Lösungsstrategien hervorgebracht, die teilweise mit beachtlichen Erfolgen umgesetzt wurden.
Im Seminar wird zunächst in konzeptionelle, historische und theoretische Grundlagen zum Globalen Süden eingeführt. Mit Fokus auf Lateinamerika werden anschließend aktuelle Herausforderungen und Lösungsansätze aus dem Süden vorgestellt und analysiert. Im dritten Teil der Lehrveranstaltung werden diese Themen dann mit Experten aus Europa und Lateinamerika diskutiert. Dies beinhaltet die Teilnahme an deutsch- und englischsprachigen Vortragsveranstaltungen sowie deren Dokumentation und Aufbereitung. Das Seminar bietet auf diese Weise einen praxisnahen Einblick in aktuelle Diskussionen aus Lateinamerika und möchte den Austausch mit Studierenden unterschiedlicher Fachrichtungen stärken sowie Anregungen für politische und gesellschaftliche Veränderungen geben.

 

Rohstoffe in der internationalen Umweltpolitik: Theorie und Empirie des Extraktivismus

Dozent: Dr. Stefan Peters

Die internationale Rohstoffpolitik ist ein zentrales Feld der Nord-Süd-Beziehungen. Trotz weltwirtschaftlicher Verschiebungen findet weiterhin ein Großteil der Rohstoffausbeutung im Globalen Süden statt, während die Weiterverarbeitung und der Konsum sich überwiegend im Globalen Norden konzentrieren. Galt die Konzentration auf die Rohstoffausbeutung lange Zeit als veritabler entwicklungspolitischer Fluch, ließ sich im Fahrwasser hoher Weltmarktpreise zu Beginn des 21. Jahrhunderts ein neuer Rohstoffoptimismus in Wissenschaft, Politik und Internationalen Organisationen beobachten. Diese Kehrtwende fand ihren Widerhall in der Expansion und Intensivierung der Rohstoffausbeutung in breiten Teilen insbesondere des Globalen Südens. Im Seminar sollen Auswirkungen der Dynamiken der internationalen Rohstoffpolitik auf die Förderstaaten vertiefend analysiert werden. Dafür wird zunächst ein knapper Überblick zu den Dynamiken der internationalen Rohstoffpolitik sowie den Theorien rohstoffbasierter Entwicklung gegeben. Auf dieser Basis wird ein gemeinsames Analyseraster entwickelt, das im Anschluss auf Extraktionsmodelle in verschiedenen Regionen des Globalen Südens angewandt wird. Auf diese Weise möchte das Seminar einen Beitrag zu entstehenden Debatten der komparativen Extraktivismusforschung leisten sowie die Möglichkeiten und Grenzen rohstoffbasierter Entwicklungsmodelle diskutieren.

 

Southern (Dis-)Comfort: Politisch-Ästhetische Impulse aus Lateinamerika

Dozent: Dr. Stefan Peters / Dr. Patrick Eser

Die diesjährige documenta regt zu einem Perspektivwechsel an: Wer die heutige Welt verstehen will, muss sich in Politik und Kultur von liebgewonnenen Gewohnheiten trennen und über den Tellerrand hinausschauen. Die Kultur- und Sozialwissenschaften bieten hierfür nicht nur theoretisch – etwa mit Ansätzen zur Kritik am Eurozentrismus –, sondern auch empirisch vielfältige Anknüpfungspunkte. Dazu gehören der Umgang mit Gewalt, Autoritarismus und Zensur ebenso wie die Bearbeitung und Repräsentation sozialer Ungleichheiten im urbanen Raum oder der Kampf gegen die Reproduktion von rassistischen und sexistischen Stereotypen. Im Seminar werden am Beispiel Lateinamerikas und mit Fokus auf die Themen Ungleichheit und Erinnerung verschiedene politisch-ästhetische Impulse in Politik und Kultur vorgestellt und diskutiert sowie im Rahmen von deutsch- und englischsprachigen Fachvorträgen vertieft. Das Seminar ist interdisziplinär ausgerichtet und wird philologisch-kulturwissenschaftliche Zugänge mit sozialwissenschaftlichen kombinieren, vergleichen und in Dialog bringen. Das Seminar setzt an das Seminar Vom Süden lernen – The South as a Mental State aus dem Wintersemester an und führt die dort beispielhaft diskutierten sozialen, politischen und kulturell-künstlerischen Themen, Aspekte und Entwicklungen aus dem lateinamerikanischen „Globalen Süden“ fort.

 

Politische Umbrüche in Lateinamerika – Ein bilanzierender Besuch (mit Exkursion)

Dozentin: Alexandra Bechtum

Seit Ende des 20. Jahrhunderts haben in der Region eine Reihe linksgerichteter politischer Kräfte die Regierungen übernommen und die neoliberalen Reformen der 1980er und 1990er Jahre durch teilweise innovative wirtschafts- und sozialpolitische Maßnahmen ersetzt, neue politische Partizipationsformen etabliert, die Stärkung indigener Rechte sowie teilweise die Aufarbeitung der Militärdiktaturen vorangetrieben. Gleichzeitig mehrten sich in den letzten Jahren jedoch Stimmen, die einen zunehmenden Autoritarismus, wachsende ökonomische Ungleichgewichte beobachten und die Nachhaltigkeit des Wachstumsmodells hinterfragen. In den letzten Jahren kommt es jedoch zu einem Erstarken rechtskonservativer politischer Kräfte (z.B. aktuell Argentinien und Brasilien), die sich wirtschaftspolitisch als liberal präsentieren und Stabilität und Wohlstand versprechen. Einige BeobachterInnen sprechen bereits jetzt von einer weiteren Zäsur in der lateinamerikanischen Politik, die intensive politische und akademische Kontroversen herausfordern.

Das Projektseminar bereitet die Teilnahme an einer Berlin-Exkursion zu verschiedenen Botschaften lateinamerikanischer Staaten vor. Hierfür werden zunächst in zentrale Aspekte der Politik, Wirtschaft und Gesellschaft Lateinamerikas eingeführt und die zu beobachtenden Veränderungen und Umbrüche an Hand ausgewählter Fallbeispiele erörtert. In Berlin werden die inhaltlichen Themen in Gesprächen mit Botschaftsvertreter_innen diskutiert sowie in übergreifenden Veranstaltungen mit politischen Stiftungen bilanziert. Neben der inhaltlichen Auseinandersetzung mit den kontroversen Themen dient die Exkursion zudem zum Erlernen eines sicheren Auftretens auf dem (internationalen) politischen und diplomatischen Parkett, der Ermöglichung von Kontakten zu etwaigen Praktikumsplätzen und Arbeitgebern sowie dem Kennenlernen von Politik, Gesellschaft und Kultur verschiedener lateinamerikanischer Länder.

 

Die Europäische Union und die Staaten Subsahara Afrikas

Dozentin: Dr. Frauke Banse

Die Beziehung zwischen den Staaten der Europäischen Union und den Staaten Subsahara Afrikas sind durch Kolonialismus, ungleiche wirtschaftliche Beziehungen, Entwicklungshilfe, Migration und immer wieder auch Militärinterventionen geprägt.

In dem Seminar werden wir uns sowohl der Kolonialgeschichte, den Prozessen der Entkolonialisierung wie auch der aktuellen Beziehung zwischen der EU und den Staaten Subsahara Afrikas widmen. Die Veranstaltung dient zum einen dazu, einen Überblick über die komplexen Beziehungen in den oben genannten Bereichen zu bekommen. Anhand von Beispielregionen (Region der Gr. Seen sowie Westafrika) werden zudem Einzelfragen insbesondere zu den wirtschaftlichen Beziehungen sowie zur Entwicklungshilfe für staatliche Institutionen vertieft behandelt. Anhand dieser beiden thematischen Schwerpunkte können Phänomene der Globalisierung und die Auseinandersetzung um Gute Regierungsführung/ Good Governance exemplarisch untersucht und diskutiert werden.

 

Methoden der empirischen Sozialforschung

Dozentin: Dr. Frauke Banse

Politische Argumente basieren häufig auf mittels empirischer Sozialforschung erhobenen Daten: Meinungsumfragen, Organisationsanalysen, Bewusstseinsstudien, Wirkungsanalysen. Um die Aussagekraft dieser Forschungsergebnisse beurteilen zu können, muss über die Methoden Rechenschaft abgelegt werden: Welche Fragebögen lagen der Untersuchung zu Grunde, wie wurden die Befragten ausgewählt, wie war das Verhältnis zwischen quantitativen und qualitativen Methoden, wie viele Personen wurden befragt, wie war die Situation in den Interviews oder der Gruppendiskussion etc.? Diese und andere Elemente beeinflussen das Untersuchungsergebnis und damit Aussagen über die Realität. Diesen forschungspraktischen Überlegungen liegen bestimmte Annahmen über die Beschaffenheit von Gesellschaft und die Möglichkeiten, diese genauer zu erfassen, zu Grunde. Diese Annahmen wiederum begründen das generelle methodologische Herangehen: Das Verhältnis von Theorie und Empirie, von quantitativer und qualitativer Forschung, die Annahme von Kausalbeziehungen, die Auswahl der untersuchten gesellschaftlichen Gruppen, die eigene Reflexion über sich selbst als forschende Person, Struktur und Inhalt von Fragebögen u. v. m.

Im ersten Teil des Seminars befassen wir uns mit den erkenntnistheoretischen und methodologischen Fragen der empirischen Sozialforschung. Im zweiten Teil wird es praktisch – in Arbeitsgruppen sollen eigene kleine qualitative Forschungsvorhaben umgesetzt werden.

 

Das iPhone, China und die Globalisierung Seminar

Dozent: Floris Biskamp

Seit den 1990ern ist die Rede von der ‚Globalisierung‘, der ‚globalisierten Wirtschaft’ oder gar der ‚globalisierten Welt‘ allgegenwärtig. In diesem einführenden Seminar werden die grundlegenden Fragen des Themenkomplexes diskutiert: Was heißt Globalisierung? Ist Globalisierung wirklich ein neues Phänomen? Welche Konsequenzen hat Globalisierung für die politischen Handlungsmöglichkeiten? Welche (alternativen) Formen von Globalisierung gibt es oder könnte es geben? Diese Fragen werden im Seminar auf einem einführenden Niveau diskutiert und am Beispiel Chinas und der Produktion von Elektronikartikeln wie dem iPhone illustriert.

Wegen zu großer Ähnlichkeit in der Lektüregrundlage ist das Seminar nicht geeignet für Studierende, die bereits Prof. Dr. Scherrers Vorlesung zur Einführung in Globalisierung und Internationale Politische Ökonomie gehört haben.

 

Die Islamische Republik Iran, der Atomstreit und die Internationalen Beziehungen

Dozent: Floris Biskamp

MA Global Political Economy Modul MCC V

Der „Atomstreit“ zwischen dem Iran auf der einen Seite und zahlreichen, insbesondere westlichen Staaten auf der anderen war einer der meistbeachteten politischen Konflikte der vergangenen Jahre. Der Streit erstreckte sich – bislang! – von der Aufdeckung des iranischen Atomprogramms im Jahr 2002 bis zum Inkrafttreten eines Abkommens im Januar 2016. Auf dem Spiel stehen dabei zunächst der iranische Anspruch auf ein nach eigenen Angaben rein ziviles Atomprogramm auf der einen Seite und die Angst zahlreicher Staaten vor iranischen Atomwaffen auf der anderen.

In der ersten Hälfte des Seminars erarbeiten wir uns auf Grundlage gemeinsamer Textlektüre die politischen und technischen Hintergründe des Streits sowie seinen zeitlichen Ablauf. In der zweiten Hälfte geht es darum, diese Prozesse und Konstellationen aus der Perspektive verschiedener Theorien der Internationalen Beziehungen zu analysieren. Die Bereitschaft zur regelmäßigen Textlektüre und zum Halten eines Referats wird vorausgesetzt.

 

Einführung in die postkolonialen Studien

Dozent: Floris Biskamp

Die postkolonialen Studien befassen sich mit dem Fortwirken des Kolonialismus nach seinem formalen Ende, v.a. mit kolonial geprägten Denkweisen und Darstellungsformen. Nach einem kurzen Rückblick auf die Geschichte des Kolonialismus und seiner Legitimation geht es im Seminar zunächst um die Begriffsdefinition, dann aber v.a. um die gemeinsame Lektüre einiger zentrale Texte verschiedener postkolonialer Theoretiker_innen (Hall, Fanon, Said, Bhabha, Spivak, Mohanty, …), sowie um die Anwendung postkolonialer Konzepte in unterschiedlichen Politikfeldern.

 

The Crisis of Representation and the Rise of Populism in the European Union  

Dozent: Floris Biskamp
Seminar des European Summer Institute des ICDD und der Rutgers University

In recent years, many polities not only within the European Union are facing a number of interconnected economic and political crises. In our seminar, we will focus on the crisis of the traditional forms of political representations and its connection to the rise of populist movements right and left.

 

Soziale Bewegungen in Lateinamerika: Zwischen Emanzipationen und Exklusionen

Dozentin: Johanna Leinius

Im Rahmen des Seminars untersuchen wir die Kämpfe der sozialen Bewegungen in Lateinamerika aus einer intersektionalen Perspektive. Wir zeichnen nach, wie lateinamerikanische soziale Bewegungen hegemoniale Machtstrukturen in Frage stellen und welche Vorstellungen von Gleichheit, Gerechtigkeit und dem guten Leben sie leiten.

Wir werden uns den Gesellschaften und der Politik Lateinamerikas aus der Perspektive derjenigen annähern, die gegen ihre Exklusion und Marginalisierung in der Mehrheitsgesellschaft kämpfen. Wir werden aber auch die Machtdynamiken innerhalb der Bewegungen in den Blick nehmen. Der besondere Fokus des Kurses wird auf den feministischen und den Frauenbewegungen Lateinamerikas sowie der Rolle von Frauen innerhalb gemischter sozialer Bewegungen sein.

Im ersten Teil des Kurses erarbeiten wir ein konzeptionelles Gerüst, mit dem soziale Bewegungen in Lateinamerika untersucht werden können. Nach der Vorstellung der grundlegenden Theorien sozialer Bewegungen werden wir uns mit den pädagogischen Praktiken und Strategien sozialer Bewegungen sowie mit der Rolle von Gender im lateinamerikanischen Aktivismus beschäftigen. Im zweiten Teil des Seminars nutzen die Studierenden dieses konzeptionelle Gerüst, um eine der sozialen Bewegungen Lateinamerikas in Hinblick auf eine gemeinsam erarbeitete Fragestellung genauer zu untersuchen und dann im Seminar vorzustellen. Im dritten Teil des Seminars wenden wir das erarbeitete Wissen an, um die breiteren Dynamiken der sozialen Bewegungen in Lateinamerika, ihre Potentiale und Schwierigkeiten besser zu verstehen.

 

Games and Politics: Politische- und gesellschafts-kulturelle Aussagen in Videospielen

Dozent: Michael Schulze von Glaßer

US-Truppen marschieren 2014 in den Iran ein, die russische Armee besetzt 2016 Berlin und Hamburg und die USA sind im Jahr 2027 von Nordkorea erobert – heutige Videospiele erzählen brisante Geschichten. Doch wie wird internationale Politik in digitalen Spielen genau dargestellt? Welche politischen und gesellschafts-kulturellen Aussagen werden in populären Videospielen verbreitet? Und welche Rolle nimmt das Medium in realen politischen Auseinandersetzungen ein? Um diese und weitere Fragen geht es im Seminar „Games and Politics – Politische- und gesellschafts-kulturelle Aussagen in Videospielen“.

Dabei werden nicht nur bekannte Militär-Shooter wie die „Call of Duty“, „Battlefield“ oder (die mittlerweile eingestellte) „Medal of Honor“-Reihe behandelt, sondern auch Spiele anderer Genre: Welches Bild von internationalem Handel und von Globalisierung zeichnen Strategiespiele wie die der „Anno“- oder „Civilization“-Reihe? Was vermitteln Spiele wie „Die Sims“, die oft nicht als politisch wahrgenommen werden? Welche politischen Aussagen treffen aktuelle „Serious“- und „News“-Games? Und wie sind Spiele, die nicht gezielt für den „westlichen Markt“ bestimmt sind, aufgestellt?

Das Seminar führt praxisorientiert in die „Game Studies“ als interdisziplinäres Forschungs- und Arbeitsfeld ein. Es setzt einen Schwerpunkt auf die Darstellung „Internationaler Politik“ in Videospielen, soll die politischen und gesellschafts-kultruellen Aussagen von Videospielen aber auch darüber hinaus beleuchten. Daneben wird es auch ganz praktisch um die öffentliche Auseinandersetzung mit dem Medium „Videospiel“ gehen. Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern wird die Möglichkeit gegeben auch selbst thematisch passende Spiele und Ideen ins Seminar einzubringen.

 

Wer regiert die Welt? Die Rolle der Akteure in den Theorien der internationalen Beziehungen.

Dozent: Felix Anderl

Es gibt keine Weltregierung. Und doch ist die Metapher der internationalen „Anarchie“ in der Disziplin der Internationalen Beziehungen (IB) in die Jahre gekommen; zu offensichtlich lassen sich auch in der suprastaatlichen Arena Machtasymmetrien und Herrschaftsmechanismen vorfinden. Doch wer regiert hier eigentlich wen? Wie ist dieses „Regieren“ legitimiert und mit welchen Effekten? In diesem Seminar gehen wir der Frage nach der Handlungsmacht (Agency) in den IB nach und betrachten sie aus den Perspektiven verschiedener IB-Theorien. Die Studierenden bekommen anhand der jeweiligen Theorien einen Überblick über die fundamental unterschiedlichen Blickwinkel auf die Rolle der Akteure in der internationalen Politik. Sie sollen am Ende des Seminars in der Lage sein, die Unterschiede der grundlegenden Theorieangebote zu verstehen und kritisch zu hinterfragen sowie fundierte theoriebasierte Argumente über die komplexe Struktur internationalen Regierens machen zu können. Die regelmäßige Lektüre der Seminartexte sowie ein Referat pro TeilnehmerIn werden vorausgesetzt.

 

Leadership und Macht in Lateinamerika – am Beispiel einer Analyse lateinamerikanischer Hochschulen

Dozentin: Dr. Rosalba Badillo

Die Beziehungen zwischen verschiedenen Systemen bzw. Akteuren beruhen hauptsächlich auf vier verschiedenen Aspekten: Macht, Einfluss, Vertrauen und Verständigung (vgl. Zündorf, 1986). In diesem Sinne wird auch die Macht als ein wichtiger Aspekt der Führungsanalyse in Betracht gezogen. Obwohl keine spezifischen Theorien über Macht und Leadership entwickelt wurden, stellen sie zwei Konzepte dar, die üblicherweise in Zusammenhang gebracht werden. Macht wird als ein Teil des Führungsprozesses betrachtet. Northouse (2016) grenzt sie als die Fähigkeit oder das Potential, Einfluss aus zu üben, ab. Führungskräfte können die Überzeugungen, Einstellungen, Werte oder das Verhalten der Anderen prägen. Burns (1978) betrachtet Macht aus einer relationalen Sicht: Macht besteht in Beziehungen und kann sowohl von Führungskräften als auch von Mitarbeitern benutzt werden, um die gemeinsamen Zielen zu erreichen. Dabei sind kulturelle Unterschiede von Bedeutung.
Ziel des Seminars ist ein vertiefter Einblick in die Forschung zu Leadership und Macht in lateinamerikanischen Ländern. Nach der allgemeinen Einführung in die wesentlichen Führungs- und Machtansätze (hier z.B. Bass & Bass, 2008; French & Raven, 1959, usw.) wird der Schwerpunkt auf die lateinamerikanische Kultur liegen und anschließend werden die erworbenen Kenntnisse anhand der Analyse lateinamerikanischer Organisationen (hier v.a. Hochschulen aber auch andere Organisationstypen) angewendet.

 

Wintersemester 2016/2017

Einführung in die Nord-Süd-Beziehungen (MA Politik)

Dozent: Prof. Dr. Hans-Jürgen Burchardt

Die Nord-Süd-Beziehungen befinden sich im Wandel. Schienen Entwicklungsgefälle zwischen Nord und Süd lange Zeit zementiert zu sein, brachten in den letzten Jahren verschiedene Umbrüche die internationale Politik in Bewegung.  Einerseits konnten sich angesichts der robusten Wirtschaftsentwicklung mehrerer Länder des globalen Südens bestehende wirtschaftliche und soziale Asymmetrien relativieren sowie gleichzeitig den Weg zu einer multipolaren Weltordnung ebnen. Andererseits zeigt sich vielfach weiterhin das Erbe der (post-) kolonialen Ordnung, die ebenso Zweifel an der Nachhaltigkeit bisheriger Erfolgsgeschichten wie an einer gleichberechtigten Neugestaltung der Weltpolitik generieren. So ist in den letzten Jahren der `Aufstieg des Südens´ aus verschiedenen Gründen wieder ins Stocken geraten. Insgesamt wird deutlich, dass ein Verstehen internationaler Politik, aber auch nationaler Prozesse ohne ein Einbeziehen der Nord-Süd-Beziehungen nicht mehr möglich ist.  Im Seminar wird zunächst ein Überblick zur historischen Entwicklung der Nord-Süd-Beziehungen und zentralen theoretischen Ansätzen zum Themenfeld gegeben. Anschließend werden aktuelle wirtschaftliche, politische und soziale und ökologische Veränderungen der Nord-Süd-Beziehungen analysiert. Dabei wird in der Auswahl der Themen und Texte der Süd-Perspektive besondere Bedeutung eingeräumt. Zur Veranstaltung wird ein Textreader bereitgestellt.

 

Ein Kontinent in Bewegung- Flucht und Migration in den Amerikas

Dozent: Prof. Dr. Hans-Jürgen Burchardt

Projektseminar mit Tagungsteilnahme vom 27.-29. Januar 2017 in der Evangelische Akademie Hofgeismar

Politische Umbrüche, ökonomische Krisen, Gewalt und die Degradierung der natürlichen Lebensbedingungen haben auch in Lateinamerika zu neuen Dynamiken von Flucht und Migration geführt. Bei der Tagung werden Erkenntnisse aus der Untersuchung transnationaler Lebensrealitäten und der Grenzregimeforschung vorgestellt. Dabei sind nicht nur die ‚klassischen’ Süd-Nord-Migrationen, sondern auch intra-regionale Migrationsbewegungen im Blick. In der Auseinandersetzung mit aktuellen Migrationspolitiken in den Amerikas soll nicht zuletzt gefragt werden, was daraus für die europäische und deutsche Flüchtlingspolitik zu lernen ist.

Das Projektseminar bereitet die Teilnahme an einer Tagung zu diesen Themen inhaltlich und organisatorisch vor. Hierbei werden die Abläufe einer wissenschaftlichen Veranstaltung aus der Nähe betrachtet, Präsentationen und Recherchearbeiten sowie Schreib-, Interview- und Protokolltechniken eingeübt. Als Leistungsnachweis werden Protokolle, Interviews und Tagungsberichte erstellt.

 

Umwelt und Entwicklung: Der Globale Süden nach dem Rohstoffboom

Dozent: Dr. Stefan Peters

Der Beginn des 21. Jahrhunderts war durch einen Rohstoffboom geprägt. Die Weltmarktpreise für verschiedene natürliche Ressourcen (Erdöl, Erdgas, Eisen, Kupfer, Gold, Soja, Palmöl etc.) erreichten neue Höchststände und lösten in vielen Rohstoffländern des Globalen Südens eine Goldgräberstimmung aus. Galt die Konzentration auf den Rohstoffexport bis Ende des 20. Jahrhunderts noch als veritabler entwicklungspolitischer Fluch, mehrten sich erneut Hoffnungen, dass die Ausrichtung auf die Intensivierung des Exports von natürlichen Ressourcen nun Entwicklungsblockaden brechen und den Weg zu gesellschaftlichem Wohlstand und sozialer Teilhabe ebnen würde. Dieser neue Rohstoffoptimismus schien sich auch empirisch zu bestätigen: Viele Rohstoffstaaten des Globalen Südens erzielten hohe Wachstumsraten und konnten diese oft mit bemerkenswerten sozialen Entwicklungserfolgen kombinieren. Allerdings stimmt die Beobachtung, dass der Einbruch der Rohstoffpreise seit 2014 gegenwärtig viele der jüngsten Entwicklungserfolge erneut in Frage stellt ebenso wie die negativen sozial-ökologischen Konsequenzen der Ressourcenextraktion skeptisch gegenüber der mittel- und langfristigen Nachhaltigkeit der Entwicklungsstrategie „Rohstoffexport“. Das Ende des Booms erfordert somit eine Aktualisierung der Debatten über Umwelt und Entwicklung.

Im Zentrum des Seminars steht die Diskussion der Möglichkeiten und Grenzen rohstoffbasierter Entwicklungsmodelle. Dafür wird zunächst die Rolle des Globalen Südens als Rohstofflieferant für die Weltwirtschaft zunächst historisch und theoretisch analysiert. Im zweiten Teil des Seminars werden anschließend die Auswirkungen der Rohstoffabhängigkeit auf Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Ökologie theoretisch und am Beispiel von aktuellen Fallstudien sowie mit Fokus auf die Entwicklungen nach dem Ende Ressourcenbooms diskutiert. Abschließend wird das Seminarthema aus einer Perspektive der Nord-Süd-Beziehungen mit aktuellen (umwelt-)politischen Debatten in Europa verbunden und die Frage nach politischen Alternativen zum rohstoffintensiven Wachstums- und Wohlstandsmodell gestellt.

 

Vom Süden lernen: The South as a state of mind?

Dozenten: Dr. Patrick Eser / Dr. Stefan Peters

Theoretisch und empirisch basiert ein Großteil des kultur- und sozialwissenschaftlichen Kanons auf den Erfahrungen Europas und Nordamerikas. Dies überträgt sich in der praktischen Politik ebenso wie im Kulturbetrieb in hartnäckige Nord-Süd-Asymmetrien. Wer wahrgenommen werden will, sollte in New York, London, Paris oder Berlin und nicht in Dakar, Quito, Port-au-Prince oder Managua wirken. Über die Qualität der Arbeiten sagt der Ort ihrer Produktion wenig, über globale Hierarchien jedoch viel. Indem konsequent Ansätze aus dem Globalen Süden und Perspektiven in das Zentrum gestellt werden, die anstreben eingeschliffene Hierarchien zu irritieren oder zu brechen, in das Zentrum gestellt werden nimmt das interdisziplinäre Projektseminar einen innovativen und inspirierenden Perspektivwechsel vor und diskutiert die Potentiale eines wissenschaftlichen, kulturellen und politischen Süd-Nord-Transfers. Es werden (post-)koloniale Konflikte, Konzeptionen des Widerstands und deren Theoretisierung ebenso untersucht, wie intellektuelle, künstlerische und wissenschaftliche Einflüsse aus dem Süden zu den Themen Vergangenheitspolitik und Erinnerungskultur, Umwelt sowie Stadtentwicklung.

Das zweisemestrige Projektseminar nimmt explizit Bezug auf den Titel „Learning from Athens“ der documenta 14 im kommenden Jahr, soll auf eine kritische Begleitung der Kunstausstellung vorbereiten sowie mittels vielfältiger Veranstaltungen und studentischer Projektarbeiten zur Diskussion neuer Impulse in der Universität und der Stadt Kassel beitragen.

 

Vergangenheits- und Erinnerungspolitik in Lateinamerika. Das Ringen um die Rekonstruktion der Vergangenheit auf dem lateinamerikanischen Subkontinent

Dozentin: Alexandra Bechtum

Auf dem lateinamerikanischen Subkontinent haben in den letzten Jahren die gewaltvollen Erfahrungen mit staatlicher Gewalt und Menschenrechtsverletzungen durch die zivil-militärischen Regierungen der 1970er und 1980er Jahren auf vergangenheits- und erinnerungspolitischer Ebene besondere Aufmerksamkeit erfahren – teilweise wird sogar von einem „Erinnerungsboom“ gesprochen. Das Spannungsverhältnis zwischen individueller und kollektiver Aufarbeitung sowie die Pluralität der involvierten Akteure begründen zudem die Polyphonie von Geschichtsinterpretationen innerhalb der Gesellschaften und lässt den gegenwärtigen Umgang mit der Historie zu einer „umkämpften Vergangenheit“ (Bock/Wolfrum 1999) werden. Die zentrale Frage nach der Vergegenwärtigung des Vergangenen äußert sich in vergangenheitspolitischen Maßnahmen (z.B. Disqualifizierung der Täter, Etablierung von ‚Erinnerungsorten‘) sowie auf erinnerungskultureller Ebene (z.B. im Bereich der Literatur, Film, Wandmalerei). Das Ringen um die Modalitäten ‚Gerechtigkeit‘ und ‚Wahrheit‘, bei der sich beide genannten Sphären gegenseitig beeinflussen, ist bedeutsam für das Verständnis von Demokratisierungsprozessen und aktueller Politik in Lateinamerika.

Der erste Block des Seminars soll einen Überblick über die grundlegenden Begrifflichkeiten und Akteure der Vergangenheitsdebatte liefern sowie das Verhältnis Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft aus unterschiedlichen Forschungsperspektiven beleuchten. Mithilfe analytisch-konzeptioneller Texte wird im zweiten Teil darauf aufbauend die Erarbeitung einzelner lateinamerikanischer Fallstudien im Mittelpunkt stehen.

Die Teilnehmenden sollen nicht nur für das interdisziplinäre Forschungsfeld der Vergangenheits- und Erinnerungspolitik sensibilisiert werden, sondern durch die Beschäftigung mit der Rekonstruktion der Vergangenheit zentrale gesellschaftliche Spannungslinien und politische Entwicklungen in Lateinamerika kennenlernen.

Intensive Textlektüre und die Bereitschaft zur Übernahme eines Referats werden vorausgesetzt.

 

Finanzprobleme des kapitalistischen Staates in der Peripherie

Dozent: Philip Fehling

Die anhaltende Wirtschafts- und Finanzkrise der südeuropäischen Staaten ist für die Gesellschaften der sogenannten Peripherie nur allzu vertraut. Auch der neokoloniale Politikstil der Troika kennzeichnet die Politik der kapitalistischen Zentren gegenüber den Ländern der Peripherie seit ihrer Unabhängigkeit. Ihre Geschichte ist (auch) eine Geschichte der Finanzkrisen, mit all ihren dramatischen Folgen insbesondere für die ökonomisch schwächsten Bevölkerungsteile. Doch woran liegt die Beständigkeit der Finanzkrisen in diesen Ländern? Welche globalen und lokalen, politischen und ökonomischen Gründe lassen sich zur Erklärung der Finanzkrisen im Globalen Süden heranziehen? Welche Rolle spielen hierbei internationale Verteilungsfragen und nationale Klassenkonflikte, Informalitätsräume wie illegale Märkte und Steuerparadiese?

Diese und weitere Fragen stehen im Zentrum des Seminars. Dabei lassen sich am Beispiel der Finanzprobleme des Staates in der Peripherie letztlich grundlegende Fragen von Staatlichkeit im globalen Kapitalismus sowie neue Abhängigkeitsverhältnisse in den Nord-Süd-Beziehungen in den Blick nehmen. Hierzu befassen wir uns im ersten Teil des Seminars mit theoretischen Erklärungen aus der Entwicklungsforschung und ihrer Kritik sowie jüngeren Debatten um den internationalisierten Staat (in der Peripherie). Im zweiten Teil gehen wir dann empirischen Problemen von Staatsverschuldung, Informalität, Verteilungskonflikten, Kapitalflucht und Steueroasen sowie ihren polit-ökonomischen Verflechtungen mit den Staatsfinanzen nach.

Zu Beginn des Semesters wird ein Online Reader und/oder eine Kopiervorlage mit der Seminarliteratur bereitgestellt. Von den Teilnehmenden wird die gründliche Textvorbereitung und aktive Beteiligung erwartet. Die Bereitschaft zur Lektüre englischsprachiger Texte wird vorausgesetzt, da es für den empirischen Teil des Seminars keine hinreichende deutschsprachige Literatur gibt. Eine Studienleistung kann durch die Übernahme eines Referats, eines wissenschaftlichen Protokolls oder einer Sitzungsmoderation erbracht werden. Eine Prüfungsleistung wird durch das Verfassen einer Hausarbeit erbracht.

 

Die Guerilla in Lateinamerika – Entstehung, Politisierung, Aktualität.

Dozent: Dr. Felix Riedel

Die militärische Form der Guerilla als alte Praxis der Aufstände und asymmetrischen Konflikte erfuhr im zwanzigsten Jahrhundert eine facettenreiche Ideologisierung. Maoismus, Guevarismus, Anarchismus und faschistische Akteure sahen in ihr die Grundlage einer Revolutions- und Gesellschaftstheorie: Die Weltrevolution sollte im Süden begonnen und gewonnen werden. Das hatte für die lokalen Aufstände oft zur Folge, in den Dualismus des „kalten Krieges“ gezwungen zu werden. Mit der vorläufigen Stilllegung oder Abkühlung der letzten politisierten Guerillakriege können heute Pluralismus, spezifische Konfliktlagen, Transformationen, Erfolge und Niederlagen der Guerillas in einer angemesseneren Form betrachtet werden, nicht zuletzt, um das Potential von Wissenstransfers auf den Djihadismus und mafiöse „Gangwars“ auszuloten. Material des Seminars bilden reflexive Interviews und Biographien ehemaliger Kämpfer, ethnohistorische Opferforschung und ethnologische und politikwissenschaftliche Regionalstudien. Um die Rolle der Ideologie in den Konflikten zu verstehen, wird die Lektüre von Primärtexten zur Revolutionstheorie des Guerillakrieges erforderlich.  Zur Verbesserung der Referatsqualität können Themen auch bis 13.10. vorab besprochen und vorrangig vergeben werden. Sprachen im Seminar: Deutsch. Sprachen der Quellen: Deutsch, Englisch, (beide Pflicht), Spanisch (optionale Lektüre).

 

Soziale Ungleichheit global

Dozentin: Dr. Frauke Banse

In den vergangenen Jahrzehnten hat die ungleiche Verteilung von Einkommen und Vermögen global dramatisch zugenommen. Was sind die Ursachen für diese Entwicklung? Welche sozialen und politischen Auswirkungen hat soziale Ungleichheit innerhalb einzelner Staaten und auf globaler Ebene? Welche politischen und wissenschaftlichen Kontroversen begleiten das Phänomen der globalen sozialen Ungleichheit und welche Lösungsvorschläge werden diskutiert? Diese Fragen werden in dem Seminar behandelt.

Die Zahl der Teilnehmer_innen ist auf 25 begrenzt. Bei der Zulassung werden diejenigen zuerst berücksichtig, die sich im HISPOS zuerst anmelden. Wer sich anmeldet, aber bei der ersten Sitzung unangekündigt fehlt, verliert den Platz wieder. Voraussetzung für das Erbringen einer Studien- oder Prüfungsleistung ist eine aktive Teilnahme sowie regelmäßige Textlektüre.

 

Propädeutikum – Was sind Gewerkschaften?

Dozentin: Dr. Frauke Banse

In diesem Seminar und den zugehörigen Tutorien geht es darum, die grundlegenden Fertigkeiten für ein erfolgreiches Studium der Politikwissenschaft zu erlernen.

Wie lese und schreibe ich wissenschaftliche Texte? Wie zitiere ich korrekt? Wie entwickle ich eine Fragestellung und eine Gliederung? Wie erkenne ich verschiedene Grundannahmen und Thesen von Autor_innen? Weshalb ist eine gute Begriffsarbeit bedeutend für die politikwissenschaftliche Analyse? Diese Fragen behandeln wir anhand des Themenfeldes Gewerkschaften. Es wird beispielsweise gemeinsam herausgearbeitet, wie verschiedene Grundannahmen die jeweilige Definition von Gewerkschaften beeinflussen oder wie Kategorien von Gewerkschaftsmacht als Analysewerkzeuge dienen können.

 

Wer erntet die globalisierte Tomate? Migrantische Landarbeit und gewerkschaftliche Organisierung in den Zeiten der Globalisierung

Dozent: Floris Biskamp

„Tomaten aus Italien“ werden selten von italienischen, „Spargel aus der Region“ wird selten von regionalen Arbeitskräften geerntet. Stattdessen stammen die Erntearbeiter_innen in Südeuropa zumeist aus Afrika, in Deutschland aus Osteuropa. In beiden Fällen müssen sie unter Bedingungen leben und arbeiten, die für einheimische Arbeitskräfte kaum akzeptabel wären. Im Seminar diskutieren wir das Verhältnis von Migration, Arbeitsverhältnissen und Globalisierung sowie die Möglichkeiten der Betroffenen, sich gegen diese Arbeitsbedingungen zu wehren.

 

Legitimation Crisis of the European Union

Dozent: Floris Biskamp

When the British electorate voted to leave the European Union in June 2016, this was by no means a singular event. It was but the most visible manifestation of wide-spread doubts about the democratic legitimacy of the European Union and its institution. The question whether or not the European Union is a democratic entity is most visibly discussed among political actors. Parties from the margins of the political spectrum tend to strongly criticize the EU as being undemocratic and elitist, while most conservative and social democratic parties defend it, insisting that it provides peace, stability, and prosperity.

This discussion relates to some of the central theoretical and methodological questions in political science: How do we define democracy and legitimacy? How do we “measure” them? In our seminar we will address these questions with reference to the example of the European Union.

 

Einführung in das politikwissenschaftliche Arbeiten: Rechtsextremismus und Rassismus

Dozent: Floris Biskamp

In diesem Seminar geht es darum, die grundlegenden Fertigkeiten für ein erfolgreiches Studium der Politikwissenschaft zu erlernen. In den ersten Sitzungen verständigen wir uns darüber, was Politik und was Politikwissenschaft ist; im weiteren Verlauf geht es um die zentralen politikwissenschaftlichen Arbeitstechniken: Wie lese ich wissenschaftliche Texte, wie zitiere ich korrekt, wie halte ich ein Referat und wie verfasse ich eine Hausarbeit? All diese Techniken üben wir anhand des Themenfeldes Rassismus und Rechtsextremismus.

Die Zahl der Teilnehmer_innen ist auf 35 begrenzt. Bei der Zulassung werden diejenigen zuerst berücksichtig, die sich im HISPOS zuerst anmelden (Windhund-Verfahren). Wer sich anmeldet, aber bei der ersten Sitzung unangekündigt fehlt, verliert den Platz wieder. Voraussetzung für das Erbringen einer Studien- oder Prüfungsleistung ist eine aktive Teilnahme sowie die regelmäßige Lektüre der Textgrundlage.

 

Ringvorlesung – Flucht und Flüchtlingspolitik als Mobilisierungsfeld der extremen Rechten

Ringvorlesung
Organisator_innen: Floris Biskamp, Stephanie Simon, Christine Ansari, Björn Milbradt

Die diesjährige Ringvorlesung Rechtsextremismus greift zwei bestimmende Themen der öffentlichen Debatte auf – die „Flüchtlingskrise“ und das Erstarken rechtspopulistischer Bewegungen und Parteien. Zwar können die Flucht- und Migrationsbewegungen des Jahres 2015 nicht als Ursache für die Erfolge von Rechtspopulisten gesehen werden, wohl aber werden sie von letzteren zum Zwecke der Mobilisierung genutzt. Mit dem Programm der diesjährigen Ringvorlesung wollen wir dieses Verhältnis in verschiedener Hinsicht zum Gegenstand machen.

Der Ablauf der Ringvorlesung ist in drei inhaltliche Blöcke aufgeteilt: Im ersten Block wird es um theoretische und begriffliche Bestimmungen gehen: was ist eigentlich Rechtspopulismus? Wie lässt er sich begrifflich bestimmen und gegen verwandte Phänomene abgrenzen? Was ist eigentlich gemeint, wenn von „Flüchtlingskrise“ die Rede ist, und wie variiert diese Problembeschreibung in unterschiedlichen Kontexten? Der zweite Block wird unterschiedliche Blickwinkel auf die „Flüchtlingskrise“ eröffnen: neben der Perspektive von Geflüchteten selbst werden unter anderem literarische, literaturwissenschaftliche und Genderperspektiven aufgenommen sowie die Herausforderungen Sozialer Arbeit im Fluchtkontext erörtert. Insgesamt geht es in diesem Block darum, ein möglichst differenziertes Bild der aktuellen gesellschaftlichen Lage zu zeichnen und damit den teilweise eindimensionalen öffentlichen und privaten Thematisierungsweisen zu begegnen. Abgeschlossen wird die Ringvorlesung dem dritten Block zu Akteur_innen, Strategien und Erfolgen des Rechtspopulismus in der „Flüchtlingskrise“. Neben der Analyse zentraler Akteur_innen wird die Verbreitung rechtspopulistischer Einstellungen und die Rolle von sozialen Medien bei der Verbreitung sogenannter Hate Speech in Bezug auf Flucht und Migration aufgegriffen.
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Gender in der Entwicklungszusammenarbeit: Konzepte und Kontroversen

Dozentin: Dr. Hildegard Scheu

In der Entwicklungsländerforschung und in der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) ist Gender mittlerweile eine zentrale Kategorie und Gender Mainstreaming ein wichtiges Konzept. Die Auseinandersetzung von Frauenorganisationen, anderen zivilgesellschaftlichen Akteuren und Wissenschaftlerinnen mit den Entwicklungspolitiken seit den 1970er Jahren und der weltweite Austausch (u.a. auf den Weltfrauenkonferenzen) und die transnationalen Vernetzungen von Frauenbewegungen haben die konzeptionellen Grundlagen von Geschlechterpolitik formuliert, diskutiert und hinterfragt. Institutionen und Organisationen in der EZ wie die Weltbank, UN-Organisationen (UNDP, UNICEF  etc.), BMZ und GIZ haben seitdem  ebenso wie zahlreiche Organisationen der Zivilgesellschaft Gender-Analysen, Gender-Konzepte und Gender-Strategien entwickelt. Hat dies zu mehr Geschlechtergerechtigkeit und einer besseren Entwicklungspolitik geführt? In diesem Seminar werden wir die verschiedenen theoretischen und politikpraktischen Perspektiven auf Gender und Entwicklung beleuchten und  miteinander vergleichen.
Teilnehmer*innen bringen bitte die Bereitschaft zur intensiven Textlektüre (auch englischer Texte) und zur Anfertigung kurzer Diskussionsbeiträge (für mindestens eine Seminarsitzung) mit.

 

Sommersemester 2016

Die Nord-Süd-Beziehungen heute – eine Annäherung

Dozent: Prof. Dr. Hans-Jürgen Burchardt

Die Nord-Süd-Beziehungen befinden sich im Wandel. Schienen Entwicklungsgefälle zwischen Nord und Süd lange Zeit zementiert zu sein, brachten in den letzten Jahren verschiedene Umbrüche in den Nord-Süd-Beziehungen die internationale Politik in Bewegung.  Einerseits könnten sich angesichts der Wirtschafts- und Finanzkrise und des Aufstiegs verschiedener Länder des globalen Südens bestehende wirtschaftliche und soziale Asymmetrien relativieren sowie gleichzeitig den Weg zu einer multipolaren Weltordnung ebnen. Andererseits zeigt sich vielfach weiterhin das Erbe der (post-) kolonialen Ordnung, die ebenso Zweifel an der Nachhaltigkeit aktueller wirtschaftlicher Erfolgsgeschichten wie an einer gleichberechtigten Neugestaltung der Weltpolitik generieren.
Im Seminar wird zunächst ein Überblick zur historischen Entwicklung der Nord-Süd-Beziehungen und zentralen theoretischen Ansätzen zum Themenfeld gegeben. Anschließend werden aktuelle wirtschaftliche, politische und soziale und ökologische Veränderungen der Nord-Süd-Beziehungen analysiert. Dabei wird in der Auswahl der Themen und Texte der Süd-Perspektive besondere Bedeutung eingeräumt. Zur Veranstaltung wird ein Textreader bereitgestellt.

 

Wir sind alle Kannibalen – Lektürekurs zu Claude Lévi-Strauss

Dozent: Prof. Dr. Hans-Jürgen Burchardt

Claude Lévi-Strauss war Ethnologe und gilt als Begründer des Strukturalismus. Eigentlich verfolgte er eine einfache Botschaft: Er wollte zeigen, dass auch die Kreativität des Menschen ehernen Denkgesetzen unterworden ist. Mit  seinem ungeheuren Gedankenreichtum und seiner Originalität wurde er zu einem der großen Intellektuellen des 20. Jahrhunderts, ebenso gefeiert wie angefeindet. Zwischen 1989 bis 2000 verfasste er sechzehn Artikel, in denen er damalige Ereignisse und Tendenzen kommentierte. Die Themenvielfalt der Stücke ist bemerkenswert: Aus Anlass des Todes von Lady Di unternimmt Lévi-Strauss eine Analyse der Bedeutung von Verwandtschaftsverhältnissen, eines seiner großen Lebensthemen; er setzt sich mit dem Bevölkerungswachstum und der Entwicklung des Menschen seit seiner Entstehung in Afrika auseinander; er schreibt über Massentierhaltung ebenso wie über Organtransplantation. In dem titelgebenden Essay »Wir sind alle Kannibalen« vergleicht er die Epidemie des Rinderwahnsinns mit der Krankheit Kuru, die sich in Papua-Neuguinea zu Beginn des letzten Jahrhunderts durch eine Form von Kannibalismus seuchenartig verbreitete. Der Lektürekurs führt in das Leben und Werk von Claude Lévi-Strauss ein, stellt anhand ausgewählter Texte seine zentralen methodischen und theoretischen Ansätze vor und endet mit einer Analyse und Diskussion der genannten Essays. Ein Leistungsnachweis wird durch eine durchgehende Teilnahme sowie die Präsentation eines Schlüsseltextes erworben. Zur Veranstaltung wird ein Textreader bereitgestellt.

 

Staatlichkeit in den Nord-Süd-Beziehungen

Dozent: Dr. Stefan Peters

Im 21. Jahrhundert zeichnet sich eine Renaissance des Entwicklungsstaates ab. Wurde dieser in den letzten Dekaden als ineffizient, korrupt und autoritär verschmäht, ist heute eine Ausweitung von Staatstätigkeiten zu beobachten, die neue Wirtschafts-, Sozial- und Entwicklungspolitiken hervorbringt, teilweise demokratische Legitimation stärkt und die Begründung von Regionalmächten fördert. Die neuen Entwicklungsstaaten folgen dabei nicht zwingend den Mustern ihrer Vorbilder. Globaler Strukturwandel und nationale Verschiebungen haben staatliche Politikoptionen verändert und erfordern neue Antworten zur Gewährleistung nachhaltigen Wirtschaftens und sozialer Kohäsion. In der Veranstaltung werden die Muster der neuen Entwicklungsstaaten in transregionaler und vergleichender Perspektive analysiert und geprüft, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Vielfalt der Entwicklungswege zu erkennen sind. Zur Veranstaltung wird ein Textreader bereitgestellt.

 

Political Economy of the Left Turn in Latin America

Lecturer: Dr. Stefan Peters

Starting with Hugo Chávez’s victory in the 1998 Venezuelan Presidential elections, during the last two decades a political “Left Turn” took place in Latin America and brought important political, economic and social changes. Different left-of-center governments put the social question back on the political agenda, introduced innovative mechanisms of participatory democracy, strengthened the memory of the violent pasts, and in some cases promote Socialism of the 21st century. Despite these important changes, however, there are also some important continuities: Latin America still is the world region with the highest social inequalities, the Latin American economies continue to depend highly on the export of natural resources and they show a dependent insertion into the world market.
The seminar critically discusses the ruptures, continuities, gains and shortcomings during the Left Turn in Latin America. Therefore it will first give a comprehensive introduction into the Political Economy of Latin America in order to analyze afterwards crucial issues of economic, social and political changes and their consequences on development, social inequalities, social-environmental conflicts and regional integration. The seminar closes discussing the question if we are currently confronted with the end of a political and economic period.

 

Soziale Bewegungen und Protest in Lateinamerika

Dozentin: Alexandra Bechtum

Seit den 1980er Jahren spricht man von einer Renaissance sozialer Bewegungen in Lateinamerika. Häufig waren es indigene Bewegungen, Frauen-, Landlosen-, oder Arbeitslosenbewegungen, die in sehr unterschiedlichen Ausprägungen und Organisationsformen politische Anerkennung und soziale Gerechtigkeit einforderten. Die Auseinandersetzung mit Protest und sozialen Bewegungen in Lateinamerika verweist auf das Spannungsverhältnis zwischen Staat, politischen Institutionen und Gesellschaft. Der Handlungsspielraum von sozialen Bewegungen sowie das Verhältnis zu den etablierten Parteien und Regierungen variieren jedoch stark zwischen den einzelnen Ländern.
Im ersten Block steht die historische Einordnung von sozialen Bewegungen in Lateinamerika, die Vermittlung relevanter Forschungslinien, grundlegender Begrifflichkeiten und theoretischer Zugänge im Vordergrund. Darauf aufbauend werden anhand ausgewählter analytisch-konzeptioneller Texte verschiedene Fallbeispiele erarbeitet und diskutiert. Im Mittelpunkt stehen dabei die Fragen, unter welchen Bedingungen soziale Bewegungen entstehen, welche Forderungen und Ziele sie artikulieren, in welchen Formen sie sich organisieren und wer die zentralen Träger_innen sind.

Intensive Textlektüre und die Bereitschaft zur Übernahme eines Referats werden vorausgesetzt. Am Beginn des Seminars wird ein Reader zur Verfügung gestellt.

 

Politische Theorie des Islamischen Staates im internationalen Kontext

Dozent: Floris Biskamp

Seit dem Sommer 2014 ist der Islamische Staat zu einem der meistdiskutierten Akteure in der internationalen Politik geworden. Zahllose Staaten führen auf die eine oder andere Weise Krieg gegen ihn oder nutzen einen scheinbaren Krieg gegen ihn, um andere Kämpfe auszutragen. Diese Prozesse zu verstehen ist für die politikwissenschaftliche Teildisziplin der Internationalen Beziehungen eine besondere Herausforderung: Traditionell geht es ihr immer um die Politik zwischen Nationalstaaten, jedoch ist völlig unklar, inwieweit der Islamische Staat als ein solcher zu verstehen ist. Ist es ein Nationalstaat im Werden, eine Terrororganisation, eine Partisanengruppe, ein kleines Imperium, ein wirkliches Kalifat oder einfach nur ein Spielball der Internationalen Politik?
In der ersten Hälfte des Seminars thematisieren wir zunächst durch gemeinsame Textlektüre die Geschichte und den Aufbau des Islamischen Staates. In der zweiten Hälfte geht es um die Frage, wie man den Islamischen Staat theoretisch erfassen kann und was dies für die verschiedenen Akteure der internationalen Politik bedeutet. Insbesondere in der zweiten Hälfte wird großes studentisches Engagement erwartet. Dies ist kein Seminar zum bequemen Absitzen und Sich-berieseln-Lassen.

 

Die Türkei und der Kurdenkonflikt

Dozent: Floris Biskamp

Bis vor wenigen Jahren gab es Grund zur Hoffnung, dass der türkisch-kurdische Konflikt nach Jahrzehnten der Gewalt auf eine friedliche Lösung zusteuert. Jedoch ging der Konflikt unter dem Einfluss des syrischen Bürgerkriegs sowie durch innere Entwicklungen in der Türkei 2015 wieder in einen offenen Bürgerkrieg über. Im Seminar erarbeiten wir die Geschichte des Konflikts, analysieren die Positionen der beiden Konfliktparteien und diskutieren, welche äußeren und inneren Akteure welchen Einfluss und welche Interessen haben.

Die Zahl der Teilnehmer_innen ist auf 30 begrenzt. Bei der Zulassung werden diejenigen zuerst berücksichtig, die sich im HISPOS zuerst anmelden. Wer sich anmeldet, aber bei der ersten Sitzung unangekündigt fehlt, verliert den Platz wieder. Voraussetzung für das Erbringen einer Studien- oder Prüfungsleistung ist eine aktive Teilnahme sowie die regelmäßige Lektüre der Textgrundlage.

 

Die Islamische Republik Iran, der Atomstreit und die internationalen Beziehungen
Dozent: Floris Biskamp

Der „Atomstreit“ zwischen dem Iran auf der einen Seite und zahlreichen, insbesondere westlichen Staaten auf der anderen war einer der meistbeachteten politischen Konflikte der vergangenen Jahre. Der Streit erstreckte sich – bislang! – von der Aufdeckung des iranischen Atomprogramms im Jahr 2002 bis zum Inkrafttreten eines Abkommens im Januar 2016. Auf dem Spiel stehen dabei zunächst der iranische Anspruch auf ein nach eigenen Angaben rein ziviles Atomprogramm auf der einen Seite und die Angst zahlreicher Staaten vor iranischen Atomwaffen auf der anderen.
In der ersten Hälfte des Seminars erarbeiten wir uns auf Grundlage gemeinsamer Textlektüre die politischen und technischen Hintergründe des Streits sowie seinen zeitlichen Ablauf. In der zweiten Hälfte geht es darum, diese Prozesse und Konstellationen aus der Perspektive verschiedener Theorien der Internationalen Beziehungen zu analysieren. Die Bereitschaft zur regelmäßigen Textlektüre und zum Halten eines Referats wird vorausgesetzt.

Die Zahl der Teilnehmer_innen ist auf 20 begrenzt. Bei der Zulassung werden diejenigen zuerst berücksichtigt, die sich im HISPOS zuerst anmelden (Windhund-Verfahren). Wer sich anmeldet, aber bei der ersten Sitzung unangekündigt fehlt, verliert den Platz wieder. Voraussetzung für das Erbringen einer Studien- oder Prüfungsleistung ist eine aktive Teilnahme sowie die regelmäßige Lektüre der Textgrundlage.

 

Schmitt and the New Schmittans

Seminar
Lecturer: Floris Biskamp
Monday, 18-20 h
Moritzstr. 18, Campus Center, Raum 1110, Seminarraum 1
Start, 18th April 2016

MA Global Political Economy

Carl Schmitt is one of the most controversial and interesting political thinkers of the 20th century. During the years of the Weimar Republic Schmitt first was a Catholic conservative, emphasizing the importance of a state with strong sovereignty rights and correspondingly a harsh critic of liberalism and parliamentary democracy; he subsequently altered his stance became the “crown juror” of National Socialism.
However his influence before and after the Second World War is not limited to the Right. On the contrary his concepts of sovereignty, the political, and partisan warfare were picked up by a variety of progressive and leftist theorists – one of the most prominent recent examples is Chantal Mouffe’s agonistic understanding of democracy.

In the seminar we will first read some of Schmitt’s key text and then move on to the writings of the New Schmittians.

 

Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten: Rechtextremismus und Rassismus

Dozent: Floris Biskamp

In diesem Seminar geht es darum, die grundlegenden Fertigkeiten für ein erfolgreiches Studium der Politikwissenschaft zu erlernen. In den ersten Sitzungen verständigen wir uns darüber, was Politik und was Politikwissenschaft ist; im weiteren Verlauf geht es um die zentralen politikwissenschaftlichen Arbeitstechniken: Wie lese ich wissenschaftliche Texte, wie zitiere ich korrekt, wie halte ich ein Referat und wie verfasse ich eine Hausarbeit? All diese Techniken üben wir anhand des Themenfeldes Rassismus und Rechtsextremismus.

Diese Veranstaltung wird ohne Tutorien angeboten und ist daher ausschließlich für BA-Studierende offen, die Politikwissenschaft im Nebenfach studieren.


Kapitalismus und Staatsfinanzen – ein internationaler Vergleich
Dozent: Philip Fehling

Mit der Ausweitung der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise zur europäischen Staatsschuldenkrise hat die öffentliche und wissenschaftliche Debatte um den Steuerstaat und seine Krise wieder Fahrt aufgenommen. Nicht erst mit dem Scheitern der reformistischen Syriza-Regierung in Griechenland mehren sich links und rechts des politischen Spektrums die Rufe nach einer nationalstaatlichen Einhegung des Kapitalismus. Und mit Pikettys viel diskutiertem Buch zur weltweiten Einkommenskonzentration drängen sich steuerpolitische Verteilungsfragen selbst wirtschaftlichen und politischen Eliten auf – und sei es nur, um diese abzuwehren. Doch wo liegen die Grenzen und Möglichkeiten wirtschafts- und finanzpolitischer Maßnahmen? In welche Widersprüche verfangen sich reformistische Problemlösungsversuche? Inwiefern tragen der Staat und seine Finanzen gerade zur gegenwärtigen Entwicklung des Kapitalismus bei?
Zur Beantwortung dieser Fragen werden wir uns im Seminar mit der historischen Entwicklung der Staatsfinanzen und einigen systematischen Eigenschaften von Steuern befassen. Der Steuerstaat wird hierbei aufgefasst als die spezifische Form, die das ökonomische Dasein des Staates im Kapitalismus annimmt. In einem zweiten Teil gehen wir aktuellen Erscheinungen sowie den wirtschaftlichen und politischen Entwicklungsdynamiken des Steuerstaates in Europa und Lateinamerika nach.

Zu Beginn des Semesters werden ein Online-Reader und eine Kopiervorlage bereitgestellt. Von den Teilnehmenden wird die gründliche Textvorbereitung und aktive Beteiligung erwartet. Eine Studienleistung kann durch die Übernahme eines Referats und eines Leseprotokolls erbracht werden. Eine Prüfungsleistung wird durch das Verfassen einer Hausarbeit erbracht.


Game Studies – Internationale Politik in Videospielen

Dozent: Michale Schulze von Glaßer

US-Truppen marschieren 2014 in den Iran ein, die russische Armee besetzt 2016 Berlin und Hamburg und die USA sind im Jahr 2027 von Nordkorea erobert – heutige Videospiele erzählen brisante Geschichten. Doch wie wird internationale Politik in digitalen Spielen genau dargestellt? Welche (gesellschafts-)politischen Aussagen werden in populären Videospielen verbreitet? Und welche Rolle nimmt das Medium in realen politischen Auseinandersetzungen ein? Um diese und weitere Fragen geht es im Seminar „Games Studies – Internationale Politik in Videospielen“.
Dabei werden nicht nur bekannte Militär-Shooter wie die „Call of Duty“, „Battlefield“ oder (die mittlerweile eingestellte) „Medal of Honor“-Reihe behandelt, sondern auch Spiele anderer Genre: Welches Bild von internationalem Handel und von Globalisierung zeichnen Strategiespiele wie die der „Anno“- oder „Civilization“-Reihe? Welche politischen Aussagen treffen aktuelle „Serious“- und „News“-Games? Und wie sind Spiele, die nicht gezielt für den „westlichen Markt“ bestimmt sind, aufgestellt?
Das Seminar führt praxisorientiert in die „Game Studies“ als interdisziplinäres Forschungs- und Arbeitsfeld ein. Es setzt einen Schwerpunkt auf die Darstellung „Internationaler Politik“ in Videospielen, soll die politischen und gesellschaftstheoretischen Aussagen von Videospielen aber auch darüber hinaus beleuchten. Daneben wird es auch ganz praktisch um die öffentliche Auseinandersetzung mit dem Medium „Videospiel“ gehen. Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern wird die Möglichkeit gegeben auch selbst thematisch passende Spiele und Ideen ins Seminar einzubringen.

 

Djihadismus im subsaharischen Afrika

Dozent: Dr. Felix Riedel

Die Expansion des Islams ins subsaharische Afrika brachte eigenständige, afrikanische islamische Bewegungen mit sich. Darunter finden sich historisch esoterische Strömungen, Djihad-Bewegungen und Mahdi-Aufstände. Heute konkurrieren vor allem ein orthodoxer Salafismus und ein iranischer Schiismus mit sufistischen Strömungen um Einfluss in den rasch wachsenden islamischen Gesellschaften des subsaharischen Afrikas. Die Kategorien ‚konservativ‘, ‚traditionell‘ und ‚modern‘ tragen dabei wenig zum Verständnis der landesspezifischen religiösen Auseinandersetzungen bei. Das Einführungsseminar gliedert sich in vier Blöcke:

  1. Geschichte des Islam in Sahel-Zone und subsaharischem Afrika.
  2. Konkurrenz unter islamischen Strömungen.
  3. Aktuelle djihadistische Bedrohung in spezifischen Ländern/Regionen.
  4. Religiöse Konflikte mit dem Islam im subsaharischen Afrika.

Das praxisorientierte Seminar beinhaltet einen Termin (17.5.), an dem für Prüfungsleistungen eigenständig Interviews mit nach Kassel emigrierten Muslimen aus dem subsaharischen Afrika geführt werden sollen. Arbeitsmodus sind gemeinsame

 

Wintersemester 2015/2016

Himmelsleiter oder Sackgasse?
Entwicklungspolitik aus transregionaler Perspektive

Dozent: Prof. Dr. Hans-Jürgen Burchardt

Projektseminar mit Exkursion vom 8. -10. Januar 2016 nach Weingarten

Afrika, Asien und Lateinamerika befinden sich im Aufwind. Beeindruckende Wachstumsraten und die scheinbar niedrige Krisenanfälligkeit verschiedener Staaten sowie deren erstarkender Einfluss auf Weltwirtschaft und -politik erwecken den Eindruck, dass die internationale Ordnung vielfältiger wird. Über die Binnendynamiken der einzelnen Länder und Regionen ist hingegen wenig bekannt; transregionale Vergleiche existieren kaum. Aus einer regionenübergreifenden Perspektive stellen sich aber verschiedene Fragen: Gelingt es, alte Entwicklungspfade und Abhängigkeiten zu verlassen und ein neues Fundament aufzubauen, welches stärker auf eigenständige und nachhaltige Entwicklung setzt? Oder wird der Globale Süden weiterhin vor allem von Weltmarkteinflüssen dominiert, durch die ein Aufstieg jederzeit auch wieder in eine neue Krise münden kann?
Das Projektseminar bereitet die Teilnahme an einer Tagung zu diesen Themen inhaltlich und organisatorisch vor. Hierbei werden die Abläufe einer wissenschaftlichen Veranstaltung aus der Nähe betrachtet, Präsentationen und Recherchearbeiten sowie Schreib-, Interview- und Protokolltechniken eingeübt. Als Leistungsnachweis werden Protokolle, Interviews und Tagungsberichte erstellt.
Die Exkursion nach Weingarten wird weitgehend aus Mitteln des Fachbereichs gefördert, es ist aber ein Eigenbeitrag von 60 € zu entrichten und zur ersten Sitzung mitzubringen. Aufgrund der begrenzten Teilnehmerzahl ist eine Anmeldung bis zum 1. Oktober 2015 erforderlich. Die Teilnahme an der Tagung ist für den Leistungserwerb obligatorisch.

 

Ressourcenpolitik im  21. Jahrhundert – Erfahrungen aus Lateinamerika

Dozent: Prof. Dr. Hans-Jürgen Burchardt

Die weltweit hohen Rohstoffpreise begünstigten seit der letzten Dekade in vielen Entwicklungsländern und insbesondere in Lateinamerika einen spürbaren wirtschaftlichen Aufschwung, der auch neue (sozial-) politische Handlungsspielräume eröffnet. Allerdings ist es bis heute fraglich, ob es gelingt, das ökonomische Fundament jenseits dieser Exportwirtschaft zu verbreitern, tiefer gehende Sozialreformen durchzusetzen oder Lösungen für die dringlicher werdenden ökologischen Herausforderungen in der Region zu finden. In dem Seminar wird das Spannungsfeld zwischen Umwelt und Entwicklung aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Dabei werden konkurrierende Entwicklungsparadigmen, politische Handlungsstrategien, die Rolle staatlicher und nichtstaatlicher Akteure, veränderte Konfliktkonstellationen sowie das Verhältnis zwischen Umwelt und sozialer Ungleichheit vorgestellt und diskutiert.

 

Einführung in die Nord-Süd-Beziehungen

Dozent: Prof. Dr. Hans-Jürgen Burchardt

Die Nord-Süd-Beziehungen befinden sich im Wandel. Schienen Entwicklungsgefälle zwischen Nord und Süd lange Zeit zementiert zu sein, brachten in den letzten Jahren verschiedene Umbrüche in den Nord-Süd-Beziehungen die internationale Politik in Bewegung.  Einerseits könnten sich angesichts der Wirtschafts- und Finanzkrise und des Aufstiegs verschiedener Länder des globalen Südens bestehende wirtschaftliche und soziale Asymmetrien relativieren sowie gleichzeitig den Weg zu einer multipolaren Weltordnung ebnen. Andererseits zeigt sich vielfach weiterhin das Erbe der (post-) kolonialen Ordnung, die ebenso Zweifel an der Nachhaltigkeit aktueller wirtschaftlicher Erfolgsgeschichten wie an einer gleichberechtigten Neugestaltung der Weltpolitik generieren.
Im Seminar wird zunächst ein Überblick zur historischen Entwicklung der Nord-Süd-Beziehungen und zentralen theoretischen Ansätzen zum Themenfeld gegeben. Anschließend werden aktuelle wirtschaftliche, politische und soziale und ökologische Veränderungen der Nord-Süd-Beziehungen analysiert. Dabei wird in der Auswahl der Themen und Texte der Süd-Perspektive besondere Bedeutung eingeräumt. Zur Veranstaltung wird ein Textreader bereitgestellt.

 

Sklaverei in den Amerikas

Dozenten: Prof. Dr. Hans-Jürgen Burchardt / Prof. Dr. Anke Ortlepp

Dieses Seminar befasst sich mit der Geschichte und Politik der Sklaverei in interdisziplinärer, vergleichender und transnationaler Perspektive. Wir betrachten die Dynamiken des Sklavenhandels und untersuchen die Implementierung und Manifestation von Regimen wirtschaftlicher und menschlicher Ausbeutung in den Amerikas. Dabei gilt das besondere Augenmerk Formen von Sklaverei in der Karibik, in Brasilien und den englischen Kolonien in Nordamerika bzw. den USA. Diskutiert werden soll zusätzlich, welche Auswirkungen die Sklaverei auf Gesellschaften und politische Systeme heute hat. Anforderungen: regelmäßige Teilnahme, Referat/Präsentation, Hausarbeit.

 

Frauen und Macht in Lateinamerika

Dozent: Nico Weinmann

Lateinamerika befindet seit der Jahrtausendwende im Umbruch. Mit den Wahlsiegen zahlreicher Mitte-Linksregierungen wurden gesellschaftspolitische Kernthemen neu verhandelt. Das betrifft auch die Geschlechterfrage: In drei zentralen Volkswirtschaften der Region Brasilien, Chile und Argentinien begleiten gegenwärtig Frauen das Präsidentenamt. Zuletzt fanden verstärkt Frauenrechte oder Forderungen nach der Anerkennung sexueller Diversität in Regierungsprogrammen oder Verfassungen Beachtung. Zudem ist die Bearbeitung der Geschlechterfrage seit der Jahrtausendwende Gegenstand von zentralen Reformbemühungen im Feld der Arbeits- und Sozialpolitik. Im Verlauf des Seminars soll geklärt werden, wie sich die wachsende formal-politische Gleichstellung der Geschlechter einerseits und die (Re)Produktion alter und neuer Ungleichheiten andererseits verhalten. Inwiefern bleiben Frauen beispielsweise trotz der Reformbemühungen am Arbeitsmarkt gegenüber Männern benachteiligt? Erweist sich auf der kulturellen Eben der Machismo als persistente Alltagspraxis, obwohl Politiken auf Gleichstellung abheben? Anhand dieser aktuellen Dynamiken Lateinamerikas, werden in dem Seminar theoretische Grundlagen der Geschlechter- und Intersektionalitätsforschung erarbeitet und angewendet.

 

Einführung in das politikwissenschaftliche Arbeiten: Rechtsextremismus und Rassismus

Dozent: Floris Biskamp

In diesem Seminar und den zugehörigen Tutorien geht es darum, die grundlegenden Fertigkeiten für ein erfolgreiches Studium der Politikwissenschaft zu erlernen. In den ersten Sitzungen verständigen wir uns darüber, was Politik und was Politikwissenschaft ist; im weiteren Verlauf geht es um die zentralen politikwissenschaftlichen Arbeitstechniken: Wie lese ich wissenschaftliche Texte, wie zitiere ich korrekt, wie halte ich ein Referat und wie verfasse ich eine Hausarbeit? All diese Techniken üben wir anhand des Themenfeldes Rassismus und Rechtsextremismus.
Die Zahl der Teilnehmer_innen ist auf 35 begrenzt. Die Teilnahme wird durch das PRIOS-Verfahren entschieden. Nur wer an diesem Verfahren teilnimmt und einen Platz erhält, kann am Seminar teilnehmen. Voraussetzung für das Erbringen einer Studien- oder Prüfungsleistung ist eine aktive Teilnahme sowie die regelmäßige Lektüre der Textgrundlage.

 

Einführung in das politikwissenschaftliche Arbeiten: Rechtsextremismus und Rassismus

Dozent: Floris Biskamp

In diesem Seminar und den zugehörigen Tutorien geht es darum, die grundlegenden Fertigkeiten für ein erfolgreiches Studium der Politikwissenschaft zu erlernen. In den ersten Sitzungen verständigen wir uns darüber, was Politik und was Politikwissenschaft ist; im weiteren Verlauf geht es um die zentralen politikwissenschaftlichen Arbeitstechniken: Wie lese ich wissenschaftliche Texte, wie zitiere ich korrekt, wie halte ich ein Referat und wie verfasse ich eine Hausarbeit? All diese Techniken üben wir anhand des Themenfeldes Rassismus und Rechtsextremismus.
Die Zahl der Teilnehmer_innen ist auf 35 begrenzt. Die Teilnahme wird durch das PRIOS-Verfahren entschieden. Nur wer an diesem Verfahren teilnimmt und einen Platz erhält, kann am Seminar teilnehmen. Voraussetzung für das Erbringen einer Studien- oder Prüfungsleistung ist eine aktive Teilnahme sowie die regelmäßige Lektüre der Textgrundlage.

 

Imperiums- und Imperialismustheorien

Dozent: Floris Biskamp

Wenn es um westliche Außenpolitik im Allgemeinen und um amerikanische Außenpolitik im Besonderen geht, ist oftmals die Rede von imperialer oder imperialistischer Politik. Dabei handelt es sich oftmals um bloße Kampfbegriffe, mit denen diese Politik verurteilt werden soll. In unserem Seminar werden wir dagegen diskutieren, welche wissenschaftlichen Definitionen von Imperialismus und Imperien es gibt und inwieweit sie in der Lage sind, gegenwärtige internationale Politik zu erhellen – deutsche Politik, amerikanische Politik, chinesische Politik.
Die Zahl der Teilnehmer_innen ist auf 30 begrenzt. Bei der Zulassung werden diejenigen zuerst berücksichtig, die sich im HISPOS zuerst anmelden. Wer sich anmeldet, aber bei der ersten Sitzung unangekündigt fehlt, verliert den Platz wieder. Voraussetzung für das Erbringen einer Studien- oder Prüfungsleistung ist eine aktive Teilnahme sowie die regelmäßige Lektüre der Textgrundlage.

 

Ideology!

Lecturer: Floris Biskamp

The term ideology is of utmost importance for social critique. Social critics typically resort to the concept of ideology, when they observe that certain relations of domination, exploitation, or oppression remain stable because they find the consent of those who are dominated, exploited, and oppressed. The notion of ideology is then used to explain the stability of this constellation, to explain why people act in a way that seems to be against their own best interest. For example the concept of ‘neo-liberal ideology’ is used to explain why ‘market-friendly’ reform programs can often be enacted without meeting strong resistance from those who are affected.
But on what grounds can social critics even make such a claim without being paternalistic? How can they claim that others are victims of ‘false consciousness’ without being pretentious? How would they know what ‘right consciousness’ should be?
In the seminar we will discuss different approaches to answering these questions. Beginning with traditional Marxian understandings of the term as ‘false consciousness’, we will move on to (Neo-) Gramscian concepts of ideology and hegemony, to Habermas’ conception of ideology as ‘systematically distorted communication’, and to post-colonial critiques of Eurocentric ideology.

 

Forced Migration. Flucht und Flüchtlinge in politischer Theorie und sozialer Realität, Teil 2

Dozent: Floris Biskamp

BA Politikwissenschaft, Modul 5, Projektseminar
Zweiter Teil unseres Projektseminars über Flucht und Flüchtlingspolitik im Raum Kassel. Teilnehmen können nur diejenigen, die im Sommersemester den ersten Teil abgeschlossen haben.

 

Krise(n) im Euroraum – Krise des Euroraums?

Dozent: Malte Lühmann

Ausgehend von der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise seit 2007 hat sich in Europa eine besondere Krisendynamik entfaltet. Nach der Rettung der Finanzmärkte und Bankensysteme und im Zuge des massiven wirtschaftlichen Einbruchs um das Jahr 2009 wurde diese Krise zu einer Krise der Staatsfinanzen im Euroraum. Mehrere Länder, allen voran Griechenland, Portugal, Irland und Zypern bekamen ernste Schwierigkeiten ihren Staatshaushalt zu finanzieren und waren damit auf die Unterstützung der europäischen Institutionen und anderer Euroländer angewiesen. Unter anderem in diesen Ländern haben die sogenannte “Eurokrise” und ihre Bearbeitung zu massiven sozialen Einschnitten und teils zu bedeutenden politischen Umbrüchen geführt.
Die politischen, sozialen und ökonomischen Auswirkungen dieser Entwicklung sind nach wie vor Thema in der Tagespresse. In diesem Seminar werden wir uns allerdings vom tagespolitischen Geschehen lösen und eine umfassendere Perspektive auf die „Eurokrise“ einnehmen. Unter Berücksichtigung unterschiedlicher, teils widersprüchlicher Erklärungsansätze nähern wir uns den Ursachen, dem Verlauf und den Auswirkungen der Krise. Dabei werden unter anderem folgende Fragen bearbeitet: Was hat die Struktur des Euroraums zur Krise beigetragen? Welche Rolle spielen europäische Institutionen, wie die Europäische Zentralbank oder die Europäische Kommission? Was hat die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland mit der in Griechenland oder Spanien zu tun? Welche Auswege sind denkbar und was sind mögliche Zukunftsszenarien?

 

Kulturen im Krieg – Ethnologische Aspekte von Terrorismus, Guerillakrieg, Militärs und Genozideuren

Dozent: Felix Riedel

Das Seminar wirft einen Blick auf Konflikte in verschiedenen Ländern des globalen Südens  (u.a. Nicaragua, Peru, Ghana, Angola, DRC, Simbabwe, Kambodscha). An den ausgewählten Beispielen wird die Bedeutung ethnologischer Feldforschung für die Konfliktanalyse erläutert.
Politisierte Lesarten aus dem Kolonialismus und dem Kalten Krieg reduzierten Ursachen von lokalen Kriegen häufig auf geopolitische Interessen der konkurrierenden Blöcke. Ethnographische Studien korrigierten solche zu grobkörnigen Raster. Sie rücken die Vielfalt von Interessen und die Bedeutung religiöser Vorstellungen von lokalen Akteuren und Kriegsparteien in den Vordergrund. Aus der Nahperspektive der teilnehmenden Beobachtung (Feldforschung) werden Spezifik und Eigendynamik von ethnopolitischen Konflikten sichtbar. Der Vergleich mit anderen Konflikten erlaubt dann wiederum Rückschlüsse auf kulturübergreifende Anfälligkeiten für Propagandatechniken, kollektive Gewaltmuster, den ritualisierten Abbau von Tötungstabus und Hemmschwellen. So kann Prävention und Intervention präziser den Arbeitsbedarf für Konfliktanalysen einschätzen und auf konkrete Herausforderungen von ethnopolitischen Konflikten eingehen.
Ziel des Seminars ist ein ergebnisoffener Blick auf die jeweiligen Eigenheiten von Konflikten und auf die Vielfalt von beteiligten, insbesondere religionsethnologischen, Konfliktfaktoren.
Themenverteilung und Lektüreplan werden in der ersten Sitzung verhandelt. Für das Seminar wird ein Reader bereitgestellt.

 

Sommersemester 2015

Weltordnung im 21. Jahrhundert – Neue Konturen und Erklärungen

Dozent: Prof. Dr. Hans-Jürgen Burchardt

Die Weltordnung hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verändert: Globale Problemlagen wie die Finanzkrise, der Klimawandel oder die Zunahme bewaffneter Konflikte wie in der Ukraine oder in Syrien stellen die internationale Politik vor zahlreiche neue Aufgaben. Zusätzlich erweitern Akteure wie transnationale Unternehmen oder Nichtregierungsorganisationen, aber auch aufstrebende Staaten wie China oder Brasilien ihren Einfluss auf die Weltordnung. Die Vorlesung stellt die zentralen Konturen und die wichtigsten Akteure des neuen Weltsystems vor und diskutiert die bedeutsamsten theoretischen Erklärungen zwischenstaatlicher sowie transnationaler Kooperationen und Konflikte. Ein Studiennachweis kann über eine regelmäßige Teilnahme und das erfolgreiche Bestehen der Abschlussklausur erworben werden. Zu Veranstaltungsbeginn wird ein Textreader vorgestellt.

 

Der Staat in globaler Perspektive

Dozent: Prof. Dr. Hans-Jürgen Burchardt

Im 21. Jahrhundert zeichnet sich eine Renaissance des Entwicklungsstaates ab. Wurde dieser in den letzten Dekaden als ineffizient, korrupt und autoritär verschmäht, ist heute eine Ausweitung von Staatstätigkeiten zu beobachten, die neue Wirtschafts-, Sozial- und Entwicklungspolitiken hervorbringt, teilweise demokratische Legitimation stärkt und die Begründung von Regionalmächten fördert. Die neuen Entwicklungsstaaten folgen dabei nicht zwingend den Mustern ihrer Vorbilder. Globaler Strukturwandel und nationale Verschiebungen haben staatliche Politikoptionen verändert und erfordern neue Antworten zur Gewährleistung nachhaltigen Wirtschaftens und sozialer Kohäsion. In der Veranstaltung werden die Muster der neuen Entwicklungsstaaten in transregionaler und vergleichender Perspektive analysiert und geprüft, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Vielfalt der Entwicklungswege zu erkennen sind.

 

Black Atlantic – neue Perspektiven auf die westliche Moderne

Dozent: Prof. Dr. Hans-Jürgen Burchardt

Das Entstehen der westlichen Moderne wird heute oft über Technikentwicklung, rational-legale Herrschaft oder die Strukturdynamiken des Kapitalismus erklärt. Weniger bekannt – und teilweise überraschend – sind Ansätze, nach denen erst die materiellen Ressourcen aus dem Handelsdreieck Europa, Afrika, Amerika sowie das ökonomische know how der karibischen Kolonien die Französische Revolution und die englischen Industrialisierung ermöglichten; dass die Haitianische Revolution massiven Einfluss auf das Denken Hegels und somit auf die ganze westliche Philosophie hatte; oder das antikoloniale Theoretiker wie Frantz Fanon nicht nur die Neuordnung der Welt nach dem Zweiten Weltkrieg, sondern auch die westlichen Studenten- und Bürgerrechtsbewegungen ab dem 1960er Jahre stark beeinflussten. Solche Auslegungen, die in der Universalgeschichte auch als `black atlantic´ erfasst werden, erfahren in den Sozialwissenschaften bisher wenig Beachtung. In einem Lektürekurs, für den ein Reader mit verschiedenen Originaltexten und Vertiefungen bereitgestellt wird, soll diesen Ansätzen nachgegangen und diskutiert werden, welche Konsequenzen eine derartige Neuinterpretation für unser wissenschaftliches Verständnis und für unser politisches Handel hat. Ein Leistungsnachweis kann durch eine durchgehende Teilnahme sowie die Präsentation eines Schlüsseltextes erworben werden.

 

Arbeits- und Sozialpolitik in den Nord-Süd-Beziehungen

Dozent: Prof. Dr. Hans-Jürgen Burchardt

Die Veranstaltung führt verschiedene Debattenstränge zu Wohlfahrtsregimeforschung, postkolonialen Perspektiven, der Politikfeldforschung in verschiedenen Weltregionen sowie zu globaler Sozial- und Arbeitspolitik zusammen. In einem ersten Teil werden hierzu neue theoretisch-methodische Zugänge diskutiert, die versuchen, Sozial- und Arbeitspolitiken in anderen Weltregionen konzeptionell neu und kontextsensibel zu erfassen. In einem zweiten Teil werden Fallstudien aus verschiedenen Regionen diskutiert, bei denen neue Programme und Kenntnisse über Sozial- und Arbeitspolitik in Asien, Afrika und Lateinamerika besondere Berücksichtigung finden. Als Studien- bzw. Modulprüfungsleistung sind ein Referat sowie eine Hausarbeit zu erstellen. Das Lesen und Präsentieren englischer Texte wird erwartet.

 

The Political Economy of Rentier Societies

Lecturer: Dr. Stefan Peters

The dramatic oil price drop on the world markets currently visualizes one more time the developmental problems of commodity exporting countries. Whereas the latest boom cycle facilitated positive economic and social development outcomes in various oil-exporting countries and created a new resource optimism in international politics and development studies, during the recent bust cycle various resource curse syndromes re-emerge.
At the beginning of the seminar we will critically discuss classical approaches and current debates in rentier theory with a focus on oil. Based on the theoretical discussion we will point to problems and voids of the mainstream approaches to economic rents and development. This will lead us to a conceptualization of a framework to analyze rentier societies. In the second part of the seminar we will discuss different case studies of (oil-based) rentier societies in Africa, Asia and Latin America and analyze the convergences and divergences between them.

 

Linkswende in Lateinamerika

Dozent: Dr. Stefan Peters

Seit Beginn des 21. Jahrhunderts lässt sich in Lateinamerika eine Vielzahl tiefgreifender politischer, wirtschaftlicher und sozialer Wandlungsprozesse beobachten, die häufig mit dem Begriff der ‚Linkswende‘ zusammengefasst werden. Verschiedene linksgerichtete Regierungen haben in der Region die soziale Frage erneut prominent auf die politische Agenda gesetzt, neue demokratische Modelle, die breitere Partizipationsformen versprechen, eingeführt, teilweise die Aufarbeitung früherer Militärdiktaturen und die juristische Verfolgung der Verantwortlichen für massive Menschenrechtsverbrechen vorangetrieben sowie in einigen Ländern mit der Ausrichtung auf die Etablierung des ‚Sozialismus des 21. Jahrhunderts‘ sogar die Systemfrage gestellt. Trotz dieser Veränderungen lassen sich jedoch auch eine Reihe von Kontinuitäten in der Region feststellen. Lateinamerika ist weiterhin die Weltregion mit den stärksten sozialen Ungleichheiten und auch wirtschaftlich fand kein klarer Bruch mit der Rolle als Rohstofflieferant für die Weltökonomie statt.
Im Seminar werden die Kontinuitäten und Brüche der Linkswende bilanziert und kritisch diskutiert. Hierfür wird zunächst in zentrale Aspekte der Politik, Wirtschaft und Gesellschaft Lateinamerikas eingeführt. Anschließend werden die politischen Veränderungen der Linkswende an Hand ausgewählter Fallbeispiele erörtert. Diese dienen gleichzeitig der Vorbereitung einer Exkursion zu verschiedenen lateinamerikanischen Botschaften nach Berlin. Hierbei werden die Erfolge und Herausforderungen der aktuellen linksgerichteten Regierungen auf diplomatischen Parkett diskutiert sowie in übergreifenden Veranstaltungen mit politischen Stiftungen bilanziert. Neben der inhaltlichen Auseinandersetzung dient die Exkursion zudem zum Erlernen eines sicheren Auftretens auf dem (internationalen) politischen und diplomatischen Parkett, der Ermöglichung von Kontakten zu möglichen Praktikumsplätzen und Arbeitgebern sowie dem Kennen lernen von Politik, Gesellschaft und Kultur verschiedener lateinamerikanischer Länder.

 

Wenn Arbeit aus dem Schatten tritt – Informelle Beschäftigung in Kassel,
2. Teil

Dozent: Nico Weinmann

Das Normarbeitsverhältnis im Sinn eines dauerhaften Arbeitsverhältnisses zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, mit standardisierter Arbeitszeit, fixiert durch einen Arbeitsvertrag, eingebettet in das Arbeits- und Sozialrecht befindet sich allgemein auf dem Rückzug. Bei der Ergründung der Frage was an seine Stelle tritt, schlagen wir in dem Seminar einen ungewöhnlichen Weg ein: Über Konzepte informeller Arbeit, die seit mehreren Jahrzehnten in Studien zu Arbeitsgesellschaften des globalen Südens Konjunktur haben, begeben wir uns vor Ort auf die Spur nach Formen der Arbeit die bislang weitgehend im Schatten der Öffentlichkeit und der Sozialwissenschaften verrichtet werden. Nachdem in einem ersten Teil des Seminars Theorien wie Erhebungsmethoden der Informalitätsforschung erlernt wurden, werden in einem zweiten Teil anhand lokaler Arbeitsmarktstatistiken, der Erstellung eines gemeinsamen Interviewleitfadens und der eigenständigen Feldforschung verschiedene Spielarten informeller Arbeit in eigenen Forschungsprojekten erforscht. Zum Beispiel über die Beschäftigung mit Tagelöhnern, kreativ Selbstständigen, illegal und illegalisiert Arbeitenden oder aber vermeintlich formal Beschäftigten bei denen das Arbeits- und Sozialrecht nicht oder nur teilweise greift, sollen schlussendlich die Analysepotentiale der im globalen Süden erprobten Konzepte informeller Arbeit für die Ergründung der hiesigen Arbeitsgesellschaft ausgelotet werden.

 

Internationale Beziehungen: Der Krieg in Syrien und im Irak im internationalen Kontext

Dozent: Floris Biskamp

Die internationale Politik hat in den zweieinhalb Jahrzehnten nach dem Ende des Kalten Krieges deutlich an Komplexität gewonnen: Neue Akteure gewinnen an Einfluss und veränderte globale Problemlagen erfordern die Entwicklung neuer politischer Konzepte und Strategien. Im Seminar gehen wir der Frage nach, welche Einsichten die politikwissenschaftliche Teildisziplin der Internationalen Beziehungen für die Analyse aktueller politischen Veränderungen bietet und welche Leerstellen zu füllen sind. Dafür wird am Beispiel des Bürgerkrieges im Irak und in Syrien die Erklärungskraft klassischer und aktueller theoretischer Ansätze eingehend diskutiert.
Die Zahl der Teilnehmer_innen ist auf 20 begrenzt. Bei der Zulassung werden diejenigen zuerst berücksichtig, die sich im HIS-POS zuerst anmelden. Wer sich anmeldet, aber bei der ersten Sitzung unangekündigt fehlt, verliert den Platz wieder. Voraussetzung für das Erbringen einer Studien- oder Prüfungsleistung ist die regelmäßige und aktive Lektüre der Textgrundlage.

 

Forced Migration. Flucht und Flüchtlinge in politischer Theorie und sozialer Realität

Dozent: Floris Biskamp

Die öffentliche und akademische Debatte um Flucht und Flüchtlinge hat in den letzten Jahren stark an Brisanz gewonnen. Ziel dieses zweisemestrigen Projektseminars ist, dass die Teilnehmer_innen ein eigenständiges Forschungsprojekt zum Thema Flucht und Flüchtlinge konzipieren und durchführen, um so einen sozialwissenschaftlichen Zugang zum Thema zu finden. Im Sommersemester 2015 wird es  zunächst darum gehen die theoretischen, rechtlichen, sozialen und politischen Rahmenbedingungen der deutschen Flüchtlingspolitik im europäischen Kontext kennenzulernen. Zum Ende des Semesters werden nochmals Grundlagen empirischer Forschungsmethoden thematisiert und schließlich individuelle Forschungsprojekte konzipiert, die dann im Wintersemester 2015/2016 durchzuführen sind.
Die Zahl der Teilnehmer_innen ist auf 20 begrenzt. Bei der Zulassung werden diejenigen zuerst berücksichtig, die sich im HIS-POS zuerst anmelden. Wer sich anmeldet, aber bei der ersten Sitzung unangekündigt fehlt, verliert den Platz wieder. Die Teilnahme am Seminar setzt eine hohe Bereitschaft zum selbstständigen Arbeiten voraus.

 

Globalisierung

Dozent: Floris Biskamp

Seit den 1990ern ist die Rede von der ‚Globalisierung‘, der ‚globalisierten Wirtschaft’ oder gar der ‚globalisierten Welt‘ allgegenwärtig. In diesem einführenden Seminar werden die grundlegenden Fragen des Themenkomplexes diskutiert: Was heißt Globalisierung? Ist Globalisierung wirklich ein neues Phänomen? Welche Konsequenzen hat Globalisierung für die politischen Handlungsmöglichkeiten? Welche (alternativen) Formen von Globalisierung gibt es oder könnte es geben?
Die Zahl der Teilnehmer_innen ist auf 30 begrenzt. Bei der Zulassung werden diejenigen zuerst berücksichtig, die sich im HIS-POS zuerst anmelden. Wer sich anmeldet, aber bei der ersten Sitzung unangekündigt fehlt, verliert den Platz wieder. Voraussetzung für das Erbringen einer Studien- oder Prüfungsleistung ist die regelmäßige und aktive Lektüre der Textgrundlage.

 

Politischer Islam und Internationale Politik

Dozent: Floris Biskamp

Der politische Islam oder Islamismus ist seit der Ausrufung des Kalifats in Syrien und im Irak 2014 erneut in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt. Die Geschichte des politischen Islam ist jedoch mindestens 100 Jahre älter und spätestens seit der iranischen Revolution von 1979 spielen Akteure des politischen Islam eine entscheidende Rolle in der internationalen Politik. Im ersten Teil des Seminars werden die historischen Ursprünge des politischen Islam, zentrale Charakteristika islamistischer Bewegungen und Ideologie sowie verschiedene sozialwissenschaftliche Erklärungsansätze für deren Erstarken diskutiert. Im zweiten Teil des Seminars wird dann am Beispiel eines staatlichen und eines nichtstaatlichen Akteurs diskutiert, wie der politische Islam in der internationalen Politik agiert und wie andere Akteure auf ihn reagieren.
Die Zahl der Teilnehmer_innen ist auf 30 begrenzt. Bei der Zulassung werden diejenigen zuerst berücksichtig, die sich im HIS-POS zuerst anmelden. Wer sich anmeldet, aber bei der ersten Sitzung unangekündigt fehlt, verliert den Platz wieder. Voraussetzung für das Erbringen einer Studien- oder Prüfungsleistung ist die regelmäßige und aktive Lektüre der Textgrundlage.

 

Internationale Beziehungen lehren lernen

Dozent: Floris Biskamp

Die Teildisziplin der Internationalen Beziehungen ist ein ausgesprochen komplexes Feld. Dieses Seminar zielt darauf, dass die Teilnehmer_innen lernen, die grundsätzlichen Fragen dieses Feldes auf eine Weise zu lehren, die auch für Neulinge verständlich ist.
Die Zahl der Teilnehmer_innen ist auf 25 begrenzt. Bei der Zulassung werden diejenigen zuerst berücksichtig, die sich im HIS-POS zuerst anmelden. Wer sich anmeldet, aber bei der ersten Sitzung unangekündigt fehlt, verliert den Platz wieder. Voraussetzung für das Erbringen einer Studien- oder Prüfungsleistung ist die regelmäßige und aktive Lektüre der Textgrundlage.

 

Liberalism, Republicanism, Materialism, Anarchism – Theories and Critiques of the State

Lecturer: Floris Biskamp

Political theory typically asks: What is a state? Why do we need a state? What form should a legitimate state have? In the first half of the seminar we will discuss the answers prominent liberal and republican theorists give to these questions. In the second half we will discuss critical approaches from the anarchist and materialist tradition. These authors question the state on a more fundamental level, asking: Do we really need a state? Or more specifically: Who needs the state we have?

The number of participants is limited to 30. Those who register first will be considered first. Those who register but fail to attend the first session lose their spot. The course requires regular and active reading of complex theoretical texts.

 

Gewerkschaften in der Internationalisierung: Praktische Einblicke in ein Handlungsfeld

Dozent: Dr. Matthias Ebenau

Debatten über Gewerkschaften als ewiggestrige “Dinosaurier”, die im Zeitalter der Globalisierung dem Untergang geweiht seien, sind inzwischen zum erheblichen Teil abgeklungen. Dennoch ist klar, dass die zunehmende wirtschaftliche Verflechtung, gestiegene Kapitalmobilität usw. die Rahmenbedingungen für Arbeitnehmerorganisationen verändert – oft verschlechtert – haben. In diesem Seminar wollen wir uns mit den Auswirkungen dieser Prozesse auf Arbeitswelten, Systeme der industriellen Beziehungen sowie Herausforderungen und Handlungsmöglichkeiten von Gewerkschaften in Deutschland, Europa und anderswo auseinandersetzen und dabei auch Positivbeispiele für gewerkschaftliche Erneuerung kennenlernen. Das Seminar wird Gelegenheit zum Austausch mit PraktikerInnen aus gewerkschaftlichen Organisationen und Betrieben bieten und so auch einen Einblick in Gewerkschaften als Berufsfeld bieten.

 

Wintersemester 2014/2015

Prof. Dr. Burchardt befand sich während des WS 2014/2015 im Forschungssemester.

Globalisierung ‚von unten‘ und transnationale Migration

Dozentin: Dr. Stephanie Schütze

Wissenschaftliche Arbeiten zu Globalisierungsprozessen ‚von unten’ und transnationaler Migration analysieren das Entstehen von neuen ökonomischen und sozialen Räumen, kulturellen Identitäten sowie von Praktiken und Formen politischer Gemeinschaftsbildung, die über nationalstaatliche Grenzen hinweg stattfinden. Transnationale Migrationsprozesse führen nicht nur zu Veränderungen der Beziehungen zwischen sozialen Akteuren und dem Nationalstaat, sondern auch zu einem Wandel von Genderverhältnissen sowie von kultureller und politischer Zugehörigkeit (belonging).
In den ersten Sitzungen des Seminars wird in die Theorien der Forschung zu Globalisierungsprozessen und transnationaler Migration eingeführt. In den weiteren Sitzungen sollen ausgehend von der Diskussion empirischer Fallbeispiele die Veränderungen, die transnationale Migration in Bezug auf politische Praktiken, Genderbeziehungen, Citizenship sowie kulturelle Identität mit sich bringt, analysiert werden.

 

Geschlechterpolitik und Globalisierung

Dozentin: Dr. Stephanie Schütze

Das Seminar führt in die neuere sozial- und politikwissenschaftliche Forschung zu „Geschlechterpolitik und Globalisierung“ ein. Immer mehr Untersuchungen stellen einen Zusammenhang zwischen der ökonomischen sowie politischen Globalisierung und Geschlechterverhältnissen her. Feministinnen und Frauenbewegungen, die sich in den letzten Jahrzehnten zunehmend international und transnational vernetzen, hinterfragen globale geschlechterpolitische Machtverhältnisse. Sie prangern den Ausschluss und die Unterordnung von Frauen an. Ihre Forderungen und Diskurse beziehen sich auf Gleichheit (wie dem Wahlrecht und dem Recht auf Arbeit), auf die Anerkennung von Differenzen, auf die Bekämpfung von Gewalt sowie auf die Auswirkungen von globaler ökonomischer Entwicklung und Governance.
Nach den ersten einleitenden theoriegeleiteten Sitzungen soll im Seminar zusammen mit den Studierenden ein Programm für einen eintägigen Workshop zum Thema „Geschlechterpolitik und Globalisierung“ entwickelt werden. Dazu sollen Geschlechterforscherinnen aus dem deutschsprachigen Raum eingeladen werden, um gemeinsam mit den Studierenden Forschungsfragen zu erörtern. Der Workshop soll Ende Januar 2015 stattfinden.

 

Soziale Bewegungen in Lateinamerika

Dozentin: Dr. Stephanie Schütze

Thema des Seminars sind soziale Bewegungen, die in den letzten Jahrzehnten in Lateinamerika entstanden sind. Unter dem Oberbegriff ‚soziale Bewegungen’ werden die unterschiedlichsten Formen kollektiven Handelns zusammengefasst. In Lateinamerika werden darunter verschiedene Arten von kirchlichen Basisgemeinden, städtischen Landbesetzungsbewegungen, ethnischen Bewegungen und Ökologie-, Feminismus- und Homosexuellen-Bewegungen zusammengefasst. Gemeinsamkeit dieser Bewegungen ist es, dass sie die ökonomischen und politischen Staatsmodelle der lateinamerikanischen Länder herausfordern und deren autoritären politischen Praktiken in Frage stellen.
Im ersten Teil des Seminars sollen unterschiedliche sozialwissenschaftliche Ansätze zur Erklärung der Motivationen von sozialen Akteur/innen zu kollektivem Handeln behandelt werden. Im zweiten Teil des Seminars sollen diese theoretischen Ansätze dann in Bezug auf empirische Beispiele aus unterschiedlichen lateinamerikanischen Ländern diskutiert werden, wie z. B. die indigene Bewegungen der EZLN im ländlichen Mexiko, die brasilianische Schwarzenbewegung, feministische und homosexuellen Bewegungen etc.

 

Developing qualitative research about migrant’s working conditions in Germany

Dozentin: Dr. Stephanie Schütze

The seminar provides an introduction to qualitative methods in social sciences. It explores the central concepts of qualitative research as well as its practical dimensions, such as creating a research design, planning fieldwork, conducting interviews and analyzing qualitative data. The central goal of this seminar is preparing students to design their own qualitative research projects: A group of students will develop a small-scale research project related to the topic of migrant’s working conditions and experiences in Germany. A particular emphasis of this seminar is discussing and solving problems that emerge in fieldwork settings. Students will also develop fieldwork strategies that prepare for cross-cultural complexities related to gender as well as cultural, social and economic differences.

 

Rentengesellschaften

Dozent: Dr. Stefan Peters

Internationale Renten fallen insbesondere beim Rohstoffexport an. Galten Renten lange Zeit als entwicklungspolitischer Fluch, entstand in den vergangenen Jahren im Fahrwasser einer intensivierten Rohstoffkonkurrenz und hoher Weltmarktpreise für Mineralien, Treibstoffe und Nahrungsmittel seitens internationaler Organisationen und vieler Entwicklungsländer ein neuer Rohstoffoptimismus. Hohe Renteneinnahmen können demnach durch intelligente Politik durchaus in Entwicklungserfolge transformiert werden. Im Seminar werden zunächst die Grundlagen und aktuelle Kontroversen der Rententheorie diskutiert. Dabei werden Kategorien zur Analyse von Rentengesellschaften entwickelt, die im Seminar auf verschiedene Fallbeispiele aus Afrika, Asien und Lateinamerika angewendet werden. Zum Ende des Seminars werden die verschiedenen Länderbeispiele einem systematischen Vergleich unterzogen, um auf dieser Grundlage die Bedeutung von Renteneinnahmen für gesellschaftliche Entwicklungen zu diskutieren.

 

Bildung und soziale Ungleichheiten in Kassel – Teil II

Dozent: Dr. Stefan Peters

Der zweite Teil des Projektseminars begleitet die empirischen Forschungsprojekte mittels methodischer Vertiefungen insbesondere der Datenauswertung. Weiterhin stehen die Reflektion des Forschungsprozesses und der Vorstellung der (vorläufigen) Ergebnisse der Forschungsprojekte sowie deren Diskussion vor dem Hintergrund sozialwissenschaftlicher Theorien zum Zusammenhang von Bildung und sozialen Ungleichheiten im Mittelpunkt des Projektseminars.

 

Geschichte wird gemacht! Vergangenheitspolitik und Erinnerungskultur in Lateinamerika

Dozenten: Dr. Zeljko Crncic / Dr. Stefan Peters

Inhaltlich beschäftigt sich das Seminar mit der jüngsten Geschichte Lateinamerikas sowie ihrer Aufarbeitung in Politik, Gesellschaft und Kultur. Ein Großteil der Länder der Region sah sich bis in die 1980er Jahre mit (Militär-)Diktaturen oder Bürgerkriegen konfrontiert. Während dieser Zeit kam es zu schweren Menschenrechtsverletzungen, die die Gesellschaften vielfach bis heute prägen. Gegenwärtig lässt sich in Lateinamerika eine intensive Auseinandersetzung mit der Vergangenheit feststellen. Dieser Erinnerungsboom zeichnet sich durch eine thematische Vielfalt und die Nutzung unterschiedlicher Medien  zur Aufarbeitung der Vergangenheit aus und wird durch die Zunahme von Gerichtsverfahren gegen die verantwortlichen Militärs begleitet. Gleichzeitig sehen sich viele Gesellschaften auch den Einflüssen früherer Machthaber und ihrer Alliierten gegenüber, die kein Interesse an einer Beschäftigung mit früheren Gewalttaten haben. Ziel des Seminars ist es, die verschiedenen Bemühungen nach Aufarbeitung der jüngsten Geschichte Lateinamerikas darzustellen. Dafür wird ein Bogen von Simón Bolívar, dem mythischen Befreier der Region und seiner posthumen Wahrnehmung bis zur Suche nach den Opfern der mexikanischen Aufstandsbekämpfungspolitik gespannt. Auf diese Weise soll ein breites Panorama der unterschiedlichen Geschichtspolitiken erarbeitet werden.
Das Projektseminar bereitet die Teilnahme an der Tagung Weingartener Lateinamerikagespräche vom 09. bis 11. Januar 2015 zum Thema „Geschichte wird gemacht! Vergangenheitspolitik und Erinnerungskultur in Lateinamerika“ in Weingarten inhaltlich und organisatorisch vor. Während der Vorbereitung und Teilnahme an der Tagung werden die Abläufe einer Veranstaltungsorganisation aus der Nähe kennengelernt und Kontakte mit den Referenten hergestellt. Als Ergebnis des Projektseminars sollen Artikel, Protokolle, Interviews, Tagungsberichte etc., die für Veröffentlichungen vorbereitet werden. Diese schriftlichen Leistungen werden als Leistungsnachweis gewertet. Die Exkursion nach Weingarten wird weitgehend aus Mitteln des Fachbereichs gefördert, es ist aber ein Eigenbeitrag von ca. 60 € zu entrichten. Die Teilnahme an der Tagung ist für den Leistungserwerb obligatorisch.
Die Tagung von Weingarten bildet einen Hauptaspekt des Seminars, praktische Vor- und Nacharbeiten zur Exkursion sind daher Teil des Programms. Da das Seminar einen starken Praxisbezug hat, können im Verlauf verschiedene kleinere Aufgaben wie die praktische oder inhaltliche Vorbereitung von Artikeln oder anderen schriftlichen Arbeiten anfallen. Zudem ist die Gestaltung einer Seminarstunde – als Ersatzleistung für ein Referat – als relevante Leistung vorgesehen.

 

Wenn Arbeit aus dem Schatten tritt – Informelle Beschäftigung in Kassel, 1. Teil

Dozent: Nico Weinmann

Das Normarbeitsverhältnis im Sinn eines dauerhaften Arbeitsverhältnisses zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, mit standardisierter Arbeitszeit, fixiert durch einen Arbeitsvertrag, eingebettet in das Arbeits- und Sozialrecht befindet sich allgemein auf dem Rückzug. Bei der Ergründung der Frage was an seine Stelle tritt, wollen wir in dem Seminar einen ungewöhnlichen Weg einschlagen: Über Konzepte informeller Arbeit, die seit mehreren Jahrzehnten in Studien zu Arbeitsgesellschaften des globalen Südens Konjunktur haben, wollen wir uns vor Ort auf die Spur begeben von Formen der Arbeit die bislang weitgehend im Schatten der Öffentlichkeit und der Sozialwissenschaften verrichtet werden.  Anhand lokaler Arbeitsmarktstatistiken, der Erstellung eines gemeinsamen Interviewleitfadens und der eigenständigen Feldforschung wollen wir verschiedenen Spielarten informeller Arbeit in eigenen Forschungsprojekten nachspüren. Zum Beispiel über die Beschäftigung mit Tagelöhnern, kreativ Selbstständigen, illegal und illegalisiert Arbeitenden oder aber vermeintlich formal Beschäftigten bei denen das Arbeits- und Sozialrecht nicht oder nur teilweise greift, sollen schlussendlich die Analysepotentiale der im globalen Süden erprobten Konzepte informeller Arbeit für die Ergründung der hiesigen Arbeitsgesellschaft ausgelotet werden.

 

Arbeit und soziale Ungleichheit in Brasilien: Entwicklungen und Herausforderungen

Dozent: Paul Hecker

Brasilien erfährt nicht zuletzt wegen sportlicher Großereignisse eine erhöhte weltweite Aufmerksamkeit. Das „Land der Zukunft“ steht dabei immer auch vor dem Versprechen grundlegender Veränderungen in sozialer, ökonomischer und politischer Hinsicht. Das Seminar analysiert am Beispiel Arbeitspolitik und soziale Ungleichheiten, inwiefern derartige Ziele durch die jüngsten politischen Reformprozesse in Brasilien erreicht werden konnten. Im Seminar werden zunächst aktuelle Fragen der Entwicklungstheorie exemplarisch anhand der Formalisierung von Arbeitsverhältnissen und abnehmender sozialer Ungleichheit in Brasilien diskutiert. Begleitend werden die Teilnehmenden politikfeldbezogene Länderanalysen erstellen. Dabei werden folgende Fragekomplexe behandelt: Welche Veränderungen lassen sich in Brasilien in den Bereichen Arbeit und soziale Ungleichheit beobachten? Ist eine Abkehr von historisch geprägten lokalen Entwicklungspfaden zu erkennen? Lassen sich die Veränderungen mit bestehenden Paradigmen der Entwicklungstheorie fassen? Wie können Arbeit und soziale Ungleichheit in diesen Theorien berücksichtigt werden?
Als Studien- und Prüfungsleistung sind Leseprotokolle und Kurzreferate sowie eine schriftliche Ausarbeitung geplant.

 

Sommersemester 2014

Umwelt und Entwicklung im 21. Jahrhundert – Perspektiven aus Lateinamerika

Dozent: Prof. Dr. Hans-Jürgen Burchardt

Die weltweit hohen Rohstoffpreise begünstigten seit der letzten Dekade in vielen Entwicklungsländern und insbesondere in Lateinamerika einen spürbaren wirtschaftlichen Aufschwung, der auch neue (sozial-) politische Handlungsspielräume eröffnet. Allerdings ist es bis heute fraglich, ob es gelingt, das ökonomische Fundament jenseits dieser Exportwirtschaft zu verbreitern, tiefer gehende Sozialreformen durchzusetzen oder Lösungen für die dringlicher werdenden ökologischen Herausforderungen in der Region zu finden. In dem Seminar wird das Spannungsfeld zwischen Umwelt und Entwicklung aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Dabei werden konkurrierende Entwicklungsparadigmen, politische Handlungsstrategien, die Rolle staatlicher und nichtstaatlicher Akteure, veränderte Konfliktkonstellationen sowie das Verhältnis zwischen Umwelt und sozialer Ungleichheit vorgestellt und diskutiert.

 

Umverteilung oder Anerkennung? Ein Lektürekurs zu Nancy Fraser

Dozent: Prof. Dr. Hans-Jürgen Burchardt

Nancy Fraser ist eine der bekanntesten Sozialphilosophinnen der Gegenwart. Mit ihren Arbeiten zur sozialen und politischen sowie zur feministischen Theorie und zu Fragen nach Umverteilung und Anerkennung hat sie die Diskussionen über die normativen Grundlagen der Demokratie in modernen Gesellschaften entscheidend beeinflusst. Umverteilung und Anerkennung werden oft als Alternativen gesehen, die einander ausschließen: Verfechter der Umverteilung vertreten hierbei die Auffassung, dass eine Politik der Anerkennung von den entscheidenden, nämlich den strukturellen und vor allem ökonomischen Fragen ablenkt. Vertreter einer Politik der Anerkennung weisen darauf hin, dass eine Politik der Umverteilung, die für Differenzen blind ist, Ungerechtigkeit noch befördert, indem sie herrschende Gruppennormen universalisiert und von untergeordneten Gruppen die Assimilation verlangt, statt deren Diversität anzuerkennen. Für Fraser ist dieser Gegensatz irreführend. Ihr zufolge verlangt heute Gerechtigkeit sowohl nach Umverteilung als auch nach Anerkennung. Sie hält es deshalb für notwendig, ein mehrdimensionales Konzept von Gerechtigkeit zu entwerfen, welches die legitimen Ansprüche auf soziale Gleichheit mit legitimen Forderungen nach Anerkennung von Unterschieden in Einklang zu bringen vermag. In ihren Arbeiten hat Fraser dafür ein dreidimensionales Gerechtigkeitskonzept entwickelt, welches die Dimensionen Umverteilung (von Ressourcen), Anerkennung (verschiedener Gruppen und Identitäten) und Repräsentation (Symbolik und Semantik) umfasst. In dem Lektürekurs soll dieses Konzept vertiefend diskutiert und dem gesellschaftsanalytischen Potenzial von Frasers Kategorien und Positionen nachgegangen werden. Vorausgesetzt wird dazu die Bereitschaft, die ausgewählten Texte intensiv zu lesen und kontrastierend zu diskutieren. Ein Leistungsnachweis kann durch eine durchgehende Teilnahme sowie die Präsentation eines Textteils erworben werden. Der Erwerb der Pflichtlektüre vor der Veranstaltung wird empfohlen.

 

World Politics and North-South Relations

Dozent: Prof. Dr. Hans-Jürgen Burchardt

Relations between industrialized nations and the so-called `Third World´ have long been neglected in the theories and analyses of International Relations. They were primarily seen as a matter of uneven development that did not substantially destabilize the world system during the last 50 years. Currently, the properties of North-South relations are changing: On the one hand, they have become a problem for the North and thus a central line of conflict in the international system due to “boomerang”-effects like competitive pressures or migration. On the other hand, the political and economic influence of emerging states in the South is steadily growing. In this seminar, we will present and discuss central characteristics of countries in the Global South as well as their influence on world politics. Areas of special attention are political economy, social inequality and social policy, as well as the development of democracy and international cooperation.

 

Arbeitspolitik in globaler Perspektive – Konzepte, Befunde und Herausforderungen

Dozent: Prof. Dr. Hans-Jürgen Burchardt

Die Welt der Arbeit war in den letzten Jahrzehnten zahlreichen Veränderungen unterworfen, die sich am besten in globaler Perspektive verstehen lassen: In den Industriestaaten wurde das `Normarbeitsverhältnis´ der fordistischen Massenproduktion und der sozialen Sicherungssysteme durch Flexibilisierungspolitiken sichtbar erodiert; eine Tendenz, die heute mit Begriffen wie „Prekarisierung“ beschrieben wird. In den meisten Entwicklungsländern machten formelle Arbeitsverhältnisse demgegenüber schon immer die gesellschaftliche Minderheit aus. Sie gehen über in ein heterogenes Feld informeller Beschäftigung, welches oft mit Konzepten wie „Marginalisierung“ oder „Informalität“ erklärt wird. Die Arbeitsbeziehungen in Nord und Süd weisen also Schnittmengen auf, die es genauer zu betrachten gilt. Dabei wird deutlich, dass es sich keineswegs ausschließlich um Effekte der Globalisierung oder Produkte der „unsichtbaren Hand“ des Marktes handelt. Die aktuellen Trends werden vielmehr über Arbeitsmarktpolitiken, aber auch Formen der Sozialpolitik durch sehr „sichtbare Hände“ der Politik konstituiert. In dem Seminar werden darum die regionalen Varianzen ebenso wie die globalen Faktoren und Muster der heutigen Arbeitspolitiken anhand von ausgewählten Beispielen und Analysen vorgestellt und diskutiert.

 

Entwicklung: Theorie – Politik – Kritik

Dozent: Dr. Stefan Peters

„Entwicklung“ ist das übergreifende Ziel verschiedener Interventionen von Staaten, Internationalen Organisationen, NGOs etc. in Ländern des globalen Südens. Die Bilanz der Entwicklungspolitik ist nach mehreren Entwicklungsdekaden, unzähligen entwicklungspolitischen Konferenzen und verschiedener Entwicklungsstrategien jedoch bescheiden. Die Gründe für die fortwährenden Entwicklungsprobleme werden ebenso kontrovers diskutiert wie mögliche Ansätze zu ihrer Überwindung. Im Seminar werden zunächst der Entwicklungsbegriff sowie zentrale Entwicklungstheorien diskutiert. In einem zweiten Teil werden dann entwicklungspolitische Interventionen anhand ausgewählter Beispiele behandelt. Auf dieser Grundlage sollen im letzten Abschnitt des Seminars aktuelle kritische Perspektiven auf Entwicklungspolitik sowie Entwicklungsalternativen und Alternativen zur Entwicklung reflektiert werden.

 

Bildung und soziale Ungleichheit in Kassel

Dozent: Dr. Stefan Peters

Obwohl der wechselseitige Zusammenhang von Bildung und sozialen Ungleichheiten zum Kernbestand sozialwissenschaftlicher Erkenntnisse zählt, wird Bildungspolitik in der deutschsprachigen Debatte immer noch nicht selbstverständlich als Teil der Sozialpolitik begriffen. Hingegen zeigen aktuelle Auseinandersetzungen über die Mehrgliedrigkeit des Schulsystems und Ganztagsbetreuung ebenso wie Berichte über innerstädtische ‚Problemschulen‘, dass Bildung in der öffentlichen Debatte vermehrt auch unter Berücksichtigung ihrer sozialen Implikationen diskutiert wird. Die teilweise heftigen bildungspolitischen Konflikte deuten darauf hin, dass Bildungspolitik – trotz umfangreicher Forschungen –  nicht als technische Problemlösung, sondern als Politikfeld intensiver gesellschaftlicher Auseinandersetzungen um gesellschaftliche Teilhabe zu verstehen ist.
Im zweisemestrigen Projektseminar werden zunächst zentrale Theorien und empirische Befunde der bildungssoziologischen und bildungspolitischen Forschung diskutiert. Auf dieser Grundlage wird ein Analyseraster zur qualitativen Erforschung von Bildung und sozialen Ungleichheiten entwickelt und eine problemorientierte Vertiefung zu qualitativen Methoden der empirischen Sozialforschung gegeben. Im Wintersemester 2014/2015 sollen die erworbenen Kenntnisse dann zu eigenständigen Forschungen zur Bildung und sozialen Ungleichheiten in Kassel und Umgebung angewendet werden.

 

Arbeit und Geschlecht

Dozenten: Johanna Neuhauser / Nico Weinmann

Die Arbeitswelt ist entlang der Geschlechterfrage in mehrfacher Hinsicht ungleich strukturiert: Das drückt sich für Frauen zum Beispiel in der geringeren Bezahlung, in beschränkten Zugangschancen zu Arbeitsplätzen, in innerbetrieblichen Hierarchien oder erschwerten Karriere- und Aufstiegsmöglichkeiten aus. Die benachteiligte Positionierung von Frauen in der Arbeitswelt ist zudem eng mit der wohlfahrtsstaatlichen Regulierung von Arbeit verwoben. So hat sich normativ wie alltagspraktisch ein male-breadwinner/female-housewife-Modell etabliert:  Während Männer in erster Linie bezahlter Lohnarbeit nachgehen, fällt Frauen neben der Lohnarbeit auch die reproduktive Haus- und Sorgearbeit zu.
In dem Seminar wollen wir zunächst theoretisch der Dreiecksbeziehung zwischen Arbeit, Geschlecht und Politik nachgehen und dabei folgende Fragen behandeln: Wie kann man konzeptionell ungleiche Geschlechterverhältnisse reflektieren? Wie lässt sich die Verschränkung von Produktions- und Reproduktionssphäre erklären? Auf welche Weise verstärkt oder reduziert Politik Geschlechterungleichheit? In einem zweiten Schritt wollen wir die theoretischen Erkenntnisse in der Praxis überprüfen und anwenden, indem wir uns näher mit den Berufsfeldern der sozialen Arbeit und der Industriearbeit beschäftigen. Dazu werden wird einen Blick hinter die Pforten eines nordhessischen Industriebetriebs werfen und dem Berufsalltag der sozialen Arbeit nachspüren.

 

Konflikte um Ressourcen – Beispiele aus verschiedenen Weltregionen

Dozent: Dr. Zeljko Crncic

Ressourcen wie Öl, Gas oder Edelsteine sind stark gefragte Güter, mit denen auf den Weltmärkten hohe Preise erzielt werden können. In Staaten, die über große Ressourcenvorkommen verfügen, kommt es aber auch immer wieder zu sozialen Konflikten bis hin zu Bürgerkriegen. Im Mittelpunkt steht dabei die Kontrolle über die Lagerstätten, die Transportwege oder die Verteilung der Gewinne aus der Ressourcenausbeutung. Im Seminar werden verschiedene komplexe Konflikt- und Kriegsszenarien behandelt, in deren Mittelpunkt Naturressourcen stehen. Dabei soll ein breites Panorama von den eher latenten sozialen Konflikten beispielsweise in  Kasachstan, über bewaffnete Konflikte um Ressourcen wie in Sudan oder Kolumbien bis zu sozialer Mobilisierung gegen die Ausbeutung von Ressourcen wie in Ecuador oder Peru gespannt werden.
Ziel ist es zunächst, gemeinsam einen theoretischen Zugang zum Begriff der Kriegsursachen unter Rückgriff auf die Forschungsliteratur zu erarbeiten. In einem zweiten Teil sollen dann wichtige Ansätze der Forschung über Ressourcen wie der Rentierstaatsansatz, der Fluch der Ressourcen oder der Extraktivismus erarbeitet werden. Im dritten Teil soll es dann um einzelne militärische und nicht-militärische Konflikte gehen, die mit dem Ressourcenabbau verknüpft sind. Politische und soziale Strukturen der Fallbeispiele sollen freigelegt werden, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Konfliktlagen besser verstehen zu können. Die Verflechtung auf transnationaler Ebene soll ebenfalls berücksichtigt werden. Die Begriffe Krieg und Konflikt sowie natürliche Ressourcen sind hier bewusst breit definiert, um eine Vielzahl an Fällen berücksichtigen zu können. Auch sollen mögliche Lösungsszenarien für die einzelnen Fälle angesprochen werden.

 

Frauen und Macht in Lateinamerika

Dozentin: Johanna Neuhauser

In den letzten Jahren wurden in Lateinamerika nicht nur vermehrt Frauen als Staatsoberhaupte gewählt, es fanden auch verstärkt Frauenrechte oder Forderungen nach der Anerkennung sexueller Diversität in Regierungsprogrammen oder Verfassungen Beachtung. Zudem ist die Bearbeitung der Geschlechterfrage seit der Jahrtausendwende Gegenstand von Reformbemühungen zahlreicher Mitte-Linksregierungen im Feld der Arbeits- und Sozialpolitik. Gleichzeitig sind lateinamerikanische Frauen am Arbeitsmarkt noch immer deutlich benachteiligt. Und auf der kulturellen Eben erweist sich der Machismo als persistente Alltagspraxis.
Es zeigt sich daher ein ambivalentes Bild zwischen der wachsenden formalen Gleichstellung der Geschlechter und der Erweiterung von Handlungsräumen einerseits und der (Re)Produktion alter und neuer Ungleichheiten andererseits. In der Veranstaltung sollen diese Widersprüchlichkeit anhand konkreter Länderbeispiele ausgelotet und theoretische Bezüge zur Geschlechter- und Intersektionalitätsforschung hergestellt werden.

 

Wintersemester 2013/2014

Demokratie und Bürgerrechte in vergleichender Perspektive

Dozent: Prof. Dr. Bernd Reiter

Die wissenschaftlichen Diskussionen über neue und alte Demokratien haben sich in den letzten Jahren stark auf die Qualität der Bürgerrechte konzentriert. Im internationalen Vergleich lassen sich – gemessen an der Qualität oder Intensität der existierenden Bürgerrechte – verschiedene „citizenship regimes“ erstellen. Was genau aber sind Bürgerrechte? Worauf beruhen sie und wer legitimiert sie? In welcher Beziehung stehen sie zu „Bürgerpflichten?“ Von welchen Instanzen müssen Rechte und Pflichten eingefordert werden? Was geschieht, wenn Rechte und Pflichten nicht im gleichen Maße von allen Bevölkerungsschichten getragen werden? Um diese und ähnliche Fragen zu beantworten, werden wir in diesem Seminar neben ausgewählten Klassikern auch neuere Ansätze behandeln, um die analytischen „tools,“ welche eine solche Analyse erfordert, im Dialog und der kritischen Diskussion gemeinsam zu erarbeiten.
Von den teilnehmenden Studierenden wird erwartet, dass sie das zur Verfügung stehende Material lesen. Zudem muss jeder Teilnehmer einen Text vorstellen und die Diskussion über diesen Text leiten.

 

Die aktuelle Politik der Vereinigten Staaten

Dozenten: Prof. Dr. Frank Fischer / Prof. Dr. Hans-Jürgen Burchardt

Der Kurs beschäftigt sich vor allem mit den Strukturen und Prozessen des Regierungssystems der Vereinigten Staaten von Amerika.  Zu Beginn liegt der Focus auf der Betrachtung  der Grundlagen der Verfassung, mit Betonung auf  „Limited Government“ und Naturrechte.  Die sich daran anschließenden Hauptthemen sind: Die Präsidentschaft, die das politische System dominiert, entgegen den Absichten der “Founding Fathers“; der Kongress, eine politische gespaltene Institutionen, die viel Vertrauen verloren hat; die Bürokratie, einschließlich des Pentagons und der CIA, die übermächtig geworden sind;  der Supreme Court, der neutrale Entscheidungen treffen sollte, aber unter den konservativen Richtern politische aktiv geworden ist.
Weiter erforscht der Kurs politische Parteien und Wahlen, die Rolle von Interessengruppen, der Zivilgesellschaft, Denkfabriken und der Medien. Beispiele von Innen- und Außenpolitik illustrieren die Brennpunkte — einschließlich der finanzielle Krise von 2008, die Beziehung zwischen Regierung  und Corporate Amerika, die Tea Party und die Konservativen, die Aktivisten und Occupy Wall Street,  Krieg in Irak und Afghanistan, der Nachrichtdienst und Private Manning und Edward Snowden, Präsident Obama und Rassismus. Durch den Kurs stellen sich grundlegende politische Fragen — zum Beispiel, wie demokratisch ist die USA heute?  Bleibt Rassismus immer noch eine fundamentale Belastung? Wie groß sind die sozialen und ökonomischen Ungleichheiten? Ist das Land ein politisches und ökonomisches Muster für andere Länder?  Verliert die USA allmählich seine Macht auf der Weltbühne?

 

Global Policy Analysis
Lecturer: Prof. Dr. Frank Fischer / Prof. Dr. Hans-Jürgen Burchardt

This course examines the basic political dynamics of the public policymaking process with a focus on global policy issues. It extends the concepts and methods of public policy analysis, mainly developed in the context of national and foreign politics, to the newly emerging topic of global public policy.  This extension and comparison is employed to both understand the policy-analytical process, and at the same time, explore the nature and requirements of the emerging realm of global policymaking and implementation.  Toward this end, the course materials examine the politics of each phase of the policy-making process, from the politics of agenda setting (emphasizing the role of the media and movements), policy formulation (including epistemic policy communities), policy decision-making and adoption (elitists versus pluralist models), implementation (and bureaucratic politics), and policy evaluation (technocratic versus constructivist approaches), and the political of termination. In the process, the course gives special attention to the kinds of knowledge and inquiry appropriate to each phase of the policy process. Along the way, the role of theoretical models and the methods appropriate to the various theoretical orientations are examined, including the advocacy coalition model, rational choice theory, the liberal-institutional perspective, and the discourse approach  The contemporary debates between positivist and postpositivist/postempiricist approaches to policy inquiry are also explored.  In the context of the postpositivist orientation, particular emphasis will be given to discourse and the “argumentative turn” in policy analysis.

 

Einführung in die Nord-Süd-Beziehungen

Dozent: Dr. Stefan Peters

Die Nord-Süd-Beziehungen befinden sich im Wandel. Schienen Entwicklungsgefälle zwischen Nord und Süd lange Zeit zementiert zu sein, brachten in den letzten Jahren verschiedene Umbrüche in den Nord-Süd-Beziehungen die internationale Politik in Bewegung.  Einerseits könnten sich angesichts der Wirtschafts- und Finanzkrise und des Aufstiegs verschiedener Länder des globalen Südens bestehende wirtschaftliche und soziale Asymmetrien relativieren sowie gleichzeitig den Weg zu einer multipolaren Weltordnung ebnen. Andererseits zeigt sich vielfach weiterhin das Erbe der (post-)kolonialen Ordnung, die ebenso Zweifel an der Nachhaltigkeit aktueller wirtschaftlicher Erfolgsgeschichten wie an einer gleichberechtigten Neugestaltung der Weltpolitik generieren.
Im Seminar wird zunächst Überblick zur historischen Entwicklung der Nord-Süd-Beziehungen und zentralen theoretischen Ansätzen zum Themenfeld gegeben. Anschließend werden aktuelle wirtschaftliche, politische und soziale Veränderungen der Nord-Süd-Beziehungen analysiert. Dabei wird auch in der Auswahl der Themen und Texte jeweils der Süd-Perspektive besondere Bedeutung gegeben.

 

Staat in globaler Perspektive – die Praxis einer wissenschaftlichen Tagung

Dozent: Dr. Stefan Peters

Der Staat ist eine zentrale Kategorie der Politikwissenschaft. Obwohl in den vergangenen Jahren vermehrt Anstrengungen zur Erforschung peripherer, post-kolonialer oder gar transnationaler Staatlichkeit unternommen wurden, ist die Staatsdebatte in Theorie und Empirie immer noch von europäischen und nordamerikanischen Zugängen und Befunden geprägt. Angesichts der Kräfteverschiebungen in der Weltwirtschaft und des Aufstiegs von Staaten des globalen Südens (Brasilien, China, Indien, Südafrika) sowie innovativer und in der aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrise zum Teil äußerst erfolgreicher Staatspolitiken scheint es aber von besonderem Interesse, sich mit Staatlichkeit in globaler Perspektive zu beschäftigen. Hierfür werden verschiedene Staatskonzeption diskutiert, die konkrete Ausgestaltung von Staatlichkeit in vergleichender Perspektive mit einem Fokus auf den globalen Süden analysiert und Fragen nach den Grenzen der Übertragbarkeit westlicher Vorstellungen des Staates auf Gesellschaften außerhalb der OECD erörtert.
Das Seminar dient der Vorbereitung der Teilnahme an der Tagung „Staat in globaler Perspektive“, die am 30.1/31.1. an der Universität Kassel stattfinden wird. Im Seminar wird zunächst in konzeptionelle und theoretische Grundlagen des Staates eingeführt, bevor in einem zweiten Schritt aktuelle Veränderungen staatlicher Arrangements in globaler Perspektive diskutiert werden. Gleichzeitig werden Einblicke in die Organisation und den Ablauf einer wissenschaftlichen Tagung gegeben und Kontakte zu den Vortragenden vermittelt. Die Teilnahme an der Tagung in Kassel ist Grundvoraussetzung für die Teilnahme am Seminar.

 

Rechte Gewalt – Phänomen, Umgang und Prävention

Ringvorlesung
Verantwortlich: Dr. Stefan Peters, Dr. Oliver Plessow, Katharina Terörde

Kernstudium Mo 5, BA Politikwissenschaft additive SQ, BA Soziologie additive SQ, BA Geschichte additive SQ, BA Soziale Arbeit Modul S, BA Psychologie Modul 19b, BA Germanistik Modul 16, BA Philosophie Modul 11
Mit dem Beginn des Gerichtsprozesses über die Verbrechen des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) wird das Thema rechte Gewalt erneut in der Öffentlichkeit ausführlich diskutiert. Verschiedene Studien (z.B. Deutsche Zustände der Forschergruppe um Prof. Dr. Wilhelm Heitmeyer von der Universität Bielefeld, die ‚Mitte-Studie‘ der Friedrich-Ebert-Stiftung) haben gezeigt, dass rechtsextreme Einstellungen in Deutschland kein Randphänomen sind, sondern auch in der ‚Mitte‘ der Gesellschaft auf Zustimmung bzw. Akzeptanz stoßen. Während solche Ergebnisse bereits seit Langem bekannt sind, haben die NSU-Morde auf besonders erschreckende Weise das Gewaltpotential neonazistischer Gruppen gezeigt. Im Rahmen der interdisziplinären Ringvorlesung werden Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Fachrichtungen und Praxisbereichen zu verschiedenen Perspektiven auf rechte Gewalt referieren und diskutieren. Besondere Schwerpunkte der Veranstaltung liegen auf der Geschichte rechter Gewalt in Deutschland und Möglichkeiten der Prävention durch historisches Lernen, Aspekte rechter Gewalt im Alltag und in Subkulturen sowie möglichen Handlungsoptionen zum Umgang mit und zur Prävention von rechter Gewalt.
Eingeladene ReferentInnen: Gideon Botsch (Universität Potsdam), Stephan Bundschuh (Hochschule Koblenz), Gudrun Hentges (Hochschule Fulda), Oliver Plessow (Universität Kassel), Winfried Speitkamp (Universität Kassel), Aram Ziai (Universität Kassel), Jan Raabe, Richard Gebhardt (RWTH Aachen), Matthias Proske (Universität Köln) u.a.

 

Urbane (T)Räume in Lateinamerika: Städte zwischen Kultur, Kommerz und Konflikt

Projektseminar
Dozenten: Dr. Zeljko Crncic / Nico Weinmann

Mit der Fußballweltmeisterschaft 2014 in Brasilien und den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro rücken lateinamerikanische Städte wieder in den Mittelpunkt internationaler Öffentlichkeit. Während solche Sport- und Kulturspektakel beispielhaft für die Vermarktung von Stadtkultur stehen und häufig auf die Erzielung von Profiten ausgerichtet sind, ist das vorherrschende Bild lateinamerikanischer Städte oft von Ungleichheiten, Rassismus und Ausgrenzung gekennzeichnet. Lateinamerika weist eine der höchsten Urbanisierungsraten der Welt auf und die Städte verdichten sich immer stärker zu Kristallisationspunkten vielfältiger sozialer Probleme, Konflikte aber auch von innovativen politischen, sozialen und kulturellen Projekten und Protesten. Dieses Projektseminar will diesen unterschiedlichen Dynamiken systematisch nachgehen und beschäftigt sich inhaltlich mit den aktuellen Entwicklungen in den Städten der Region. Hierbei wird die Tagungsteilnahme an den Weingartener Lateinamerikagespräche vom 10. bis 12.01.2014 zum Thema „Urbane (T)Räume: Städte zwischen Kultur, Kommerz und Konflikt“  in Weingarten inhaltlich und organisatorisch vorbereitet. Während der Vorbereitung und Teilnahme an der Tagung werden Einblicke in die Abläufe einer Veranstaltungsorganisation gewährt und Kontakte mit den Referenten aus Wissenschaft und Praxis ermöglicht. Im Verlauf des Seminars werden Artikel, Protokolle, Interviews, Tagungsberichte erarbeitet. Diese schriftlichen Leistungen werden als Leistungsnachweis gewertet. Die Exkursion nach Weingarten wird weitgehend aus Mitteln des Fachbereichs gefördert, es ist aber ein Eigenbeitrag von ca. 60 € zu entrichten. Die Teilnahme an der Tagung ist für den Leistungserwerb obligatorisch.
Die Tagung von Weingarten bildet einen Hauptaspekt des Seminars, praktische Vor- und Nacharbeiten zur Exkursion sind daher Teil des Programms. Da das Seminar einen starken Praxisbezug hat, können im Verlauf verschiedene kleinere Aufgaben wie die praktische oder inhaltliche Vorbereitung von Artikeln oder anderen schriftlichen Arbeiten anfallen. Zudem ist die Gestaltung einer Seminarstunde – als Ersatzleistung für ein Referat – als relevante Leistung vorgesehen.
Das Projektseminar mit Exkursion ist einsemestrig und deckt 4 SWS ab. Die Teilnahmezahl ist aufgrund organisatorischer und finanzieller Mittel beschränkt. Eine möglichst frühe Anmeldung unter dem Stichwort ‚Urbanisierung in Lateinamerika“ unter der Email crncic@uni-kassel.de spätestens bis zum 1. Oktober 2013 ist Voraussetzung für die Teilnahme.

 

Einführung in die Internationale Politische Ökonomie

Dozent: Christian Möllmann

Die Politikwissenschaft und ihre Subdisziplin der Internationalen Beziehungen beschäftigen sich primär mit dem Verständnis von Staat und (internationaler) Politik, während die Wirtschaftswissenschaften vor allem am Funktionieren von (zunehmend globalisierten) Märkten interessiert sind. Aber wie kann man dann Konflikte wie den um die jüngsten Abwertungen der Kreditwürdigkeit mehrerer europäischer Länder verstehen? Als das global agierende private Unternehmen Standard&Poor’s, eine US-amerikanische Rating-Agentur, eine solche Abwertung vornahm, befürchteten viele erhöhte Zinsen für Kreditaufnahmen der öffentlichen Hand, weitere staatliche Haushaltskürzungen und damit eine Verschlechterung der ohnehin schon angespannten politischen Lage im Kontext der „Euro-Krise“. Viele sahen vor diesem Hintergrund die Abwertung durch Standard&Poor’s als einen politischen (!) Feldzug eines vor allem am wirtschaftlichen Gewinn orientierten Privatunternehmens gegen europäische Länder und demokratisch gewählte Regierungen. Manche plädierten daher für die staatliche (!) Initiative zur Gründung einer europäischen und sogar nicht-kommerziellen Rating-Agentur. Andere verwiesen hingegen darauf, dass private Rating-Agenturen prinzipiell nützliche Dienstleister für Investoren seien, zu denen letztlich auch viele Kleinsparer/innen in Europa zählen. Standard&Poor’s decke lediglich unsolide staatliche Haushaltsführung auf, und betroffene Länder müssten nun endlich die nötigen (Spar-) Maßnahmen ergreifen, um das „Vertrauen der Märkte“ wiederzuerlangen.
Solche Beispiele zeigen, dass die von der Politik- und Wirtschaftswissenschaft getrennt betrachteten gesellschaftlichen Bereiche  ‘Staat’ und ‘Markt’ in der Realität nicht nur miteinander verknüpft sind, sondern die Grenzziehung zwischen beiden auch oftmals diffus und umstritten ist. Das Seminar führt in das Forschungsprogramm der Internationalen Politischen Ökonomie (IPÖ) ein, das die Untersuchung des Verhältnisses zwischen ‘Staat’ und ‘Markt’ bzw. ‘Politik’ und ‘Wirtschaft’ zum Gegenstand hat. Der erste Kursteil widmet sich dem grundlegenden Verständnis klassischer Theorieansätze der IPÖ (Liberaler Internationalismus, Merkantilistischer Realismus und Historischer Materialismus). Im zweiten Teil des Kurses untersuchen wir vor diesem Hintergrund konkrete Felder der IPÖ (Produktions-, Handels- und Finanzbeziehungen) mit Blick auf die Frage, ob und wie sich das Verhältnis zwischen Politik und Wirtschaft (Staaten und Märkten) in den letzten Jahrzehnten strukturell gewandelt hat. Anhand ausgewählter Beispiele wie dem Aufstieg der sog. BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika) diskutieren wir abschließend, inwiefern eine IPÖ-Perspektive zum besseren Verständnis gegenwärtiger Dynamiken der Weltordnung beitragen kann.

 

Einführung in die vergleichende Politische Ökonomie: Zur Vielgestaltigkeit des Gegenwartskapitalismus

Dozent: Matthias Ebenau

Dieses Seminar führt in die Vergleichende Politische Ökonomie und insbesondere ins Forschungsfeld der komparativen Untersuchung von räumlich und institutionell differenzierten Modellen des Kapitalismus ein. Es werden klassische wie moderne Ansätze dieses Feldes präsentiert und kritisch diskutiert. Diese dienen dann als konzeptuelle Schlüssel für die Annäherung an verschiedene konkrete Fälle: das sozial-korporatistische Kapitalismusmodell (West-)Deutschlands, den liberalen Kapitalismus der USA und Großbritanniens und die durch Abhängigkeitsbeziehungen geprägten kapitalistischen Systeme Lateinamerikas. Im Zuge dieser Fallanalysen wird zugleich die theoretische Debatte fortgeführt und vertieft. Somit hat das Seminar einerseits zum Ziel, die Vielgestaltigkeit des Gegenwartskapitalismus sichtbar zu machen; andererseits will es eine kritische Orientierung im Feld der Vergleichenden Politischen Ökonomie ermöglichen.
Aufgrund der Literaturlage ist die Fähigkeit und Bereitschaft zur Lektüre englischsprachiger Texte erforderlich. Bitte beachten Sie zudem, dass das Seminar nach einer einführenden Sitzung immer vierzehntägig und vierstündig stattfindet.

 

Sozialpolitik im globalen Süden

Dozent: Timm B. Schützenhofer

Lange war die Sozialpolitikforschung auf die OECD-Staaten beschränkt, während Asien, Afrika und Lateinamerika Regional- und Entwicklungsstudien überlassen wurden. Im ersten Teil des Seminars sollen verschiedene theoretisch-methodische Perspektiven diskutiert werden, die es ermöglichen Sozialpolitiken, in anderen Weltregionen kontextsensibel zu erfassen. In einem zweiten Teil werden Fallstudien aus  Asien, Afrika und Lateinamerika besprochen. Hierbei sollen konkrete Sozialprogramme ebenso analysiert werden, wie Politikfelder (Bildung, Gesundheit, Arbeit) und Wohlfahrtsregime. Dabei wird uns die Frage begleiten welche ökonomischen Strukturen, politischen Institution und sozialen Praktiken sozialpolitische Entscheidungsprozesse prägen. Als Studien- bzw. Modulprüfungsleistung sind ein Referat und eine Hausarbeit zu erstellen. Das Lesen und Präsentieren englischer Texte wird erwartet.

 

Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten

Dozentin: Lisa Bleicher-Ibrahim

Das Propädeutikum soll am Beispiel der Entwicklungspolitik in die grundlegenden Methoden politikwissenschaftlichen Arbeitens einführen. Die Seminarinhalte umfassen neben der Beschäftigung mit Entwicklungspolitik aus politikwissenschaftlicher Sicht auch einen Überblick über den Uni-Alltag und das wissenschaftliche Arbeiten, praktische Übungen (Literaturrecherche, schreiben von Protokollen etc.) und das Halten von Referaten. Die Veranstaltung soll die Studierenden dazu befähigen, am Ende des Seminars selbstständig eine Hausarbeit zu schreiben.
Außerdem soll das Seminar Raum lassen für Eure Fragen und Probleme im Bezug auf wissenschaftliches Arbeiten! Zum Propädeutikum wird ein Tutorium angeboten.

 

Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten

Dozent: Bahri Gültekin

Als eine wichtige Grundlage für das Studium der Politikwissenschaft bietet dieses Seminar am Beispiel des Themas der Globalisierung eine Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten. Dabei werden Texte aus verschiedenen Bereichen der Globalisierung aus internationaler Sicht behandelt und die Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens (Literaturrecherche, korrektes zitieren, der Aufbau einer wissenschaftlichen Arbeit)  vermittelt. Dies bereitet die Studierenden darauf vor am Ende des Seminars, selbständig eine wissenschaftliche Hausarbeit verfassen zu können. Ergänzend dazu werden wissenschaftliche Texte gelesen und diskutiert sowie die Erstellung von Zusammenfassungen, Referaten und Protokollen geübt.

 

Sommersemester 2013

Liebe, Luxus und Kapitalismus – Werner Sombart heute

Dozent: Prof. Dr. Hans-Jürgen Burchardt

Werner Sombart (1863-1941) war einer der bekanntesten deutschen Sozialwissenschaftler des frühen 20. Jahrhunderts: Er machte den Begriff `Kapitalismus´ zum festen Bestandteil wissenschaftlicher Betrachtungen und teilte dessen Entwicklung in verschiedene historische Phasen auf. Dabei bezog er in seine Studien neben ökonomischen und politischen auch historische, soziale, religiöse und kulturelle Aspekte ein, mit denen er nicht nur die Genese, die Strukturen und die Dynamiken, sondern auch dem `Geist´ des Kapitalismus nachspüren wollte. Politisch mutierte Sombart vom linken Sozialreformer zum Konservativen mit antisemitischen Ausschlägen, der sich sogar dem Nationalsozialismus anschloss, zuletzt aber wieder abwendete. Sein wissenschaftliches Werk zeichnet sich ebenfalls durch zahlreiche Sprünge und Brüche aus: Einer frühen Anerkennung des marxschen Diktums der `Verwertung des Wertes´ als Strukturkern des Kapitalismus folgte eine zunehmende Beschäftigung mit Fragen der kapitalistischen `Wirtschaftsgesinnung´ sowie deren Auswirkung auf individuelles und kollektives Handelns. Diese Suche nach dem besonderen `Wesen´ sowie seine Arbeiten zur Zukunft bzw. zu dem für ihn absehbaren Untergang des Kapitalismus haben spätestens mit dem Beginn der globalen Finanzkrise 2007 für Wissenschaft und Politik wieder an Bedeutung gewonnen. Sombarts streitbaren Thesen wurde häufig fehlende empirische Absicherung und Theorieschwäche unterstellt, mit denen er eher neue Fragen aufwarf als abgesicherte Antworten zu geben. Aus dem gleichen Grunde wurde ihm aber auch eine besondere Originalität zugesprochen, die andere wichtige Denker seiner Zeit wie z.B. Max Weber inspirierte. Sicherlich zu seinen bemerkenswertesten Arbeiten gehören Sombarts Überlegungen, dass die Keimzelle des Kapitalismus nicht im aufstrebenden Handwerk und Bürgertum, der protestantischen Ethik oder kolonialer Eroberungen, sondern vielmehr in der steigenden Nachfrage nach Luxus und der Lust an der Verschwendung lag. Dieser Argumentation soll in dem Lektürekurs umfassend nachgegangen werden; die Bereitschaft, das Buch vollständig zu lesen, mit anderen Ansätzen zu kontrastieren und intensiv zu diskutieren, wird dabei vorausgesetzt. Ein Leistungsnachweis kann durch eine durchgehende Teilnahme sowie die Präsentation eines Textteils erworben werden. Der Erwerb des Buches vor der Veranstaltung wird empfohlen.

 

Soziale Bewegungen in (trans-)nationaler Perspektive: Akteurspolitiken zwischen Staat, Organisation und Mobilisierung

Dozent: Prof. Dr. Hans-Jürgen Burchardt

Soziale Bewegungen haben nicht nur in Europa oder den USA, sondern auch in Lateinamerika eine lange Tradition. Extreme Ungleichheiten und mangelnde gesellschaftliche Teilhabechancen großer Teile der Bevölkerung führten dort immer wieder zur Mobilisierung benachteiligter Bevölkerungsschichten. Auch gegen Ende des letzten Jahrhunderts kam es zu einem neuen Aufschwung sozialer Bewegungen, die mit teilweise recht unterschiedlichen Ausprägungen und Organisationsformen den gesamten Subkontinent erfassten. Aktiv waren hierbei oft neue Akteure wie etwa Frauen-, Arbeitslosen- und indigene Bewegungen, die sich über eine Vielzahl von sozialen Konfliktlinien verorteten. Gemeinsam war diesen Bewegungen die Forderung nach verstärkter Anerkennung und sozialer Gerechtigkeit. Auch nach Lateinamerikas „Linksruck“ in den letzten 10 Jahren sind die Beziehungen zwischen Regierungen und sozialen Bewegungen hierbei ambivalent geblieben. Unklar ist, inwieweit es den neuen Bewegungen unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen gelingt, die ihnen zugesprochenen Emanzipationspotenziale zu nutzen und zu sozialer Teilhabe beizutragen. In der Veranstaltung soll darum das spannungsreiche Verhältnis zwischen Staat, Gesellschaft und sozialen Bewegungen am Beispiel Lateinamerikas ausgelotet werden. Im Mittelpunkt des Interesses stehen Entstehungsbedingungen, zentrale Trägergruppen und Forderungen bzw. Ziele sowie Organisations- und Artikulationsformen auf lokaler, nationaler wie transnationaler Ebene.

 

Current Trends in World Politics – The North-South Relations

Lecturer: Prof. Dr. Hans-Jürgen Burchardt

The relations between the industrialized nations and the so-called `Third World´ have long been neglected in the theories and analyses of International Relations. They were primarily seen as a matter of uneven development, which did not substantially destabilize the world system during the last 50 years. Currently, the properties of North-South Relations are changing: On the one hand they become a problem also for the North and thus a central line of conflict in the international system due to “boomerang”-effects like competitive pressures, migration, or asymmetric wars. On the other hand, the political and economic influence of emerging states in the South is steadily growing. In the seminar we will present and discuss central characteristics of the countries in the Global South as well as their influence on world politics. Areas of special attention are political economy, social policy, the development of democracy and international cooperation. The geographicalfocuslies on Latin America.

 

Internationale Beziehungen: Aktuelle Dynamiken und Theorien

Dozent: Dr. Stefan Peters

Die internationale Politik hat in den zwei Jahrzehnten nach dem Ende des Kalten Krieges deutlich an Komplexität gewonnen: Neue Akteure gewinnen an Einfluss und veränderte globale Problemlagen erfordern die Entwicklung neuer politischer Konzepte und Strategien. Im Seminar gehen wir der Frage nach, welche Einsichten die politikwissenschaftliche Teildisziplin der Internationalen Beziehungen für die Analyse aktueller  politischen Veränderungen bietet und welche Leerstellen zu füllen sind. Dafür wird am Beispiel des Syrien-Konfliktes die Erklärungskraft klassischer und aktueller theoretischer Ansätze eingehend diskutiert.

 

Kontext, Ereignis und Erinnerung eines Tyrannenmordes –
Der Anfschlag auf Carrero Blanco als spanischer Erinnerungsort

Dozenten: Dr. Stefan Peters / Dr. des. Patrick Eser

In Spanien setzte in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre ein „Boom der Erinnerung“ (Bernecker/Brinkmann) ein. Der spanische Bürgerkrieg und die anschließende Diktatur sind seitdem Anlass für vielfältige öffentliche Geschichtskontroversen. Im Seminar wird am Beispiel des ETA-Attentats auf Luis Carrero Blanco (1973), den designierten Nachfolger von Franco,  der Frage nach den Formen und Wandlungen der Erinnerung an ein zentrales Ereignis der spanischen Zeitgeschichte behandelt.
Nach Einführungen in die spanische Zeitgeschichte, den baskischen Nationalismus und Ansätzen zur Geschichts- und Vergangenheitspolitik sowie zur Erinnerungskultur werden methodische Grundlagen für eigenständige Forschungen zu Wandlungen der Darstellung des Attentats auf Carrero Blanco vom Dezember 1973 in verschiedene Medien (Spiel-, Dokumentarfilme) und Textgattungen (historischer Essays, Romane, journalistische Berichterstattung, politische Reden und Stellungnahmen, politik- und geschichtswissenschaftliche Interpretationen, Blogs, etc.) vermittelt.
Zentraler Bestandteil des Projektseminars ist eine Exkursion nach Spanien (Madrid und Bilbao). Im Rahmen der Exkursion wird das Thema mit Vertretern von Parteien, Stiftungen und NGOs sowie mit Wissenschaftlern und Studierenden aus Spanien diskutiert. Zudem bietet die Exkursion die Möglichkeit zu Recherchetätigkeit für die eigenständigen Forschungsarbeiten. Die Exkursion nach Spanien findet voraussichtlich vom 30.6-6.7. statt. Hierfür ist ein Eigenanteil von ca. 150€ zu leisten. Verpflichtende Anmeldungen zum Seminar sind bis zum 8. April unter dem Stichwort „Spanien“ mit einem ca. einseitigen Motivationsschreiben und unter Angabe der Sprachkenntnisse an Stefan Peters (stefan.peters@uni-kassel.de) zu richten. Die Zulassungsbenachrichtigung wird vor Beginn der Vorlesungszeit erfolgen.

 

Frieden durch Demokratisierung? Theorie und Praxis des „Demokratischen Friedens“

Dozentin: Dr. Britta Krause

Unter dem Konzept des Demokratischen Friedens wird gemeinhin die Feststellung verstanden, dass demokratische Staaten gegeneinander keine Kriege führen. Diese These ist seit dem Ende der 1990er Jahre zu einem Schlüsselprinzip der Außenpolitik westlicher Staaten geworden. Im Seminar werden die als Grundlagen dieser Theorie bzw. ihrer kritischen Weiterentwicklung  (wie der Theorie des Demokratischen Kriegs) diskutiert. Weiterhin sollen kritische Perspektiven auf diesen theoretischen Zugriff zu Wort kommen und es soll vermittelt werden, dass diese Theorie (wie jede andere auch) nicht nur ein abstrakt-theoretisches Analyseinstrument darstellt, sondern auch als Begründung konkreter politischer Handlungen herangezogen wird und somit konstitutives Element sozialer Realität ist.

 

Konfliktsimulation: Wasser als Konfliktstoff?

Dozentin: Dr. Britta Krause

Dieses Projektseminar wird sich exemplarisch mit dem potentiellen Konfliktstoff Wasser auseinandersetzen. Nach einer Einführung in einige theoretische Zugriffe der Disziplin der Internationalen Beziehungen und in das Problemfeld der Ressourcenkonflikte im ersten Teil des Kurses, werden im zweiten Teil des Kurses im Wintersemester 2013/14 die praktischen Verhandlungen folgen. Das Projektseminar endet mit einer Evaluation der Verhandlungsergebnisse auf der Basis der theoretischen Perspektiven, die am Anfang diskutiert worden sind.


Cultural StudiesApproaches in International Relations

Lecturer: Dr. Britta Krause

A prominent topic of IR approaches is the unequal distribution of power and its effects for the production of knowledge. These approaches try to grasp those power relations in various ways by using for instance the concept of hegemony and power of Gramsci and Foucault. This course aims at the discussion of various cultural studies approaches in IR like post-colonialism, inquiring into their theoretizations of power/authority and their concept of knowledge production. One central focus is the question of how these approaches problematize the instances of rule identified in global society. Consequently we will search for their answers to the question of where the observed distinctions derive from and how they can be produced in the first place. Thus, in order to look into the matter more closely the course will highlight the role of the Political for research in Cultural Studies as well as try to substantiate the possibilities and problems of interdisciplinary research at the intersection between Cultural Studies and IR.

 

Einführung in die Friedens- und Konfliktforschung

Dozentin: Dr. Britta Krause

Frieden und – damit zusammenhängend – Krieg sind zentrale Begriffe politikwissenschaft¬licher Debatten um das gesellschaftliche Zusammenleben. Allerdings herrscht weder Einigkeit über die Begriffe an sich, noch darüber, welches zentrale Voraussetzungen und Bedingungen für Frieden bzw. was die eigentlichen Ursachen für Kriege und Konflikte sind Das Seminar zielt darauf ab, (1) zentrale Begriffe und Konzepte der Friedens- und Konfliktforschung einzuführen, (2) relevante Erklärungsansätze vorzustellen und (3) friedenspolitischer Konzepte zu diskutieren.

 

Theorien der Internationalen Beziehungen

Dozentin: Dr. Britta Krause

Dieses Seminar wird sich mit einigen zentralen Theorien der Disziplin der Internationalen Beziehungen beschäftigen und sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede zwischen den Ansätzen herausarbeiten. Dabei interessieren Fragen nach deren Konzept von Realität, ihren epistemologischen wie ontologischen Prämissen und nach theorieimmanenten Widersprüchen. An die Diskussion der Theorien und Ansätze an sich wird sich die Anwendung dieser auf konkrete Probleme des internationalen Systems anschließen.

 

Sicherheit in deninternationalenBeziehungen

Dozentin: Dr. Britta Krause

Sicherheit beschreibt ein komplexes Thema, welches sowohl in die Disziplin der Internationalen Beziehungen als auch in die praktische Politik Eingang gefunden hat. Trotz der offenkundigen Relevanz des Begriffs lassen sich auch im Kontext der internationalen Beziehungen unterschiedliche Beschreibungen und Konzeptionalisierungen für den Begriff der Sicherheit finden, die von der territorialen Unversehrtheit von Nationalstaaten bis hin zu ökonomischer Sicherheit des Staates an sich aber auch seiner Bevölkerung reichen.
Im Rahmen des Seminars werden wir uns dem Begriff der Sicherheit über zwei Wege nähern:
Der erste Teil der Veranstaltung wird sich mit verschiedenen gängigen Theorien der Internationalen Beziehungen und ihren Konzepten von Sicherheit beschäftigen. Dabei sind vor allem Fragen nach Sicherheitsbedrohungen und Vorschlägen des Umgangs mit ihnen von Interesse. Im zweiten Teil des Seminars werden wir uns Akteuren widmen, die für sich in Anspruch nehmen, für die Bereitstellung von Sicherheit ausgewiesen zu sein. Dies betrifft internationale Organisationen ebenso wie staatliche und zunehmend auch private Akteure.
Das Seminar zielt somit darauf ab, (1) Kenntnisse zu verschiedenen Theorien der IB und (2) über ein konkretes Problemfeld der Disziplin zu vermitteln und zu vertiefen.

 

Kriege und Konflikte im globalen Süden

Dozent: Dr. Zeljko Crncic

Kriege und Konflikte prägen die sozialen und politischen Verhältnisse, von Afghanistan, das seit Jahrzehnten in vielschichtige Konflikte verwickelt ist, über Somalia, das aufgrund seines inneren Zustandes gemeinhin als „failedstate“ bezeichnet wird, bis nach Lateinamerika, wo es zu Auseinandersetzungen im Zuge der Umverteilungsprojekte linker Regierungen kommt. Im Seminar werden verschiedene komplexe Kriegs- und Konfliktkonstellationen mit ökonomischen, sozialen und ethnisch-religiösen Motiven behandelt.
Ziel ist es zunächst, gemeinsam einen theoretischen Zugang zum Begriff der Kriegsursachen unter Rückgriff auf die Forschungsliteratur zu erarbeiten. Nach einer historischen Einordnung soll es dann im zweiten Teil um einzelne Konflikte im globalen Süden gehen. Die lang anhaltenden Kriege am Horn von Afrika oder in Südasien, um nur einige zu nennen, bilden wichtige Schwerpunkte bei der Beschäftigung mit dem Thema. Aber auch soziale Konfliktlagen innerhalb von Gesellschaften wie in Bolivien oder Ecuador sollen behandelt werden. Die Verflechtung auf transnationaler Ebene soll ebenfalls berücksichtigt werden. Die Begriffe Krieg und Konflikt sind hier bewusst breit gewählt, um eine Vielzahl an Fällen berücksichtigen zu können. Auch sollen mögliche Lösungsszenarien für die einzelnen Fälle angesprochen werden.

 

Krisenland Argentinien

Dozent: Nico Weinmann

Oft heißt es, Argentiniens einzige Konstante sei seine Instabilität.Tatsächlich blickt die einstsechstgrößte Weltwirtschaftsmachtauf ein Jahrhundert vielfacher Krisen zurück. Tiefe wirtschaftliche Einbrüche, mehrere Militärputsche und heftige Kämpfe sozialer Bewegungen reichen sich in der Geschichte des Landes die Hand. Fußball, Rindfleisch und Tango sind dabei mehr als nur kulturelle Begleitmusik.Sie sind eng verwoben mit Gesellschaft und Politik. Die Gegenstände des Seminars werden deshalb von Diego Maradonas „Hand Gottes“, dem Widerstand gegen die Diktatur der Mütter der „Verschwundenen“ über die Metropole Buenos Aires bis hin zum Gaucho-Mythos des ländlichen Argentiniens reichen. Spätestens bei der Beschäftigung mit den Eigenheiten des „Peronismus‘“ – der argentinischen Spielart des lateinamerikanischen Populismus – werden dabei verschiedene gängige politikwissenschaftliche Kategorien auf eine harte Probe gestellt. Neben den Grundlagen des politischen Systems, seinen zentralen Akteuren und der Sozial- und Wirtschaftsstruktur des Landes werden wir uns vor allem mit dem Weg Argentiniens aus der Krise des Staatsbankrotts im Jahr 2001 beschäftigen. Wie nachhaltig sind die letzten 10 Jahre wirtschaftliche Konsolidierung? Können wir sogar aus dem „argentinische Weg“ Hinweise zur Bearbeitung der Euro-Krise erhalten?

 

Die arabischen Revolutionen: Entstehung, Dynamik und Zukunft

Dozent: Malte Lühmann

In Tunesien brach Ende 2010 ein Sturm los, der Nordafrika und den Mittleren Osten (MENA) tief greifend verändert hat und dessen Ende noch lange nicht erreicht scheint. Diese Revolutionen – oft als „arabischer Frühling“ bezeichnet – führten zum Sturz der Regierungen in Tunesien, Ägypten und Jemen sowie zu Bürgerkriegen in Libyen und Syrien. Lange angestaute Konflikte in den Ländern der Region brachen sich unvorhergesehen und mit immer noch nicht ganz absehbaren Folgen Bahn. Neben den internen politisch-sozialen Dynamiken in Tunesien, Ägypten und Co. spielten dabei auch intergesellschaftliche Vernetzungen in der Region und externe Einflussnahme insbesondere aus Europa, den USA, der Türkei und den Golfstaaten eine wichtige Rolle.
In diesem Seminar soll der epochale Umbruch, den die südliche Mittelmeerregion seit gut zwei Jahren erlebt, aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet werden. Besondere Aufmerksamkeit soll dabei intergesellschaftlichen und transnationalen Faktoren zukommen. Wieso kam es zu dieser beispiellosen Verkettung von Revolutionen? Welche Rolle spielen externe Akteure wie die EU? Aber auch: Welches sind die nationalen Konstellationen und Kontexte, die die Veränderungen auslösten? Antworten auf diese und andere Fragen sollen gemeinsam diskutiert und vertieft werden.

 

Umwelt und Entwicklung in Lateinamerika im 21. Jahrhundert

Dozentin: Sarah Hackfort

In dem Seminar wird das Spannungsverhältnis von Umwelt und Entwicklung in seinen unterschiedlichen Facetten und mit regionalem Fokus auf Lateinamerika beleuchtet. Einerseits findet auf dem Subkontinent gegenwärtig eine deutliche Ausweitung der Rohstoffausbeutung statt, die als Voraussetzung für Entwicklung und die Lösung der nach wie vor virulenten sozialen Frage (Armut und soziale Ungleichheit) auf dem Kontinent gilt. Andererseits fordern und artikulieren verschiedene soziale Akteure und Wissenschaftler_innen angesichts der negativen sozial-ökologischen Folgen wie z.B. dem Klimawandel und zunehmenden sozial-ökologischen Konflikten politische Alternativen zu diesem Entwicklungsmodell.
Mit dem Ziel die Geschichte und Gegenwart der gesellschaftlichen Naturverhältnisse und ihrer inhärenten Widersprüche in Lateinamerika kennen und verstehen zu lernen, werden in dem Seminar das Verhältnis von Umwelt und sozialer Ungleichheit, verschiedene sozial-ökologische Konfliktkonstellationen sowie Entwicklungsparadigmen und politische Handlungsstrategien staatlicher und nicht-staatlicher Akteure vorgestellt und diskutiert. Dabei wird in zentrale Begriffe und Konzepte der gegenwärtigen Debatte um sozial-ökologische Phänomene eingeführt, wie z.B. gesellschaftliche Naturverhältnisse, Verwundbarkeit oder Extraktivismus.


Vereinte Nationen: Theorie und Praxis

Dozentin: Dr. Ulrike Krause

In der globalisierten Welt scheinen Bezüge zu internationalen Organisationen nahezu allgegenwärtig. Ihr internationales Engagement zeigt sich in den verschiedensten Sektoren. Es ist anerkannt und umstritten zugleich. Ziel der Veranstaltung ist es, den Aufbau, die Funktion und die Wirkungsweise der Vereinten Nationen kennenzulernen und die daraus resultierenden politischen Handlungsfähigkeiten kritisch zu diskutieren. Nach einem einführenden historischen Überblick der Vereinten Nationen wird auf thematische Arbeitsfelder eingegangen. Anhand des Flüchtlingsschutzes des UNHCR werden völkerrechtliche Grundlagen, operative Ansätze und globale Trends aus der Wissenschaft und Praxis diskutiert. Rückschlüsse auf eine mögliche Versicherheitlichungstendenz und die programmatische Verlinkung der humanitären Hilfe und der Entwicklungszusammenarbeit werden gemeinsam eruiert und diskutiert. Danach soll auf die Genderarbeit von UN Women eingegangen werden. Im Mittelpunkt steht auf welchen historischen Prozessen die kürzlich etablierte VN-Agentur basiert,  welche theoretischen Gewalt- und Machtdiskurse eine Rolle spielen und welche Trends bestehen. Abschließend  werden Chancen und Herausforderungen der Vereinten Nationen im Allgemeinen und anhand der Fallstudien herausgestellt und diskutiert.

 

Wintersemester 2012 – 2013

Neonazis und rechtsextreme Einstellungen. Gegenstrategien in (Hoch-)Schulen und Gesellschaft

Ringvorlesung

[Plakat] [Flyer]

Die Morde des ‚Nationalsozialistischen Untergrunds’ (NSU) haben auf besonders erschreckende Weise auch in Kassel die Gefahren von neonazistischen Aktivitäten vor Augen geführt. Wer aber sind die Neonazis, wie stehen sie zur bundesrepublikanischen Gesellschaft und wie steht diese zu Neonazis?

Im Rahmen der interdisziplinären Ringvorlesung analysieren ReferentInnen aus Wissenschaft und Praxis diese Fragekomplexe. Dabei werden verschiedene Themen (z. B. Neonazis im Internet, Rechte Jugendkultur) und präventive Gegenstrategien (z. B. Aussteigerprogramme, Antidiskriminierungsarbeit an der Schule) behandelt.

Die Ringvorlesung wird mit Unterstützung der Universität Kassel, des AStA, des ZLB und der Fachbereiche Humanwissenschaften, Geistes- und Kulturwissenschaften sowie Gesellschaftswissenschaften durchgeführt. Sie richtet sich an Studierende aller Fachbereiche der Universität Kassel, an Lehrerinnen und Lehrer sowie die interessierte Öffentlichkeit. Der Scheinerwerb erfolgt in Form einer Klausur am Ende des Semesters.

 

Arbeitspolitik in globaler Perspektive – die Praxis einer wiss. Tagung

Dozent: Prof. Dr. Hans-Jürgen Burchardt

Zu den Arbeitspolitiken der Industrienationalen existieren zahlreiche wissenschaftliche Studien. Über die Existenz und Ausgestaltung dieser Politikfelder in der internationalen Politik sowie in den Regionen Afrika, Asien und Lateinamerika liegen bisher aber nur wenige Kenntnisse vor. Im Rahmen einer Tagung an der Universität Kassel soll darum das vorhandene Wissen gebündelt und diskutiert sowie gemeinsam überlegt werden, welches die Anforderungen für eine weitergehende systematische Beschäftigung mit den Arbeitspolitiken in globaler Perspektive sein könnten. In mehreren Panels und einer öffentlichen Podiumsdiskussion werden dafür Arbeitspolitiken in Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa von Experten vergleichend dargestellt. Die Teilnehmer des Seminars haben sich in die Thematik einzuarbeiten und unterstützen zusätzlich die Vorbereitung und Durchführung der Tagung; sie erhalten so einen tiefen Einblick in die Praxis wissenschaftlicher Organisation. Die Seminarteilnahme setzt unter anderem eine ganztägige Anwesenheit an der Tagung vom 22.-23. November 2012 an der Universität Kassel voraus. Die Teilnahmezahl ist begrenzt und eine Anmeldung über Hispos bis zum 1. Oktober erforderlich.

 

Sozialpolitik in globaler Perspektive – neue Zugänge auf ein zentrales Politikfeld

Dozent: Prof. Dr. Hans-Jürgen Burchardt

Die Veranstaltung führt verschiedene Debattenstränge zu Wohlfahrtsregimeforschung, postkoloniale Perspektiven, der Politikfeldforschung in verschiedenen Weltregionen sowie zu globaler Sozialpolitik zusammen. In einem ersten Teil werden hierzu neue theoretisch-methodischer Zugänge diskutiert, die versuchen, Sozialpolitiken in anderen Weltregionen konzeptionell neu und kontextsensibel zu erfassen. In einem zweiten Teil werden Fallstudien aus verschiedenen Regionen diskutiert, bei denen die neuen Programme und Kenntnisse über Sozialpolitik in Asien, Afrika und Lateinamerika besondere Berücksichtigung finden.
Als Studien- bzw. Modulprüfungsleistung sind ein Referat und eine Hausarbeit zu erstellen. Das Lesen und Präsentieren englischer Texte wird vorausgesetzt.

 

Forum Forschung und Praxis

Dozent: Prof. Dr. Hans-Jürgen Burchardt

Das Forum Forschung und Praxis stellt die Rahmenveranstaltung des Moduls „Forschung und Praxis“ dar. Ziel der Veranstaltung ist ein systematischer Erfahrungs- und Ideenaustausch aller Studierenden, die an den laufenden Forschungspraktika teilgenommen haben. Die Teilnahme ist verbindlich.

 

Frauen und Macht

Dozenten: Dr. Zeljko Crncic / Prof. Dr. Hans-Jürgen Buchardt

Das Projektseminar bereitet die Teilnahme an der Tagung Weingartener Lateinamerikagespräche vom 11. bis 13.01.2013 zum Thema ‚Frauen (und) Macht in Lateinamerika´ in Weingarten inhaltlich und organisatorisch vor. Während der Vorbereitung und Teilnahme an der Tagung lernen die Studierenden die Abläufe einer Veranstaltungsorganisation aus der Nähe kennen, kommen in Kontakt mit den Referenten und erarbeiten als Ergebnis des Seminars Artikel, Protokolle, Interviews, Tagungsberichte etc., die für Veröffentlichungen vorbereitet werden. Diese schriftlichen Leistungen werden als Leistungsnachweis gewertet. Die Exkursion nach Weingarten wird weitgehend aus Mitteln des Fachbereichs gefördert, es ist aber ein Eigenbeitrag von 60 € zu entrichten. Die Teilnahme an der Tagung ist für den Leistungserwerb obligatorisch.
Das Projektseminar mit Exkursion ist einsemestrig und deckt 4 SWS ab. Die Teilnahmezahl ist aufgrund der begrenzten Exkursionsplätze begrenzt. Eine Anmeldung unter dem Stichwort ‚Frauenmacht´ an die E-Mail crncic@uni-kassel.de bis zum 1. Oktober ist Grundvoraussetzung für die Teilnahme.
Inhaltlich setzt sich das Seminar mit den Geschlechterverhältnissen in Lateinamerika auseinander. Präsidentinnen wie Cristina Kirchner und Dilma Rousseff lassen den Eindruck entstehen, dass Frauen in Lateinamerika der Zugang zu höchsten Ämtern weiter offen steht als in anderen Regionen der Welt. Auch gleichstellungspolitische Anliegen wie Frauenrechte und -partizipation oder Gewalt an Frauen wurden in den letzten 20 Jahren durch soziale Bewegungen, NGOs sowie Staatspolitiken intensiv debattiert und haben zu Veränderung der Lebensbedingungen von Frauen beigetragen. In Anbetracht dessen könnte die Gleichstellung der Geschlechter in Lateinamerika fast als vorbildhaft bezeichnet werden. Doch gleichzeitig stellen Geschlechterverhältnisse in der Region eine zentrale Dimension sozialer Ungleichheit dar. So sind z.B. die vorherrschenden Sozial- und Arbeitsregime ungebrochen an Männern orientiert und von Analphabetismus und Armut mehrheitlich Frauen betroffen. Diese Widersprüchlichkeit von wachsender Gleichstellung der Geschlechter einerseits und Marginalisierung von Frauen andererseits fordert dazu heraus, über das Verhältnis von Frauen und Macht in Lateinamerika neu nachzudenken.
Die Tagung von Weingarten bildet einen Hauptaspekt des Seminars, praktische Vor- und Nacharbeiten zur Exkursion sind daher Teil des Programms. Da das Seminar einen starken Praxisbezug hat, können im Verlauf verschiedene kleinere Aufgaben wie die praktische oder inhaltliche Vorbereitung von Artikeln oder anderen schriftlichen Arbeiten anfallen. Zudem ist die Gestaltung einer Seminarstunde – als Ersatzleistung für ein Referat – als relevante Leistung vorgesehen.

 

Propädeutikum der Politikwissenschaft

Dozentin: Dr. Britta Krause

Im Propädeutikum der Politikwissenschaft, welches wie ein Forschungsprozess aufgebaut sein wird, werden wir uns mit zwei großen Bereichen beschäftigen. Der erste Bereich ist inhaltlich-theoretisch ausgerichtet und umfasst Fragestellungen des Faches, seine Gegenstandsbereiche, seinen Grenzen zu und Überschneidungen mit anderen Disziplinen und den Wandel der Disziplin an sich.
Den zweiten großen Bereich stellen die Grundlagen und Methoden wissenschaftlichen Vorgehens dar. In praktischen Übungen werden die Techniken für den Arbeits- und Forschungsprozess wie die Entwicklung wissenschaftlicher Fragestellungen, das eigenständige Recherchieren und Bibliographieren und die zentralen Merkmale wissenschaftlicher Arbeiten vermittelt und angewendet.

 

Südafrika im südlichen Afrika

Dozentin: Dr. Britta Krause

Nach Jahrzehnten der (zumindest teilweisen) Isolation aufgrund seiner Apartheidpolitik ist Südafrika integriert sich das Land seit seiner internen und externen Öffnung in den 1990er Jahren zunehmend in die internationale Gemeinschaft. Die Integration des Landes in regionale Foren und Organisationen wie die African Union(AU)oder die Souther African Development Community (SADC) , von der sich Südafrika positive Effekte wie die Einbindung in globalisierte Märkte aber auch stärkeren Einfluss auf internationale politische Entscheidungen und das Schaffen von Handlungsspielräumen erhofft, hat konsequenterweise Auswirkungen auf die Formulierung von Politik des Landes. Im Seminar sollen  Einblicke in die politischen Systeme und die politischen Strukturen Südafrikas und seiner Nachbarn, die Rolle der Republik in verschiedenen regionalen Organisationen des subsaharischen Afrika und die damit verbundenen Chancen wie Restriktionen des Handelns von Südafrika und seinen „Nachbarn“vermittelt werden.

 

Sicherheit als Thema der internationalen Beziehungen

Dozentin: Dr. Britta Krause

Sicherheit beschreibt ein komplexes Thema, welches sowohl in die Disziplin der Internationalen Beziehungen als auch in die praktische Politik Eingang gefunden hat. Trotz der offenkundigen Relevanz des Begriffs lassen sich auch im Kontext der internationalen Beziehungen unterschiedliche Beschreibungen und Konzeptionalisierungenfür den Begriff der Sicherheit finden, die von der territorialen Unversehrtheit von Nationalstaaten bis hin zu ökonomischer Sicherheit des Staates an sich aber auch seiner Bevölkerung reichen.
Im Rahmen des Seminars werden wir uns dem Begriff der Sicherheit über zwei Wege nähern:
Der erste Teil der Veranstaltung wird sich mit verschiedenen gängigen Theorien der Internationalen Beziehungen und ihren Konzepten von Sicherheit beschäftigen. Dabei sind vor allem Fragen nach Sicherheitsbedrohungen und Vorschlägen des Umgangs mit ihnen von Interesse. Im zweiten Teil des Seminars werden wir uns Akteuren widmen, die für sich in Anspruch nehmen, für die Bereitstellung von Sicherheit ausgewiesen zu sein. Dies betrifft internationale Organisationen ebenso wie staatliche und zunehmend auch private Akteure.
Das Seminar zielt somit darauf ab, (1) Kenntnisse zu verschiedenen Theorien der IB und (2) über ein konkretes Problemfeld der Disziplin zu vermitteln und zu vertiefen.

 

Transformationsgesellschaften zwischen Angleichung und Abgrenzung (Fortsetzung Sommersemester 2012)

Dozentin: Dr. Britta Krause

Dieses Seminar ist der erste Teil eines auf zwei Semester angelegten Projektseminars. Ziel ist es, Möglichkeiten und Grenzen eines Dialogs zwischen westlichen und nicht-westlichen politischen Konzepten und Handlungsweisen auszuloten. Im Sommersemester wurden theoretische Grundlagen erarbeitet und die Fallauswahl vorgenommen.
In diesem Semester erfolgt die Anwendung des aus den Theorien entwickelten Wissens auf die Fälle Ägypten, Libyen und Tunesien. In Arbeitsgruppen werden die Teilnehmenden ihre Fragestellungen konkretisieren, den methodischen Zugriff den gewählten Fällen anpassen (Fragebögen, Interview, Diskursanalyse etc.), den Untersuchungsgegenstand eingrenzen (bspw. auf konkrete Träger_innen der Transformation) und auf die Fragestellung bezogene Datenerhebungen und die Auswertung der Daten vornehmen. Am Ende des Seminars wollen wir für die Fälle die Frage beantworten, ob die These vom Isomorphismus aufrechtzuerhalten ist und wo konkret Brüche und Konflikte in der Aneignung globaler Designs liegen.

 

The Politics of Social Inequalities in Latin America

Lecturer: Dr. des. Stefan Peters

Apart from Sub-Saharan Africa, Latin America is the world region with the highest social inequalities. Not only are these social inequalities extremely high, but they are also persistent mostly independent from different development models or political regimes. A lot of empirical work shows that extreme social inequalities are a characteristic for Latin American societies; however, there is still a lack of evidence why different political approaches have not yet reduced social inequalities in a substantial way. Therefore the seminar focuses on the political causes for extreme social inequalities in this region.
Beginning with an overview of Latin American political economy from the period of political independence onwards, the seminar will be divided in two parts. First of all, we will look at different policy fields which are commonly expected to be important for the redistribution of income and wealth (Tax, Education, Labor, Health, etc.). Afterwards, we will continue taking a closer look at current examples of social policy reforms in the region. Based on a relatively positive economic conjuncture during the last decade and the so-called ‚Left Turn in Latin America’ there seems to be a moderate reduction of social inequalities in the region. In form of several case studies, we will examine the possibilities of these new governments to reduce social inequalities substantially due to their reform agendas.

 

Venezuela: Eine (vorläufige) Bilanz der Bolivarischen Revolution

Dozent: Dr.  Stefan Peters

Dank der positiven Entwicklung zentraler sozioökonomischer Kennziffern sowie politischer Innovationen ist Lateinamerika in den letzten Jahren wieder vermehrt in den Fokus der internationalen Aufmerksamkeit gerückt. Besondere Aufmerksamkeit hat nicht zuletzt wegen der gleichsam schillernden wie umstrittenen Figur des Präsidenten Hugo Chávez erhalten. Die von ihm ausgerufene ‚Bolivarische Revolution’ steht dabei exemplarisch für die Umsetzung politischer Alternativen zum westlichen Modell. Eine erste Reformbilanz fällt ambivalent aus: Während die Armut deutlich reduziert werden konnte und es dem Staat gelang einen stärkeren Zugriff auf die Erdölrente zu bekommen, bleibt die Wirtschaft des Landes weiterhin einseitig von dem Erdölexport abhängig. Bezüglich der Erfolge bei der Reduzierung sozialer Ungleichheiten, innovativer sozialpolitischer Ansätze, der Entwicklung der Demokratie sowie der Rolle Venezuelas in der internationalen Politik haben sich in Wissenschaft und Politik in der Vergangenheit heftige Kontroversen entzündet. Angesichts der Präsidentschaftswahlen im Herbst diesen Jahres in Venezuela, setzt sich das Seminar das Ziel eine vorläufige Bilanz der ‚Bolivarischen Revolution’ zu ziehen: Aufbauend auf einer Einführung zur Geschichte, Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur Venezuelas werden im Seminar die Entwicklungen in den Bereichen Politisches System, Wirtschafts- und Sozialpolitik sowie Außenpolitik kritisch diskutiert. Dabei sollen bekannte sozialwissenschaftliche Kategorien aus dem OECD-Kontext auf ihre Übertragbarkeit auf das Fallbeispiel überprüft, das Potential der innovativen Politiken der Regierung Chávez diskutiert sowie die Möglichkeiten und Grenzen der politischen Veränderungen erörtert werden. Regelmäßige Textlektüre, aktive Teilnahme sowie die Gestaltung einer Seminarsitzung werden als Teilnahmebedingungen vorausgesetzt. Prüfungsleistung ist eine Hausarbeit.

 

Arbeitspolitik im globalen Norden und Süden

Dozent: Nico Weinmann

Was haben Zeitarbeiterinnen in Deutschland und Beschäftigte in Automobilzulieferbetrieben in Argentinien gemeinsam? Was teilen IT-Arbeiter in Indien mit Angestellten von Fastfood Ketten in den USA? Sie alle sind Teil einer Arbeitswelt, die einem ständigen Wandel unterworfen ist. Sowohl im globalen Norden als auch Süden hält sich dabei vielfach die Tendenz der Flexibilisierung der Arbeit, mit dem Effekt, dass sie mehr und mehr als unsicher, heikel und damit als „prekär“ oder „informell“ gelten kann. Dieser Wandel der Arbeitswelt ist nicht nur Ergebnis von reinen Arbeitsmarktdynamiken sondern auch Produkt politischer Eingriffe z.B. in Form von Regulierungen der Arbeitsbeziehungen, der Arbeitsrechtsprechung oder verschiedenen  Sozialpolitiken.
Wir wollen in diesem Seminar dem Wandel der Arbeitswelt im globalen Norden wie Süden betrachten und in Beziehung zu einander setzen. Dabei wollen wir uns auf die Einflussgröße der „Arbeitspolitik“ als eigenständiges Politikfeld konzentrieren und uns ihr aus verschiedenen Perspektiven annähern. Hierzu greifen wir auf den etablierten Wissensstand der industriellen Beziehungen, der Wirtschaftswissenschaften oder der Sozialpolitikforschung zurück. Wir wollen dabei unter anderem übeprüfen inwiefern sich die Kategorien der Arbeitspolitikforschung aus dem globalen Norden auf Dynamiken der Arbeitswelt im globalen Süden übertragen lassen. Gleichzeitig wollen wir konkrete Reformen und Politikentwürfe in verschiedenen Teilen der Welt diskutieren, die auf unterschiedliche Weise versuchen Antworten auf Probleme der Arbeitswelt zu finden.

 

Propädeutikum der Politikwissenschaft

Dozent: Christian Möllmann

Das Einführungsseminar zur Politikwissenschaft widmet sich drei zentralen Fragen: 1.) Was ist und wie funktioniert wissenschaftliches Arbeiten? Wir lernen hierzu seine wesentliche Grundlagen, Arbeitstechniken sowie die spezifische Bedeutung von „Wissenschaft“ im Vergleich zu anderen Formen der Wissensproduktion (z.B. Journalismus) kennen. 2.) Was ist das Besondere an Politikwissenschaft? Unter dieser Fragestellung erarbeiten wir, welche Problemstellungen dieses Fach ausmachen und wie es sich als eigenständige sozialwissenschaftliche Disziplin herausbildete. 3.) Wie kann man praktische Politik politikwissenschaftlich untersuchen und verstehen? In diesem Seminarteil analysieren wir konkrete Beispiele aus der „Politik der Euro-Rettung“ anhand der drei Dimensionen politische Ordnungen, Prozesse und Inhalte (polity, politics, policy), die als grundlegende Analysekategorien des Fachs gelten und auf diese Weise kennen gelernt werden.
Internationale Organisationen: Theorie und Praxis

Dozentin: Ulrike Krause

Bezüge zu internationalen Organisationen sind nahezu allgegenwärtig. Ob Vereinte Nationen, Europäische Union oder NATO; ihr internationales Engagement ist anerkannt und umstritten zugleich. Doch was machen diese Organisationen und wie funktionieren sie? Welche Organisationen gibt es überhaupt? Internationale Organisationen seien für die globale Politik von wachsender Bedeutung. Warum dies so sein soll und welche Rolle sie haben, wird in dem Seminar innerhalb von drei Feldern bearbeitet. Vorerst werden theoretische Grundlagen, darauf aufbauend die Einordnung in ausgewählte Theorien der Internationalen Beziehungen und letztlich die praxisbezogene Vorstellung selektierter Organisationen behandelt. Im einführenden ersten Teil des Seminars sind die Entstehung, Strukturen und Arbeitsfelder von internationalen Organisationen sowie ihre völkerrechtliche Fundierung im Mittelpunkt. Aufbauend auf darauf werden im zweiten Teil ausgewählte Theorien Internationaler Beziehungen auf ihre Aussagen zur Rolle internationaler Organisationen hin untersucht. Im dritten Teil des Seminars werden ausgewählte internationale Organisationen mit Praxisbeispielen behandelt. Dabei geht es auch um Fragen nach aktuellen Entwicklungen und Reformen sowie nach Unterschieden und Kooperationsansätze mit internationalen Nichtregierungsorganisationen. Am Ende des Seminars sollen Chancen und Herausforderungen internationaler Organisationen herausgestellt und diskutiert werden.

 

Internationalisierung von Grenzregimen

Dozentin: Maren Kirchhoff

Seit der Entstehung von Nationalstaaten gilt die Verfügung über das staatliche Territorium und seine Bevölkerung als einer der Kernaspekte nationaler Souveränität. Ab Beginn der 1990er Jahre wurde die Grenzpolitik in Europa jedoch im doppelten Sinne internationalisiert: Mit dem Schengener Abkommen vollzog sich  der schrittweise Abbau von Grenzkontrollen im Schengenraum. Außerdem wurde die gemeinsame europäische Migrations- und Asylpolitik durch die Verträge von Maastricht bis Lissabon von einer rein zwischenstaatlichen Ebene zumindest teilweise auf die supranationale europäische Ebene gehoben. Zugleich kam es im Rahmen von bi- und multilateralen Verträgen mit Anrainerstaaten der EU (u.a. Weißrussland, Libyen und Marokko) zu einer Auslagerung von Grenzkontrollen. So genannte „irreguläre“ Migration soll hierdurch bereits in Transitstaaten unterbunden werden.
Das Seminar soll Einblicke in diese Dynamiken mit Blick auf die zentralen Akteure und Strukturen der Internationalisierung von Grenzregimen sowie transnationalen Protesten und Widerständen gegen diese Entwicklungen ermöglichen. Ein Schwerpunkt liegt hierbei auf unterschiedlichen Interpretationsansätzen und Perspektiven verschiedener Theorien der Internationalen Beziehungen. Weitere Ziele des Kurses sind die Übung zentraler Techniken wissenschaftlichen Arbeitens sowie Einblick in verschiedene partizipative Lern- und Lehrformen.
Regelmäßige Textlektüre, aktive Teilnahme sowie die Gestaltung einer Seminarsitzung werden als Teilnahmebedingungen vorausgesetzt. Prüfungsleistung ist eine Hausarbeit.

 

Sommersemester 2012

Weltordnung im 21. Jahrhundert. Neue Konturen und Erklärungen

Dozent: Prof. Dr. Hans-Jürgen Burchardt

Klausurergebnisse vom 12. Juli 2012 [hier]

Klausurergebnisse der Nachschreibeklausur vom 16.08.2012 [hier]

Vorlesung

Die Weltordnung hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verändert: Globale Problemlagen wie die Finanzkrise, der Klimawandel oder das weltweite Aufrüsten stellen die internationale Politik vor zahlreiche neue Aufgaben. Zusätzlich erweitern neue Akteure wie transnationale Unternehmen oder Nichtregierungsorganisationen, aber auch aufstrebende Staaten wie China oder Brasilien ihren Einfluss durch die Globalisierung. Die Vorlesung stellt die zentralen Konturen und die wichtigsten Akteure des neuen Weltsystems vor und diskutiert die bedeutsamsten theoretischen Erklärungen zwischenstaatlicher sowie transnationaler Kooperationen und Konflikte. Ein Studiennachweis kann über eine regelmäßige Teilnahme und das erfolgreiche Bestehen der Abschlussklausur erworben werden. Zu Veranstaltungsbeginn wird ein Textreader vorgestellt.

Elias Canettis Masse und Macht – ein Lektürekurs

Dozent: Prof. Dr. Hans-Jürgen Burchardt

Seminar

Das Hauptwerk des Literaturnobelpreisträgers Elias Canetti gehört zu den großen Werken der Wissenschaftsprosa der Jahrhundertwende. Es widmet sich in interdiziplinärer Perspektive dem Phänomen des Erscheinen von Menschenmassen, die sich in ihrem Auftreten zwar als anonymes, aber doch machtvolles politisches Subjekt artikulieren können. Canetti fasst mit seiner Typologie hierbei Masse als einen Korpus, einem Wesen mit eigenen Mustern, an dem bestimme Eigenschaften abgelesen werden können. Für ihn sind es nicht die rational konstruierten Menschenrechte, die politisch-legale Gleichheit verbürgen, sondern die Auflösung des einzelnen Menschen in einem Zustand personeller Entgrenzung. Das Verhältnis von Masse zur Macht gehört bis heute zu den großen Fragen der Gesellschaftsentwicklung, wie auch neue Dynamiken (z.B. der arabische Frühling) unterstreichen. Die Einschätzung, dass Canettis Masse und Macht alle zehn Jahren neu gelesen werden muss, scheint also weiter gültig zu sein und ist das Motto dieses Lektürekurses. Gemeinsam werden wir uns die zentralen Begriffe und Gedanken von Elias Canettis Hauptwerk aneignen und an aktuellen Entwicklungen und Kenntnissen messen. Die stilistische Brillanz dieser essayistischen Untersuchung macht sie der Leserschaft leicht zugänglich – die Bereitschaft, das Buch vollständig zu lesen, wird darum vorausgesetzt. Ein Leistungsnachweis kann durch eine durchgehende Teilnahme sowie die Präsentation eines Textteils erworben werden. Der Erwerb des Buches vor der Veranstaltung wird empfohlen.

Internationale Entwicklungszusammenarbeit I + II: Theorie und Praxis

Dozentin: Dr. Britta Krause

Seminar

Das Seminar thematisiert Theorien und Praktiken von Entwicklungspolitik bzw. Entwicklungszusammenarbeit. Im theoriebezogenen Teil des Seminars werden leitende Theorien des Entwicklungsdiskurses erarbeitet und diskutiert. Anschließend werden diese verschiedenen Ansätze an konkreten Fällen aus der Region Afrika diskutiert. Das Seminar zielt zum einen auf die Vermittlung von Überblickswissen ab, und wirft zum anderen einen kritischen Blick auf die die Kontroversen und Dilemmata von Entwicklungstheorien und Entwicklungspraktiken.

Einführung in die Friedens- und Konfliktforschung

Dozentin: Dr. Britta Krause

Seminar

Frieden und – damit zusammenhängend – Krieg sind zentrale Begriffe politikwissenschaft¬licher Debatten um das gesellschaftliche Zusammenleben. Allerdings herrscht weder Einigkeit über die Begriffe an sich, noch darüber, welches zentrale Voraussetzungen und Bedingungen für Frieden bzw. was die eigentlichen Ursachen für Kriege und Konflikte sind Das Seminar zielt darauf ab, (1) zentrale Begriffe und Konzepte der Friedens- und Konfliktforschung einzuführen, (2) relevante Erklärungsansätze vorzustellen und (3) friedenspolitischer Konzepte zu diskutieren.

Regionalmächte und Repräsentation

Dozentin: Dr. Britta Krause

Seminar

Der Aufstieg neuer „Regionalmächte“, vor allem der so genannten BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika), erfährt in Wissenschaft, Medien und Politik zunehmend Beachtung. Entsprechend dem politischen/politikwissenschaftlichen Konzept der BRICS wird allen fünf Staaten eine wachsende Bedeutung im internationalen Rahmen zugesprochen, die auf ökonomischer und militärischer Macht sowie der Fähigkeit basiert, international an Normsetzungsprozessen beteiligt zu sein. Die BRICS werden zu globalen Spielern und verändern die internationale Nord-Süd-Architektur. Für ebenso bedeutsam wird das veränderte Selbstverständnis der jeweiligen Staaten als wichtige Spieler auf dem internationalen Parkett gehalten, das in einer wachsenden Süd-Süd-Orientierung Ausdruck findet.
Im Rahmen des Seminars „Regionalmächte und Repräsentation“ wird vor allem der Aspekt der Repräsentation, der eine zentrale Prämisse des Konzepts der Regionalmächte darstellt, näher untersucht. Repräsentation und die Formulierung eines Führungsanspruches gelten als wesentliche Voraussetzung für die Wahrnehmung als Regionalmacht. Diesen formulieren die aufstrebenden Führungsmächte einerseits selbst, andererseits kommunizieren sie ihn gegenüber der regionalen und internationalen Staatengemeinschaft. Die „neuen Spieler“ des internationalen „Spiels“ müssen somit in ihrer Außendarstellung überzeugend vermitteln, dass sie als Teil dieses Spiels wahrgenommen werden wollen.
Im Rahmen des Seminars ist vom 28.-30. Juni eine Exkursion nach Berlin geplant, die sich der Repräsentation der aufstrebenden neuen Regionalmächte widmen wird und in deren Kontext Botschaftsbesuche sowie Besuche des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und der Stiftung Wissenschaft und Politik, einem der wichtigsten deutschen Think Tanks, stattfinden werden.

Transformationsgesellschaften zwischen Angleichung und Abgrenzung

Dozentin: Dr. Britta Krause

Seminar

Dieses Seminar ist der erste Teil eines auf zwei Semester angelegten Projektseminars. Ziel ist es, Möglichkeiten und Grenzen eines Dialogs zwischen westlichen und nicht-westlichen politischen Konzepten und Handlungsweisen auszuloten.Im Sommersemester sollen theoretische Grundlagen erarbeitet und erste Fallstudien vorgenommen werden:
Das Ende der Blockkonstellation und die dadurch eingeleitete „vierte Welle der Demokratisierung“sowie nicht zuletzt durch die Ereignisse des „Arabischen Frühlings“ scheint erneut die These zu bekräftigen, dass bestimmte globale Designs wie Demokratie und Menschenrechte universell sind. Diese gesellschaftlichen Veränderungen scheinen  nach einem evolutionär wirkenden Muster abzulaufen, an deren Ende (fast) immer eine liberale Demokratie westlichen Zuschnitts zu stehen scheint. Die Darstellung dieser Tendenz, die von John Meyer Isomorphismus genannt, wird von  verschiedenen Kriter_innen als westliche Repräsentationen der Welt und gesellschaftlich-sozialer Beziehungen kritisiert, die aus ihrem („kulturellen“) Entstehungskontext heraus auf die gesamte Welt übertragen wird. Die Folge der Übertragung und Vermittlung dieser globalen Designs und Konzepte auf die lokale Ebene sind Brüche, Missverständnisse und Konflikten.
Das Seminar wird sich im Sommersemester den theoretischen Zugriffen widmen und die Debatte um diesen Isomorphismus erarbeiten und diskutieren. Daran werden sich kritische (insbesondere postkoloniale) Perspektive anschließen. Des Weiteren werden wir uns mit Methoden sozialwissenschaftlicher Forschung beschäftigen und eine für die Anwendung auf das Forschungsthema geeignete Auswahl treffen. Zuletzt wird eine Vorauswahl an Fällen, Transformationsgesellschaften des „Nicht-Westens“, getroffen, die die Grundlage für eine weitere Beschäftigung bilden werden.
Im Wintersemester erfolgt die Anwendung des aus den Theorien entwickelten Wissensauf diese Fälle. In Arbeitsgruppen werden die Teilnehmenden ihre Fragestellungen konkretisieren, den methodischen Zugriff den gewählten Fällen anpassen (Fragebögen, Interview, Diskursanalyse etc.), den Untersuchungsgegenstand eingrenzen (bspw. auf konkrete Träger_innen der Transformation) und die Erhebung vornehmen. Am Ende des Seminars wollen wir für die Fälle die Frage beantworten, ob die These vom Isomorphismus aufrechtzuerhalten ist und wo konkret Brüche und Konflikte in der Aneignung globaler Designs liegen.
Vorkenntnisse im Bereich der Transformationsforschung sind von Vorteil.

Postcolonialism and Africa

Lecturer: Dr. Britta Krause

Seminar

African societies and states mainly are represented as fragile, ethnically divergent and of lacking coherence. This is, most of all, the result of colonial boundaries drawn artificially and arbitrarily. These representations are intimately connected with the Hegelian idea of the nation state, in which the nation is the central momentum of identity construction. According to western debates, however, the construction of national identity in African societies is constrained by primordial, mainly ethnic identities.  From a post-colonial perspective this representation can be criticized as a Western narrative that ignores non-Western perspectives and constructs/represents non-Western societies as “the Other”.
The course aims at providing space for alternative narratives, representationsand “dialogue”by: (1) reading and discussingsome post-colonial approaches and their central concepts like mimicry, evolutionism and stereotypes; (2) discussing Western representations of “the” African nation/state in various media like academic texts, encyclopaedia and handbooks, films, pictures etc.; (3) contrasting those with representations about Africa coming from Africa/the South.

Internationale Politik: Dynamiken, Theorien, Akteurskonstellationen

Dozentin: Dr. des Anne Tittor

Die internationale Politik hat in den letzten zwei Jahrzehnten deutlich an Komplexität gewonnen: Neue Akteure gewinnen an Einfluss und veränderte globale Problemlagen wie der Klimawandel oder die Finanz- und Eurokrise erfordern nicht nur die Entwicklung neuer politischer Konzepte und Strategien, sondern auch komplexe theoretische Zugriffe um diese zu analysieren. Das Seminar bietet eine vertiefte Darstellung und kritische Reflexion der aktuellen Theorien der Internationalen Beziehungen an und will so eine eigenständige systematische Bearbeitung von ausgewählten internationalen Frage- und Problemstellungen wie Krieg und Frieden, globale soziale Ungleichheit oder Umwelt- und Sozialpolitik erleichtern. Dabei wird auch die Frage behandelt, welche Interessen die bisherige Bearbeitung dieser Politikfelder seitens der Internationalen Politik berücksichtigt und welche sie marginalisiert.

Interdisziplinäres Seminar: Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg

DozentInnen: Jonathan Peter/ Anne Tittor

Im dem Seminar sollen Verlauf und Konsequenzen des Zweiten Weltkriegs in Afrika, Asien und Lateinamerika behandelt werden, wozu die vom 3.-31.Mai in der Volkshochschule Kassel gezeigte Ausstellung einen optimalen Einstieg bietet. Begleitend zur Ausstellung werden drei Abendveranstaltungen mit Fachvorträgen organisiert und die Studierenden erhalten einen praktischen Einblick in die Organisation von Vorträgen, die didaktische Konzeption von Ausstellungsführungen und die in diesem Zusammenhang anfallende Tätigkeiten.
Inhaltlich möchte das Seminar Impulse zur Multiperspektivität in zweierlei Hinsicht bieten: Zum einen wird den Studierenden ein viel thematisiertes und gut bekanntes historisches Ereignis aus afrikanischer, asiatischer oder lateinamerikanischer Perspektive präsentiert. Zum zweiten werden Debatten der Geschichtsdidaktik zu Multiperspektivität und Fremdverstehen sowie der Politikwissenschaft zu Nord-Süd-Beziehungen und Eurozentrismus in das interdisziplinäre Seminar einfließen. Den Studierenden soll damit einerseits neues Wissen zu einem vergessenen Kapitel der Geschichte vermittelt werden und insbesondere Lehramtsstudierenden Unterrichtsmaterialien für einen differenzierten Geschichts- und Politikunterricht angeboten werden. Darüber hinaus will das Seminar allen Studierenden zeigen, wie sehr die ihnen bekannte Darstellung des Zweiten Weltkriegs durch einen europäischen Blick geprägt ist: So gravierend die Folgen des Zweiten Weltkriegs auch außerhalb Europas gewesen sind – sie sind weitgehend unbekannt.

Soziale Bewegungen und Demokratie in Lateinamerika

Dozent: Dr. des. Zeljko Crncic

Seminar

Soziale Bewegungen gestalteten die politischen, sozialen und kulturellen Verhältnisse vieler Länder mit. Seit der französischen Revolution treten sie immer wieder in Erscheinung und machen durch vielfältige Aktionen auf sich aufmerksam. Die jüngsten Manifestationen waren die Bewegung gegen den Umbau des Stuttgarter Hauptbahnhofs, die Jugendbewegungen in Spanien und Griechenland oder die Revolten im arabischen Raum.
In Lateinamerika existiert eine besonders rege Bewegungslandschaft. Seit der Zeit der Kolonialisierung kam es zu indigenen Aufständen sowie Sklavenrevolten auf lokaler Ebene. Im 20. Jahrhundert waren besonders die Arbeiter-, Bauern- und später dann die Menschenrechtsbewegung führend in der Artikulation von Widerspruch gegen herrschende Verhältnisse. Soziale Bewegungen waren maßgeblich an der Wahl der aktuellen Regierungen Boliviens, Venezuelas oder Ecuadors beteiligt. Die Aktivität der Bewegungen in Lateinamerika zeichnet sich vor einem Szenario politischer Instabilität, sozialer Exklusion und ökonomischer Ungleichheit ab, Probleme, die trotz der Rückkehr zur Demokratie, die in den meisten Ländern vor dreißig Jahren stattgefunden hat, nicht grundlegend eingedämmt wurden.
Dieses Spannungsverhältnis ist Fokus des Seminars. Ziel ist es zunächst, gemeinsam einen theoretischen Zugang zum Begriff der sozialen Bewegungen unter Rückgriff auf die Forschungsliteratur zu erarbeiten. Nach einer historischen Einordnung soll es dann im zweiten Teil um einzelne Bewegungen in Lateinamerika gehen. Die Frauenbewegung, die Mobilisierung der Indigenen oder der Landlosen bilden wichtige Schwerpunkte bei der Beschäftigung mit den sozialen Bewegungen der Region. Die Verflechtung auf transnationaler Ebene sowie das konfliktive Verhältnis zur Demokratie in den einzelnen Ländern bilden Grundfragen, die die einzelnen Themen einrahmen werden.

Sozialpolitik in Lateinamerika: Kontinuität und Wandel

Dozent: Nico Weinmann

Dass der Sozialstaat um- oder gar abgebaut werden müsse, ist hierzulande seit geraumer Zeit ein verbreiteter Konsens in Wirtschaft und Politik. Demgegenüber hat sich Lateinamerika zu einem Laboratorium neuer Formen der Sozialpolitik entwickelt. Programme wie „Bolsa Familia“, das unter anderem Millionen von Menschen in Brasilien den Zugang zum Bildungs- und Gesundheitssystem erleichtert, haben Modellcharakter angenommen. Derartige sozialpolitische Erneuerungen sind in allen lateinamerikanischen Ländern innerhalb der vergangenen Dekade festzustellen. Zugleich stiegen die Sozialausgaben in der Region stetig.
Während in den westlichen Staaten Sozialpolitik zweifelsohne zu den gut erforschten Themen der Gesellschaftswissenschaften gehört, finden lateinamerikanische Wohlfahrtsregime – trotz vorhandenen Traditionen und ihrer gegenwärtigen Dynamik – wenig Beachtung.
Deshalb wollen wir uns in dem Seminar auf Spurensuche begeben: Was sind die traditionellen Muster mit denen lateinamerikanische Sozialpolitik die Gesellschaft ordnet? Sind jüngere Reformprozesse Ausdruck eines Wandels regionaler Wohlfahrtsregime? Folgt die Sozialpolitik in erster Linie der Vergabe von Almosen an Bedürftige, handelt es sich um soziale Rechte, die als Ergebnis gesellschaftlicher Auseinandersetzungen entstanden sind oder eher um Privilegien, die besonders einflussreiche Gruppen erhalten, um sie an das jeweilige politische Regime zu binden? Neben der Debatte dieser Fragen werden gleichzeitig die Theorien und Methoden der Sozialpolitikforschung überprüft. Wir wollen diskutieren, inwiefern uns die bewährten Methoden der westlichen Forschung bei der Analyse von Sozialpolitik in Lateinamerika weiterhelfen, wo sie versagen und ob andere Zugänge weiterführend sind.

Gewalt und Erinnerung in Afrika und Europa

Dozentin: Jenny Pahmeyer

Die gemeinsame Geschichte von Afrika und Europa ist vor allem durch Kolonialismus und daraus resultierender, fortbestehender sozialer Ungleichheiten gekennzeichnet. Dabei ziehen sich Ausbeutung und Gewalt durch verschiedene historische Kontexte. Erst langsam scheint eine Beschäftigung dieser Kapitel europäischer Expansion Eingang in öffentliche Auseinandersetzung zu finden, dies gilt umso mehr in Deutschland.
Auch in den Weltkriegen spielten die damaligen europäischen Kolonien eine Rolle, die in der aktuellen Betrachtung oft kaum beleuchtet wird. Die im Mai in Kassel gezeigte Ausstellung ‘Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg’ und die damit verbundenen Debatten werden deshalb in das Seminar einbezogen.
Insgesamt sollen Erinnerung und Geschichtsschreibung als Raum von Machtstrukturen sowie Aushandlungs- und Konstruktionsprozessen betrachtet werden. Kolonialismus und seine Auswirkungen werden auch aus politischer, ökonomischer und juristischer Perspektive beleuchtet und der Frage nachgegangen, mit welchen politikwissenschaftlichen Theorien und Konzepten der Internationalen Beziehungen, (Post)Kolonialismus sinnvoll untersucht werden kann.
Ein Schwerpunkt wird der deutsche Kolonialismus in Namibia und dessen Auswirkungen bis in die Gegenwart sein.

Internationale Organisationen. Bedeutung, Struktur und Wirkung. Mit Praxisbeispielen ausgewählter internationaler Organisationen

Dozentin: Ulrike Krause

Bezüge zu internationalen Organisationen sind nahezu allgegenwärtig. Ob Vereinte Nationen, Europäische Union oder NATO; ihr internationales Engagement ist anerkannt und umstritten zugleich. Doch was machen diese Organisationen und wie funktionieren sie? Welche Organisationen gibt es überhaupt? Internationale Organisationen sind für die globale Politik von wachsender Bedeutung. Warum dies so ist und welche Rolle sie haben, wird in dem Seminar innerhalb von drei Feldern bearbeitet. Im Seminar werden theoretische Grundlagen, die Einordnung in ausgewählte Theorien der Internationalen Beziehungen und die praxisbezogene Vorstellung selektierter Organisationen behandelt. Im einführenden, ersten Teil des Seminars stehen die Entstehung, Strukturen und Arbeitsfelder von internationalen Organisationen sowie ihre völkerrechtliche Fundierung im Mittelpunkt. Aufbauend auf diesem grundsätzlichen Verständnis werden im zweiten Teil ausgewählte Theorien Internationaler Beziehungen auf ihre Aussagen zur Rolle internationaler Organisationen hin untersucht. Im dritten Teil des Seminars werden ausgewählte internationale Organisationen mit Praxisbeispielen behandelt. Dabei geht es auch um Fragen nach aktuellen Entwicklungen und Reformen sowie nach Unterschieden und Kooperationsansätze mit internationalen Nichtregierungsorganisationen. Am Ende des Seminars sollen Chancen und Herausforderungen internationaler Organisationen herausgestellt und diskutiert werden.

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Lehrveranstaltungen Wintersemester 2011/2012

 

Sicherheitspolitiken in (inter-) nationaler Perspektive

Dozent: Prof. Hans-Jürgen Burchardt

Seminar

Die jüngsten Ereignisse in Nordafrika machen deutlich, dass die Frage der Sicherheit sowohl international als auch in vielen Gesellschaften weiter von zentraler Bedeutung ist. Ein besonderer Fall ist die Region Lateinamerika: Gibt es auch hier kaum gewalttätige zwischenstaatliche Konflikte, sind nicht wenige Länder durch eine Gewaltspirale geprägt, bei der hohe Mord- und Kriminalitätsraten zu einer zunehmenden Verunsicherung der Bevölkerung führen und denen der Staat scheinbar hilflos entgegensteht. Überzeugende Konzepte und Strategien zur Problembearbeitung bieten bislang weder die lokalen Regierungen noch internationale Organisationen an. Die Sicherheit der öffentlichen Räume, in Westeuropa noch eine Selbstverständlichkeit, wird in der Region darum immer mehr zum Privileg, das heute oft nur noch über private Dienstleister garantiert werden kann. Wo staatliches Gewaltmonopol und Rechtsstaat im Innern versagen, besteht jedoch auch die Gefahr, in den regionalen und internationalen Beziehungen politische Kontrolle zu verlieren. Illegale transnationale Aktivitäten wie Drogen- oder Waffenhandel lassen erste Konturen einer solchen Entwicklung sichtbar werden. Im Seminar werden nach einer Klärung der wichtigsten Kategorien der Sicherheitsanalysen die verschiedenen Facetten der lateinamerikanischen Sicherheitsproblematik in (inter-) nationaler Perspektive vorgestellt und diskutiert. Zum Einsatz kommen dabei neue Konzepte und Ansätze der jüngeren Sicherheitsdebatten. Eine erfolgreiche Teilnahme setzt eine intensive Lektüre der Literatur voraus.

Sozial- und Arbeitspolitik jenseits der Industriestaaten – die Praxis einer wiss. Tagung

Dozent: Prof. Hans-Jürgen Burchardt

Seminar

Zu den Sozial- und Arbeitspolitiken der Industrienationalen existieren zahlreiche wissenschaftliche Studien. Über die Existenz und Ausgestaltung dieser Politikfelder in den Regionen Afrika, Asien und Lateinamerika liegen bisher aber nur wenige Kenntnisse vor. Im Rahmen einer Tagung an der Universität Kassel soll darum das vorhandene Wissen gebündelt und diskutiert sowie gemeinsam überlegt werden, welches die Anforderungen für eine weitergehende systematische Beschäftigung mit den Sozial- und Arbeitspolitiken jenseits der Industriestaaten sein könnten. In mehreren Panels und einer öffentlichen Podiumsdiskussion werden dafür Arbeits-, Bildungs- Gesundheits- und Steuerpolitik in Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa von Experten vergleichend dargestellt. Die Teilnehmer des Seminars haben sich in die Thematik einzuarbeiten und unterstützen zusätzlich die Vorbereitung und Durchführung der Tagung; sie erhalten so einen tiefen Einblick in die Praxis akademischer Organisation. Die Seminarteilnahme setzt unter anderem eine ganztägige Anwesenheit an der Tagung vom 24.-25. November 2011 an der Universität Kassel voraus. Die Teilnahmezahl ist begrenzt und eine frühe Anmeldung erforderlich.

Einführung in die Nord- Süd Beziehungen

Dozent: Prof. Hans-Jürgen Burchardt

Seminar

Die Nord-Süd-Beziehungen stellten sich lange als ein Entwicklungsgefälle dar, welches in den letzten 50 Jahren das Weltsystem nicht substantiell destabilisierte bzw. durch den dominanteren Ost-West-Konflikt überlagert wurde. Mittlerweile beginnen sie allerdings eine neue Qualität zu entfalten: Auf der einen Seite werden sie über Bumerang-Effekte wie ökonomischer Wettbewerbsdruck, Migration, Terrorismus, asymmetrische Kriege, etc. auch für den Norden zum Problem und zu einer zentralen Konfliktachse im internationalen System. Auf der anderen Seite gewinnen aufstrebende Staaten im Süden zunehmend an politischen und wirtschaftlichen Einfluss. Zur Zeit ist nicht präzise bestimmbar, in welche Richtung sich die aktuelle Weltordnung entwickelt. Das Vertiefungsseminar führt einleitend in zentrale Aspekte der Nord-Süd Beziehungen ein, um eine erste Orientierung zu erleichtern. Beginnend mit einem historischen Überblick und der Vorstellung zentraler Theorien über die Verhältnisse zwischen ‚Nord’ und ‚Süd’ werden als nächstes ausgewählte Kategorien und Aspekte der Nord-Süd-Beziehungen vorgestellt und darüber gleichzeitig internationale und intergesellschaftliche als auch innergesellschaftliche Phänomene und Konfliktlinien diskutiert. Ein wichtiger Fokus liegt auf der Betrachtung der Bereiche Sozialpolitik, Demokratieentwicklung und internationale Zusammenarbeit. Ziel der Veranstaltung ist es, die aktuellen weltpolitischen Verschiebungen zu reflektieren und die neuen Herausforderungen, aber auch das Potential dieser Veränderungen für eine Neuorientierung im internationalen System zu analysieren. In der Einführungsveranstaltung wird ein Textreader vorgestellt, der die Grundlage für die weitere Seminararbeit bildet.

Das Paradoxon Lateinamerika: Eine Region zwischen westlichen Erfahrungen und regionalen Partikularitäten

Dozent: Prof. Hans-Jürgen Burchardt

Trotz positiver Wirtschaftsentwicklung, demokratischer Konsolidierung und partiell vorhandener Wohlfahrtsstaatlichkeit zeichnen sich fast alle Länder Lateinamerikas auch heute durch extrem hohe soziale Ungleichheitsraten aus. Dies stellt sowohl sozialpolitische als auch demokratietheoretische Annahmen in Frage. Das Seminar diskutiert die Reproduktionsfaktoren sozialer Ungleichheit in Lateinamerika aus unterschiedlicher Perspektive. Insbesondere wird der Frage nachgegangen, ob das Paradoxon Lateinamerika im Sinne der meisten Erklärungsansätze als Ausdruck von Entwicklungsdefiziten verstanden werden kann oder statt dessen eine Form sehr erfolgreicher politischer Herrschaft ist. Im Seminar werden hierfür neue Analysen aus Wirtschaft, Politik und Umwelt vorgestellt. Teilnahmevoraussetzung ist eine intensive Lektüre der angegebenen Literatur.

„Regionalmächte“ als neues Konzept der IB – der Fall Südafrika

Dozentin: Dr. Britta Krause

Seminar

Der „Aufstieg neuer Regionalmächte“, vor allem der so genannten BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika), erfährt in Wissenschaft, Think Tanks und Politik große Beachtung, da dieser eine Verschiebung der globalen Machtverhältnisse und einen Bedeutungsverlust etablierter Mächte mit sich bringt bzw. zu bringen scheint. Im Seminar soll einerseits das Spannungsverhältnis von Globalisierung und Regionalisierung und andererseits die Frage von Macht im internationalen System thematisiert werden, um darüber die (polit-ökonomische) Bedeutung Südafrikas im afrikanischen und globalen Kontext herauszuarbeiten.

Demokratien zwischen Friedfertigkeit und Kriegsneigung

Dozentin: Dr. Britta Krause

Seminar

Unter dem Konzept des Demokratischen Friedens wird gemeinhin die Feststellung verstanden, dass demokratische Staaten gegeneinander keine Kriege führen. Diese These ist seit dem Ende der 1990er Jahre zu einem Schlüsselprinzip der Außenpolitik westlicher Staaten geworden. Im Seminar sollen neben Texten, die als Grundlagen dieser Theorie bzw. ihrer kritischen Weiterentwicklung gelten können (wie der Theorie des Demokratischen Kriegs), auch fundamentale Kritiken an deren theoretischem wie empirischem Gehalt zu Wort kommen. Darüber hinaus soll vermittelt werden, dass die Theorie des Demokratischen Friedens nicht nur ein abstrakt-theoretisches Analyseinstrument darstellt, sondern auch als Begründung konkreter politischer Handlungen herangezogen wird und somit konstitutives Element sozialer Realität ist.

Die aktuelle Krise Somalias im Kontext des Entwicklungsdiskurses

Dozentin: Dr. Britta Krause

Seminar mit Praxisbezug

In den vergangenen Jahrzehnten ist ein Wandel des (politischen) Entwicklungsdiskurses zu verzeichnen. Während in den 1980er Jahren das „Hilfe“-Thema den Diskurs dominierte, wird dieses spätestens mit der Verabschiedung der Millenium Development Goals von einer Partnerschaftsrhetorik überlagert. Gegenüber Afrika betont bspw. das neue Afrika-Konzept der Bundesregierung die „gleichberechtigte Partnerschaft“ und Hilfe zu Selbsthilfe und Eigenverantwortlichkeit ist die Aufgabe einer veränderten Entwicklungspolitik. Davon ausgehend, dass Diskurse nicht nur von der Politik geprägt werden, sondern Diskurse und Gesellschaft sich gegenseitig konstituieren, sollte dieses veränderte Denken hinsichtlich Entwicklung und Entwicklungspolitik gleichsam in der Gesellschaft verankert sein. Allerdings stellt sich die Frage, und dieser soll im Seminar nachgegangen werden, ob dieses Denken in konkreten Krisen wie der gegenwärtigen in Ostafrika/Somalia ebenso gilt.

Im Seminar wird der Entwicklungsdiskurs und sein Wandel thematisiert und über die aktuelle Situation in Somalia und ihre Darstellung in den Medien informiert. Weiterhin werden Grundlagen der Fragebogenerstellung und Stichprobenauswahl behandelt und Fragebögen zur „Hilfe für Somalia“ erstellt. Die Auswahl der zu Befragenden erfolgt ebenfalls im Seminar. Der praxisbezogene Anteil des Seminars besteht somit in der Befragung von KasselerInnen hinsichtlich ihrer Position zur (finanziellen) Unterstützung Somalias. In einem auswertenden Teil sollen die Ergebnisse der Befragung mit dem anfangs erarbeiteten Entwicklungsdiskurs „abgeglichen“ werden.

Propädeutikum der Politikwissenschaft

Dozentin: Dr. Britta Krause

Propädeutikum

Im Propädeutikum der Politikwissenschaft werden anhand eines Leitthemas politikwissenschaftliche Grundlagen erarbeitet. Entsprechend werden wir uns mit zentralen Fragestellungen des Faches, seinen Gegenstandsbereichen, seinen Grenzen zu und Überschneidungen mit anderen Disziplinen und dem Wandel der Disziplin, aber auch mit Problemen von Wissenschaft und Wissenschaftlichkeit und der Trennung von Theorie und Praxis auseinandersetzen. Den zweiten großen Bereich stellen die Grundlagen und Methoden wissenschaftlichen Vorgehens dar. In praktischen Übungen werden die Techniken für den Arbeits- und Forschungsprozess wie die Entwicklung wissenschaftlicher Fragestellungen, das eigenständige Recherchieren und Bibliographieren und die zentralen Merkmale wissenschaftlicher Arbeiten vermittelt und angewendet.

Einführung in das politikwissenschaftliche Arbeiten

Dozentin: Anne Tittor

Propädeutikum

Das Seminar soll den Studierenden erste Einblicke in die Politikwissenschaft und das wissenschaftliche Arbeiten am Beispiel des Themas Soziale Bewegungen geben. Dabei werden Bewegungen aus verschiedenen Weltregionen analysiert und unterschiedliche sozialwissenschaftliche Theorien zur Entstehung von Sozialen Bewegungen kennen gelernt. Im Zentrum wird die Frage stehen, welchen Beitrag verschiedene soziale Bewegungen zu politischen Veränderungen geleistet haben und ob sich heute von Globalen Sozialen Bewegungen sprechen lässt.

Zugleich werden im Seminar Techniken wissenschaftlichen Arbeitens wie etwa Zitieren, Exzerpieren und Literaturrecherche sowie zentrale Kompetenzen für das weitere Studium wie Präsentationstechniken und das Verfassen von Hausarbeiten erlernt bzw. verbessert.

Introduction to Globalization

Lecturer: Anne Tittor

This core course (9 credits) of the Master program Global Political Economy introduces you to the debates about globalization by dealing with the following questions:

What is globalization? Does the term globalization describe a qualitatively or just a quantitatively new phase of capitalist development?

What are the driving forces of globalization? Is globalization a product of technological progress, of laws of capitalist development, or of political decisions? What role do nation states play in bringing globalization about?

What is the impact of globalization? Does globalization lead to shifts in the balance of power between business and state, capital and labor, between the genders, between “natives” and “migrants”, and between “North” und “South”? What are the effects of globalization in different policy fields like e.g. social policy, health policy or education policy? How does globalization change the face of war?

Can one govern globalization? Can one ignore globalization? How can the rules of globalization be changed? What are the aims and achievements of the anti-globalization movement?

You will be introduced to and practice skills in academic writing and working, such as summaries, oral presentations, identifying arguments and doing library and online searches. The 3 hours course will be used for introductory presentations of the participants, practicing basic academic skills, group work, discussions, close reading exercises and inputs from the lecturers.

Die US-Hegemonie in historischer Perspektive

Dozent: Christian Möllmann

Seminar

Seit dem Ende der Blockkonfrontation zwischen dem von den USA geführten Westen und dem sowjetisch dominierten Osten herrscht Uneinigkeit in IB-Debatten über die Herausbildung einer neuen Weltordnung und die Rolle der USA darin. Francis Fukuyama postulierte 1992 das „Ende der Geschichte“, da sich mit dem Zerfall des Ostblocks nun weltweit das westlich-liberale Gesellschaftsmodell durchgesetzt hätte. Viele verbinden damit eine nach wie vor vorherrschende, wenn nicht sogar gestärkte Rolle der USA als „letzte verbliebene Weltmacht“. Andere hingegen diagnostizieren seitdem einen Verfall der US-Vormachtstellung. Die militärische Sackgasse der Irak- und Afghanistan-Einsätze, die gerade mit Mühe abgewendete Zahlungsunfähigkeit der USA oder die Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit wären hierfür nur drei Anhaltspunkte. Im Verbund mit neuen Konfliktlinien, wie etwa im viel beschworenen „Kampf der Kulturen“ gezeichnet, oder dem Aufstreben Chinas und Indiens in der Weltpolitik wird dann oft auf einen (möglichen) Wandel der Weltordnung geschlossen.

Um solche scheinbar widersprüchlichen Dynamiken in der Gegenwart besser zu verstehen, wirft das Seminar einen Blick auf die Geschichte der US-Hegemonie in der Weltpolitik. Warum wurde die USA darin eigentlich zur Weltmacht? Was macht(e) ihre vieldiskutierte Hegemonie in der Weltpolitik genau aus und wie entwickelte sie sich? Wie ist zu bewerten, dass sie etwa mit dem Vietnamkriegsdebakel oder der Aufgabe der Goldbindung des US-Dollars 1971 anscheinend schon früher krisenanfällig war? Die Auseinandersetzung mit diesen Fragen soll nicht zuletzt klären helfen, inwiefern wir Entwicklung und Grenzen der US-Vormachtstellung einer allgemeinen, in der Geschichte immer wieder vorkommenden Logik der Weltherrschaft zuschreiben können oder dafür eher historisch-spezifische Dynamiken als ausschlaggebend betrachten müssen.

Kassel im ‚Global Game’ – Globalisierung und Identität am Beispiel des Fußballs –Fortsetzung aus dem SoSe

Dozenten: Stefan Peters, Nico Weinmann

Projektseminar

„König Fußball regiert die Welt“. Für viele ist er die „schönste Nebensache“ und nicht wenige erbitten sich regelmäßig Beistand von einem „Fußballgott“. Floskeln dieser Art verdeutlichen: Fußball ist weit mehr als ein Spiel. Die gesellschaftliche Bedeutung des Fußballsports und dessen tief greifende Veränderungen in den vergangenen Jahren machen ihn zu einem interessanten Objekt der Gesellschaftsanalyse. So lassen sich viele Globalisierungsprozesse (internationale Wertschöpfungsketten, internationale wirtschaftliche Verflechtungen, Migration, etc.) auch im Bereich des Fußballs identifizieren. Hierbei sind vielfach Verschränkungen zwischen der globalen und lokalen Ebene zu beobachten: das Personal von Fußballvereinen wird bis ins Amateurlager global rekrutiert, in der Kreisliga verwendete Bälle und Textilien werden fast ausschließlich im Globalen Süden produziert, die Ware ‚Fußball’ wird über Pay-TV in fast alle Weltregionen exportiert und Spielstätten werden mit den Namen transnationaler Unternehmen versehen. Zugleich hat der Sport ein enormes Potential der Identitätsstiftung. Das Moment der gemeinschaftlichen Wir-Gruppen-Bildung – über die Nation(almannschaft), den Verein oder die Fangruppierung – geht jedoch stets mit der Abgrenzung zum Außen einher. Häufig überträgt sich dies in Gewalt oder rassistischer, antisemitischer, homophober, sexistischer oder regionalistischer Diskriminierung Andererseits zeigen verschiedene Initiativen, dass der Fußball ebenso ein Instrument zur Bekämpfung solcher Formen der Diskriminierung sein kann.
Im Sommersemester 2011 wurden zunächst verschiedene Aspekte des Fußballs der sozialwissenschaftlichen Analyse und Diskussion unterzogen. Anhand der Ergebnisse im Seminar werden nun im zweiten Teil der Lehrveranstaltung eigenständige qualitative Studien zu unterschiedlichen fußballbezogenen Aspekten in Nordhessen durchgeführt. Die Ergebnisse sollen der interessierten Öffentlichkeit in einer Ausstellung präsentiert werden.

Wandel von Arbeitsgesellschaft und Arbeitskämpfen

Dozent: Nico Weinmann

Seminar

Von verschiedener Seite wurde zu Beginn der 1980er Jahre eine „Krise“ oder gar ein „Ende“ der Arbeitsgesellschaft konstatiert. Rückblickend markierte diese Debatte eher den Auftakt einer Auseinandersetzung um den Wandel der Erwerbsarbeit in unserer Gesellschaft, die nach wie vor tiefgreifend und auf verschiedenste Weise von abhängiger Lohnarbeit durchwirkt ist. In dem Seminar wird deshalb der Frage nachgegangen, auf welche Weise die Arbeitsgesellschaft Wandlungsprozessen unterzogen ist. Welche Auswirkungen hat der Prozess der Globalisierung auf sie? Was ist dran an der Debatte um die Erosion des „Normalarbeitsverhältnisses“? Was tritt an dessen Stelle? Welche Konsequenzen ergeben sich hieraus für die Arbeitsbeziehungen, also für das Verhältnis zwischen „Kapital und Arbeit“, Gewerkschaften und Unternehmer? In einem zweiten Schritt wollen wir in dem Seminar nach einem Wandel der Arbeitskonflikte fragen. So hat die gegenwärtige Finanz- und Wirtschaftskrise auch in Europa eine Welle sozialer Konflikte zur Folge. Kann man anhand dieser Protestkonjunktur neben dem Wandel der Arbeitsgesellschaft auch einen Wandel ihrer Konfliktformen festzustellen? Gewinnen beispielsweise nach dem Bedeutungsverlust des „Normarbeitsverhältnisses“ auch „nicht-normierte“ Konflikte an Relevanz?

Die gegenwärtigen Wandlungsprozesse der Arbeitsgesellschaft und der Arbeitskämpfe werden historisch und theoretisch kontextualisiert, an aktuellen Beispielen diskutiert und illustriert. Zu diesem Zweck wollen wir unter anderem eine Exkursion hinter die Werkstore eines nordhessischen Großbetriebs unternehmen.

Umwelt und Entwicklung in Lateinamerika: Ein Projektseminar

Dozent: Zeljko Crncic

Projektseminar inklusive einer Exkursion zu den Weingartener Lateinamerika-Gesprächen

Das Projektseminar bereitet die Teilnahme an der Tagung Weingartener Lateinamerikagespräche vom 13. bis 15.01.2012 zum Thema ‚Umwelt und Entwicklung in Lateinamerika – Ein Widerspruch’ in Weingarten inhaltlich und organisatorisch vor. Während der Vorbereitung und Teilnahme an der Tagung lernen die Studierenden die Abläufe einer Veranstaltungsorganisation aus der Nähe kennen, kommen in Kontakt mit den Referenten und erarbeiten als Ergebnis des Seminars Artikel, Protokolle, Interviews, Tagungsberichte etc., die für Veröffentlichungen vorbereitet werden. Diese schriftlichen Leistungen werden als Leistungsnachweis gewertet.  Die Teilnahme an der Tagung ist für den Leistungserwerb obligatorisch.

Inhaltlich setzt sich das Seminar mit dem spannungsreichen Verhältnis zwischen Umwelt und Entwicklung in Lateinamerika auseinander. Konkurrierende Entwicklungsparadigmen, politische Handlungsstrategien, die Rolle staatlicher und nichtstaatlicher Akteure sowie Konfliktkonstellationen, die sich aus der Umweltproblematik ergeben, werden im Seminar behandelt. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Beschäftigung mit verschiedenen gesellschaftlichen Leitbildern, auf aktuellen Konfliktkonstellationen sowie auf historischen Fragestellungen, die mit der Umweltproblematik in der Region zusammenhängen. Die Tagung von Weingarten bildet einen Hauptaspekt des Seminars, praktische Vor- und Nacharbeiten zur Exkursion sind daher Teil des Programms. Da das Seminar einen starken Praxisbezug hat, können im Verlauf verschiedene kleinere Aufgaben wie die praktische oder inhaltliche Vorbereitung von Artikeln oder anderen schriftlichen Arbeiten anfallen. Zudem ist die Gestaltung einer Seminarstunde – als Ersatzleistung für ein Referat – als relevante Leistung vorgesehen.

Russland in der Globalisierung

Dozentin: Olga Molnár

Seminar

20 Jahre nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und 25 Jahre nach der Tschernobyl-Katastrophe: die historischen Veränderungen in der ehemaligen Sowjetunion, die vor 26 Jahren unter Gorbatschow ihren Anfang nahmen, haben die modernen Globalisierungsprozesse bedeutend beeinflusst.

Im Seminar werden einige Theorien der Internationalen Beziehungen analysiert und am Beispiel der gegenwärtigen russischen Politik diskutiert. Vertiefend werden die Meilensteine in der Außenpolitik sowie einige zentrale innenpolitische Entwicklungen Russlands von Gorbatschow bis Medwedjew aus einer kritischen Innen- und Außenansicht beleuchtet und diskutiert. Als Seminareinstieg dient eine multimediale Präsentation mit Interviews von Zeitzeugen zu Gorbatschows Perestroika.

 

Lehrveranstaltungen Sommersemester 2011

 

Weltpolitik und Weltbilder im 21. Jahrhundert

Dozent: Prof. Dr. Hans-Jürgen Burchardt

Vorlesung

Die Welt hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verändert: Globale Problemlagen wie die Finanzkrise, der Klimawandel oder das weltweite Aufrüsten stellen die internationale Politik vor zahlreiche neue Aufgaben. Zusätzlich erweitern neue Akteure wie transnationale Unternehmen oder Nichtregierungsorganisationen, aber auch aufstrebende Staaten wie China oder Brasilien ihren Einfluss durch die Globalisierung. Die Vorlesung stellt die zentralen Konturen und die wichtigsten Akteure des neuen Weltsystems vor und diskutiert die bedeutsamsten theoretischen Erklärungen zwischenstaatlicher sowie transnationaler Kooperationen und Konflikte. Ein Studiennachweis kann über eine regelmäßige Teilnahme und das erfolgreiche Bestehen der Abschlussklausur erworben werden.

 

Soziale Ungleichheiten in Lateinamerika: Neue Perspektiven auf Wirtschaft, Politik und Umwelt

Dozent: Prof. Dr. Hans-Jürgen Burchardt

Seminar

Lateinamerikanische Gesellschaften sind seit langem durch extreme soziale Ungleichheiten gekennzeichnet. Unterschiedliche Wirtschaftsmodelle haben die Beharrungskraft dieser Disparitäten ebenso wenig nachhaltig verändert wie verschiedene politische Regime. Auch die seit mittlerweile drei Dekaden regierenden Demokratien konnten hier bisher keine nennenswerten Erfolge erzielen. In der Veranstaltung soll unter Verwendung neuester Daten und Kenntnisse sowie dem Einsatz aktueller methodischer Konzepte der bemerkenswerten Beharrungskraft dieser Ungleichheiten nachgespürt werden. Dabei sind die Eigenarten der Region aus verschiedener Perspektive zu betrachten und wird die Frage diskutiert, ob diese Ungleichheiten primär als Ausdruck von politischen und ökonomischen Defiziten verstanden werden können oder statt dessen sogar eine Form sehr erfolgreicher politischer Herrschaft sind. Im Seminar werden hierfür neue Analysen aus den Politikfeldern Wirtschaft, Politik und Umwelt vorgestellt, die die Zukunft Lateinamerikas am stärksten prägen werden. Teilnahmevoraussetzung ist eine intensive Lektüre der angegebenen Literatur, die Übernahme eines Referats und bei Bedarf die Erbringung einer schriftlichen Leistung.

 

Claus Offe: Strukturprobleme des kapitalistischen Staates – Lektürekurs

Dozent: Prof. Dr. Hans-Jürgen Burchardt

Seminar

1972 erschienen Claus Offes Texte über die Strukturprobleme des kapitalistischen Staates. Er prägte die damalige Debatte um den demokratischen Wohlfahrtsstaat nachhaltig und schärfte den analytischen Blick für das stets prekäre Verhältnis von Sozialstaat, Kapitalismus und Demokratie. Obwohl die Funktionsprobleme von westlichen Sozialstaaten seit langem offenkundig sind und die Frage wohlfahrtsstaatlicher Entwicklung bis heute ungebrochen im Mittelpunkt von Politik steht, war der Ansatz des jungen Claus Offe bald wieder von der Bildfläche gesellschaftswissenschaftlicher Debatten verschwunden. Davon ausgehend, dass einige von Claus Offes Beiträgen auch heute noch lesenswert und anknüpfungsfähig sind, um aktuelle Problemlagen unserer Gesellschaft zu verstehen, wollen wir uns in einer kritischen Rekonstruktion den Texten systematisch annähern.
Als Veranstaltungsformat dient dazu ein Lektürekurs, in dem wir uns gemeinsam die zentralen theoretischen Annahmen von Claus Offe an Hand ausgewählter Textbeispiele erarbeiten und mit Blick auf aktuelle Entwicklungen diskutieren. Die Bereitschaft intensiver Textlektüre und die Vorstellung eines Textabschnitts ist Teilnahmevoraussetzung.

 

Die Internationalen Beziehungen: Aktuelle Dynamiken und neue Ansätze

Dozent: Prof. Dr. Hans-Jürgen Burchardt

Seminar

Die internationale Politik hat in den letzten zwei Jahrzehnten deutlich an Komplexität gewonnen: Neue Akteure gewinnen an Einfluss und veränderte globale Problemlagen wie der Klimawandel erfordern die Entwicklung neuer politischer Konzepte und Strategien. Mit einfachen theoretischen Zugriffen können diese Dynamiken nicht mehr hinreichend analysiert und erklärt werden; deshalb wird intensiv um angemessene und handhabbare Modelle zur Erklärung der aktuellen grenzüberschreitender Beziehungen debattiert. Das Seminar bietet eine vertiefte Darstellung und kritische Reflexion der Theorien der Internationalen Beziehungen an und will so eine eigenständige systematische Bearbeitung von ausgewählten internationalen Frage- und Problemstellungen wie Sicherheit, Wirtschaft, Umwelt und Entwicklung erleichtern.

 

Neuere Diskussionen zu internationaler Politik, Demokratie und und Globalisierung

Dozentin: Dr. Christine Löw

Seminar

Ausgehend von Chantal Mouffes Buch Über das Politische. Wider die kosmopolitische Illusion (2007) sollen in dem Seminar aktuelle Fragen zu Demokratie und Politik im inter-/nationalen Kontext untersucht werden. Es ist geplant, sich im Anschluss an Mouffes agonistisches Demokratiemodell mit den Überlegungen von u.a. Habermas, Beck, Giddens, de Sousa Santos sowie Hardt/Negris Vorstellungen zu radikaler Demokratisierung und Multitude zu beschäftigen. Erkenntnisleitend sind dabei die Fragen: Welche Konzepte von Demokratie, dem Politischen bzw. Politik und Globalisierung werden entwickelt und wie angemessen sind diese Begriffe, um die Realität zu beschreiben.

 

Die Bedeutung der UN in einer globalisierten Welt

Dozentin: Dr. Christine Löw

Seminar

Ziel der Veranstaltung ist es, Aufbau und Funktionen der Vereinten Nationen sowie die sich daraus ergebenden Möglichkeiten bzw. Begrenzungen politischer Handlungsfähigkeit kennen zu lernen und kritisch zu diskutieren. Ausgehend von einem historischen Überblick sollen die zentralen UN-Themenfelder Selbstbestimmungsrecht der Völker/Völkerrecht, kollektive Sicherheit und Friedenssicherung, Menschenrechte, Entwicklungs- und Umweltpolitik im Hinblick auf die gegenwärtige Weltordnung analysiert werden. Abschließend erfolgt auch eine Auseinandersetzung mit aktuellen Überlegungen zur Reform der UN und zu ‚humanitäre Einsätzen’.

Literatur:

Gareis, Sven/Varwick, Johannes (2007): Die Vereinten Nationen. Aufgaben, Instrumente und Reformen. Bonn.

 

Neue Perspektiven auf die Nord-Süd-Beziehungen

Dozentin: Dr. Christine Löw

Seminar

Die Beziehungen zwischen dem globalen Norden und dem globalen Süden befinden sich zurzeit im Veränderungsprozess. Während einige Autoren bereits von einem ‚Asiatischen Zeitalter’ (Gunder Frank) sprechen, bleibt doch für die politikwissenschaftliche Forschung noch genauer zu untersuchen, welche Umbrüche sich abzeichnen. In dem Seminar soll versucht werden anhand zentraler Politikfelder, nämlich u.a. dem Wandel von Staatlichkeit, geistigen Eigentumsrechten und Sozialpolitik den Wandel politischer, sozioökonomischer und kultureller Machtverhältnisse zu analysieren. Zentrale Fragen werden dabei sein: Gibt es Staaten des Südens, die als global player, in die weltpolitische Arena eingetreten sind? Und was heißt das für interne Demokratisierungsprozesse? Wie wirken Globales und Lokales hier zusammen? Zum anderen wird es in der Veranstaltung auch darum gehen, zu untersuchen, ob postkoloniale Ansätze – verstanden als kritische erkenntnistheoretische Perspektiven, die die Auswirkungen des Kolonialismus mitdenken -  geeignet sind, die neuen veränderten Realitäten angemessener zu beschreiben und zu erklären.

 

Aktuelle Debatten zum Begriff des Politischen im Feld der internationalen Beziehungen

Dozentin: Dr. Christine Löw

Seminar

In den letzten Jahren gab es verstärkt Debatten um die Funktion von Politik und dem Bereich des Politischen. Vor dem Hintergrund von Globalisierung und Regionalisierung stellt sich die Frage, ob sich die Demokratie bereits in einer postnationalen Konstellation befindet und welche Gestaltungsmöglichkeiten es für die Zukunft auch im Hinblick auf eine globale Ordnung geben soll. In dem Seminar werden zu diesem Themenkomplex u.a. kosmopolitische, deliberative, realistische, agonistische Perspektiven erarbeitet und kritisch diskutiert.

 

Theoretische Grundlagen der Bildungspolitik

Dozent: Stefan Peters

Seminar

In den letzten Jahren hat das Thema Bildung in der öffentlichen Debatte stark an Bedeutung gewonnen. Gemäß des die Diskussion bestimmenden Humankapitalparadigmas gilt Bildung international vermehrt als Standortfaktor, dem vor dem Hintergrund des Globalisierungsprozesses und dem Übergang zur ‚Wissensgesellschaft’ zentrale Bedeutung zukommt. Spätestens mit dem so genannten ‚Pisa-Schock’ wurde jedoch deutlich, dass (nicht nur) das deutsche Bildungssystem weit von der Erfüllung des meritokratischen Ideals der Chancengleichheit entfernt ist. Insbesondere Kinder mit Migrationshintergrund und aus einkommensschwachen Familien werden im deutschen Bildungssystem benachteiligt. Wurde das Problembewusstsein in Politik, Medien und Gesellschaft in den vergangenen Jahren geschärft, blieben bildungspolitische Reformen zur Verringerung der Bildungsungleichheit bisher weitgehend aus. Das Seminar hat das Ziel die theoretischen Grundlagen verschiedener bildungspolitischer Positionen zu erkennen, verschiedene theoretische Erklärungsmodelle für aktuelle Befunde der empirischen Bildungsforschung zu diskutieren und Handlungsspielräume für LehrerInnen an Schulen zu reflektieren.
Hierfür werden im Seminar zentrale Texte zum Zusammenhang von Bildung und sozialer Ungleichheit, zu den Herausforderungen der Bildungspolitik vor dem Hintergrund von heterogenen Schülergruppen und zur Umsetzung von bildungspolitischen Maßnahmen gelesen und mit Blick auf aktuelle Ergebnisse der empirischen Bildungsforschung sowohl für Deutschland als auch für Gesellschaften außerhalb der OECD diskutiert. Zum Abschluss des Seminars werden aktuelle bildungspolitische Reformansätze vorgestellt. Diese werden unter Rückgriff auf die vorher erlernten theoretischen Modelle analysiert und ihre jeweiligen bildungs- und sozialpolitischen Potentiale und Grenzen diskutiert.

 

Kassel im ‚Global Game’ – Globalisierung und Identität am Beispiel des Fußballs

Dozent: Nico Weinmann

Projektseminar

„König Fußball regiert die Welt“. Für viele ist er die „schönste Nebensache“ und nicht wenige erbitten sich regelmäßig Beistand von einem „Fußballgott“. Floskeln dieser Art verdeutlichen: Fußball ist weit mehr als ein Spiel. Die gesellschaftliche Bedeutung des Fußballsports und dessen tief greifende Veränderungen in den vergangenen Jahren machen ihn zu einem interessanten Objekt der Gesellschaftsanalyse. So lassen sich viele Globalisierungsprozesse (internationale Wertschöpfungsketten, internationale wirtschaftliche Verflechtungen, Migration, etc.) auch im Bereich des Fußballs identifizieren. Hierbei sind vielfach Verschränkungen zwischen der globalen und lokalen Ebene zu beobachten: das Personal von Fußballvereinen wird bis ins Amateurlager global rekrutiert, in der Kreisliga verwendete Bälle und Textilien werden fast ausschließlich im Globalen Süden produziert, die Ware ‚Fußball’ wird über Pay-TV in fast alle Weltregionen exportiert und Spielstätten werden mit den Namen transnationaler Unternehmen versehen. Zugleich hat der Sport ein enormes Potential der Identitätsstiftung. Das Moment der gemeinschaftlichen Wir-Gruppen-Bildung – über die Nation(almannschaft), den Verein oder die Fangruppierung – geht jedoch stets mit der Abgrenzung zum Außen einher. Häufig überträgt sich dies in Gewalt oder rassistischer, antisemitischer, homophober, sexistischer oder regionalistischer Diskriminierung Andererseits zeigen verschiedene Initiativen, dass der Fußball ebenso ein Instrument zur Bekämpfung solcher Formen der Diskriminierung sein kann.
Im auf zwei Semester angelegten Projektseminar werden zunächst verschiedene Aspekte des Fußballs der sozialwissenschaftlichen Analyse und Diskussion unterzogen. Anhand der Ergebnisse im Seminar werden im zweiten Teil der Lehrveranstaltung eigenständige qualitative Studien zu unterschiedlichen fußballbezogenen Aspekten in Nordhessen durchgeführt. Die Ergebnisse sollen der interessierten Öffentlichkeit in einer Ausstellung präsentiert werden.

 

Entwicklungspolitik: Einblicke in Theorie und Praxis

Dozentin: Anne Tittor

Seminar mit Praxisbezug (inklusive einer 5-tägigen Exkursion nach Genf)

Was unter Entwicklung zu verstehen ist und wie diese zu erreichen wäre, ist bis heute eine theoretisch wie praktisch höchst umstrittene Frage. Klassischerweise wurde Wirtschaftswachstum und Industrialisierung mit (nachholender) Entwicklung gleichgesetzt, bis die Frage aufgeworfen wurde, ob nicht die internationale Arbeitsteilung und Handelspolitik Unterentwicklung der Länder der Dritten Welt erst hervorruft. Zunehmend wurde auch aus ökologischer, feministischer und postkolonialer Perspektive der Begriff Entwicklung ebenso wie der der Dritten Welt selbst in Frage gestellt: Entwicklung für was, von wem und um welchen Preis? Wer definiert die Probleme der Länder des Globalen Südens und schlägt dafür welche Lösungen vor?
Nach einer Einführung in die entwicklungstheoretischen und –entwicklungspolitischen Debatten stehen im Rahmen der fünftägigen Exkursion vom 4.-8. Juli 2011 nach Genf Fachgespräche mit MitarbeiterInnen Internationaler Organisationen (z.B. ILO, UN) und Nicht-Regierungsorganisationen (z.B. IATP: Institute for Agriculture and Trade Policy) auf dem Programm. Behandelt wird dabei insbesondere, inwiefern sich die gegenwärtige Entwicklungs- und Handelspolitik ergänzen oder widersprechen bzw. ob eine stärkere Kohärenz – wie diese gegenwärtig beispielsweise seitens des Bundesministeriums für Entwicklung und der EU gefordert wird – anstrebenswert ist.
Das Seminar findet auf Deutsch statt, die Fachgespräche in Genf werden in englischer Sprache geführt. Das Seminar vermittelt einen Eindruck über das Berufsfeld Entwicklungszusammenarbeit und wird sich Techniken der Interviewführung widmen. Für die Exkursion muss ein Eigenbeitrag von voraussichtlich 70 Euro aufgebracht werden. Die Plätze für die Teilnahme an der Exkursion sind begrenzt. Bitte schicken Sie bis zum 1.4.2011 ein einseitiges Motivationsschreiben sowie einen kurzen Lebenslauf an tittor[at]uni-kassel.de, wenn Sie an Seminar und Exkursion teilnehmen wollen.

 

Prekarität und informelle Arbeit am Beispiel Lateinamerikas

Dozentin: Natalia Berti

Seminar

Die Deregulierung der Arbeitsbeziehungen und flexible Produktionsverfahren haben eine Menge atypische Arbeitsformen weltweit hervorgerufen. In Lateinamerika waren industrielle, geschützte, formale und von den Gewerkschaften vertretenen Beschäftigungen nie die dominierende Form der Arbeit. Der urbane informelle Sektor umfasst beispielsweise zwischen 30% und 60% der Arbeit. Infolgedessen ist der Fall Lateinamerikas wertvoll, um herkömmliche prekäre und informelle Beschäftigungen und ihre Artikulation mit den vorläufigen, deregulierten und unsicheren Arbeitsbeziehungen, die aus flexibler Produktion hervorgehen, zu erforschen. In diesem Zusammenhang finden wir viele Beispiele im lateinamerikanischen Raum, auf die sich eine „erweitertes Konzept der Arbeit“ aufbauen ließe.

 

Einführung in die Friedens- und Konfliktforschung

Dozent: Dominik Pfeiffer

Das Seminar führt in das Forschungsprogramm und die Forschungsfragen der Friedens- und Konfliktforschung ein, die sich seit etwa einem halben Jahrhundert als Disziplin etabliert hat. Neben der breiten interdisziplinären wissenschaftlichen Arbeit, die Erkenntnisse aus den verschiedenen Geistes- und Sozialwissenschaften reflektiert, zeichnet sich das Fach durch eine nicht immer unproblematische Praxis- und Anwendungsbezogenheit aus. Über einen einführenden Überblick hinaus wollen wir uns kritisch mit den Chancen und Herausforderungen der Friedens- und Konfliktforschung beschäftigen.
Nach der Beschäftigung mit Kernbegriffen sowie zentralen Fragen zu Konflikttheorien werden wir uns mit der exemplarischen Analyse aktueller inner- wie zwischenstaatlicher Konflikte auseinander setzen. Schließlich sollen in einigen Sitzungen gegenwärtige Forschungs- und Praxisfelder des Fachs, wie etwa Transitional Justice und Entwicklungszusammenarbeit, betrachtet werden.

 

 

Lehrveranstaltungen Wintersemester 2010 /2011

Prof. Dr. Hans-Jürgen Burchardt: im Forschungssemester

 

Einführung in die Nord- Süd Beziehungen

Dozent: Stefan Peters

Seminar

Mit dem Ende des Kalten Krieges geriet die Internationale Politik in Bewegung. Diese neue Dynamik erschwerte die Etablierung einer neuen Weltordnung und gegenwärtig scheint sich eine zunehmend multipolare Ausgestaltung der Weltpolitik abzuzeichnen. Trotz der fortbestehenden Legate der (post-) kolonialen Ordnung und eklatanter globaler (sozialer) Ungleichheiten und Machtasymmetrien verschieben sich die Kräfteverhältnisse zwischen den Ländern des Nordens und Südens beträchtlich. Dies generiert neue bzw. führt zu einer Transformation bestehender Konflikte. In der Folge etablieren sich die Nord-Süd-Beziehungen als ein wichtiger Bezugspunkt für das Verständnis der globalen Politik am Beginn des 21. Jahrhunderts.
Die Lehrveranstaltung führt in zentrale Aspekte der Nord-Süd Beziehungen ein. Beginnend mit einem historischen Überblick zur ihren Entwicklungen und Veränderungen und der Vorstellung zentraler Theorien zur Bestimmung des Verhältnisses zwischen ‚Nord’ und ‚Süd’ werden im Seminarverlauf ausgewählte Aspekte der Nord-Süd-Beziehungen vorgestellt. Hierbei werden sowohl internationale und intergesellschaftliche als auch innergesellschaftliche Konfliktlinien analysiert. Ein Fokus liegt zudem auf der Untersuchung alternativer politischer Ansätze im Bereich der Sozialpolitik, der Demokratieentwicklung und der internationalen Zusammenarbeit, die gegenwärtig in verschiedenen Ländern des Südens entwickelt werden. Ziel der Lehrveranstaltung ist es, die aktuellen weltpolitischen Verschiebungen zu reflektieren und dabei die neuen Herausforderungen, aber auch das Potential dieser Veränderungen für eine Neuorientierung im internationalen System zu analysieren. Auf diese Weise soll ein breiter Überblick zu der Vertiefung Nord-Süd-Beziehungen im MA der Politikwissenschaft an der Universität Kassel gegeben werden.

 

Introduction to Globalization

Dozentin: Anne Tittor

Seminar

This core course (9 credits) of the Master program Global Political Economy introduces you to the debates about globalization by dealing with the following questions:
What is globalization? Does the term globalization describe a qualitatively or just a quantitatively new phase of capitalist development?
What are the driving forces of globalization? Is globalization a product of technological progress, of laws of capitalist development, or of political decisions? What role play nation states in bringing globalization about?
What is the impact of globalization? Does globalization lead to shifts in the balance of power between business and state, capital and labor, between the genders, between “natives” and “migrants”, and between “North” und “South”? What are the effects of globalization in different policy fields like e.g. social policy, health policy or education policy?
Can one govern globalization? Can one ignore globalization? How can the rules of globalization be changed? What are the aims and achievements of the anti-globalization movement?

 

Lateinamerikanische Wohlfahrtsregime im Vergleich

Dozent: Nico Weinmann

Seminar

Die vergleichende Wohlfahrtsregimeforschung konzentriert sich seit jeher auf die Analyse von OECD-Ländern. Dabei wird übersehen, dass wohlfahrtsstaatliche Politiken und Strukturen keinesfalls ausschließlich typische Merkmale von Staaten des Nordens sind. Zahlreiche Länder des Südens verfügen über lange wohlfahrtsstaatliche Traditionen, was insbesondere für Lateinamerika gilt. In einigen Staaten wie Brasilien, Chile, Uruguay, Kuba und Argentinien wurden bereits in den 1920er Jahren wesentliche sozialpolitische Leistungen eingeführt. Sozialausgaben machen in diesen Ländern auch heute oft über 50% der gesamten öffentlichen Ausgaben aus. Neuere Untersuchungen tragen diesem Umstand Rechnung und eröffnen neue Perspektiven auf die Spezifika lateinamerikanischer Wohlfahrtsregime. Sie wollen die Qualität und Reichweite sozialpolitischer Leistungen ergründen und fragen nach Modi der sozialen Ordnung, die mit diesen Politiken konstituiert werden. In dem Seminar wollen wir uns mit den theoretisch-methodischen Grundlagen der vergleichenden Wohlfahrtsregimeforschung vertraut machen und sie anhand von Vergleichsstudien im lateinamerikanischen Kontext diskutieren. Leistungsnachweise werden über eine durchgehende Teilnahme, ein Referat und eine Hausarbeit erlangt.

 

Einführung in postkoloniale Ansätze in der Politikwissenschaft

Dozentin: Dr. Christine Löw

Seminar

Allgemein betrachtet untersuchen postkoloniale Theorien die
Nachwirkungen von imperialistischer und kolonialistischer Herrschaft in
Politik, Ökonomie, Gesellschaft und Kultur. Sie beziehen sich dabei u.a.
auf stereotype Darstellungen der ‚Anderen’ in Literatur und
Wissenschaft, asymmetrische Beziehungen zwischen Nord und Süd in der
Entwicklungspolitik oder Fragen zu Migration, nationaler Zugehörigkeit
und kultureller Differenz. Aufgrund ihrer anderen Perspektive sind
postkoloniale Studien auch und gerade für Politikwissenschaft unter den
Bedingungen von Globalisierung analytisch interessant. Es ist geplant,
in dem Seminar grundlegende postkoloniale Ansätze (u.a. von Homi Bhabha,
Stuart Hall, Chandra T. Mohanty, Edward Said, Gayatri Spivak) kennen zu
lernen und zu diskutieren. Zudem werden im letzten Teil postkoloniale
Betrachtungsweisen auf Migration, Transnationalisierung und
Menschenrechte erarbeitet.

 

Theorien der Internationalen Beziehungen: Aktuelle Debatten innerhalb postkolonialer Studien

Dozentin: Dr. Christine Löw

Seminar

In diesem Seminar werden aktuelle Entwicklungen postkolonialer Theorien
im Bereich Internationaler Beziehungen diskutiert. Neben der kritischen
Auseinandersetzung mit zentralen Überlegungen postkolonialer
TheoretikerInnen zu u.a. Orientalismus, einem Dritten Raum,
eurozentrischen Stereotypen und Vorannahmen in Wissenschaft ist
vorgesehen, auch weiterführende Arbeiten zu den Bereichen Frieden und
Sicherheit, Regulierung von Natur und Governance zu besprechen. Ein
besonderer Fokus liegt dabei auf Analysen der Verbindungen von
Demokratie, Geschlecht und Globalisierung.

 

Die Globalisierung von geistigen Eigentumsrechten und der
Nord-Süd-Konflikt – Das Beispiel Gesundheitsversorgung und Zugang zu lebensnotwendiger Medizin

Dozentin: Dr. Christine Löw

Seminar

Das Abkommen über handelsbezogene Rechte an geistigem Eigentum (engl.
Trade Related Aspects on Intellectual Property Rights, kurz: TRIPs) ist
seit seinem Inkrafttreten 1995 das wichtigste internationale Dokument
zur Regulierung geistiger Eigentumsrechte. TRIPs ist vor allem dadurch
bekannt geworden, dass seine Vorgaben zu Patenten den Zugang zu
AIDS-Medikamenten in Ländern der Dritten Welt einschränken. Insgesamt
lässt sich feststellen, dass von TRIPs vor allem Industrieländer (allen
voran die USA, sowie Europa und Japan) profitieren, wohingegen
Entwicklungsländer eher Wohlfahrtsverluste in Bezug auf die öffentliche
Gesundheitsversorgung erfahren. Vor diesem Hintergrund sollen in dem
Seminar die zentralen Grundlagen von TRIPs und dessen rechtliche
Einbindung im Hinblick auf die Auswirkungen für Länder des globalen
Südens erarbeitet werden. Daran anschließend werden entlang der Kampagne
um HIV/AIDS-Medikamente die Positionen kritischer WissenschaftlerInnen
zur Etablierung von internationalen Verträgen für partikulare Interessen
diskutiert. Im letzten Teil sollen Studierende eigenständig die
Aktivitäten der NGO /Ärzte ohne Grenzen/ untersuchen, die sich im
Besonderen für den Zugang zu lebenswichtigen Medikamenten in ärmeren
Ländern einsetzten. Dabei wird auch die Frage diskutiert, welchen
Einfluss schwache AkteurInnen, wie u.a. afrikanische Staaten oder NGOs
auf weitere Handelsrunden in der Nachfolge von TRIPs haben können.

 

Recent debates in postcolonial studies

Dozentin: Dr. Christine Löw

Seminar

In this seminar we will discuss recent developments in postcolonial studies that try to relate crucial insights from Said’s, Bhabha’s, Hall’s and Spivak’s works to dominant discussions on globalization, neocolonialism/neoimperialism and Empire. A particular focus will be placed on postcolonial analyses that deal with issues like nationalism, religion and security policies from a gender-specific perspective.

 

Soziale Bewegungen und Demokratie in Lateinamerika – ein Projektseminar

Dozent: Zeljko Crncic

Projektseminar

Das Projektseminar bereitet die Teilnahme an der Tagung Weingartener Lateinamerikagespräche vom 14. bis 16.01.2011 zum Thema ‚Soziale Bewegungen und Demokratie in Lateinamerika’ in Weingarten inhaltlich und organisatorisch vor. Während der Vorbereitung und Teilnahme an der Tagung lernen die Studierenden die Abläufe einer Veranstaltungsorganisation aus der Nähe kennen, kommen in Kontakt mit den Referenten und erarbeiten als Ergebnis des Seminars Artikel, Protokolle, Interviews, Tagungsberichte etc., die für Veröffentlichungen vorbereitet werden. Diese schriftlichen Leistungen werden als Leistungsnachweis gewertet. Die Exkursion nach Weingarten wird weitgehend aus Mitteln des Fachbereichs gefördert, es ist aber ein Eigenbeitrag von ca. 60 € zu entrichten. Die Teilnahme an der Tagung ist für den Leistungserwerb obligatorisch.
Inhaltlich werden im Seminar zunächst Grundfragen über die theoretische Beschäftigung mit sozialen Bewegungen geklärt. In einem zweiten Schritt werden dann anhand verschiedener Texte wichtige Richtungen und Akteure der sozialen Bewegungen nachgezeichnet. Im Seminar soll ein möglichst breites Panorama der Bewegungsszene Lateinamerikas dargestellt und diskutiert werden: die Frauenbewegung wird genauso untersucht wie ethnische, ökologische und verschiedene soziale Bewegungen.

 

Politischer Protest in den Nord-Süd-Beziehungen – Einführung in Theorie und Analyse

Dozent: Sören Schneider

Seminar

Zu Beginn des Seminars steht eine theoretische Annäherung an sozialwissenschaftliche Erklärungen des Phänomens „politischer Protest.“ Im Zentrum des Interesses stehen hierbei die Entstehung der Protestbewegungen ebenso wie deren Einfluss auf Veränderungen im politischen System. Der Einfluss von Protestbewegungen auf internationale Kräfteverhältnisse sowie die globalen Nord-Süd-Beziehungen wird hier von besonderem Interesse sein.
In einem zweiten Schritt werden in einem selektiven Überblick Protestbewegungen mit unterschiedlichen thematischen und regionalen Schwerpunktsetzungen eingehender behandelt und einer vergleichenden Analyse unterzogen werden. Die Vielfalt politischen Protests erfordert hier eine Auswahl an Fallbeispielen. Im Zentrum stehen neben Protestbewegungen mit innergesellschaftlicher Ausrichtung (Bürgerrechtsbewegungen, Bewegungen für sexuelle Selbstbestimmung) Bewegungen mit nationalem (antikoloniale Bewegungen) oder internationalem Fokus (Antiglobalisierungsbewegung).
Ziel der Veranstaltung ist es, eine Einführung in einen komparativen Ansatz zur Analyse politischer Protestbewegungen zu geben. Den Studierenden wird zudem die Möglichkeit gegeben, eigene Erfahrungen und Interessen in das Seminar einzubringen.
Teilnahmevoraussetzung ist die Übernahme eines Referats als Studienleistung. Es besteht die Möglichkeit, über eine Hausarbeit ein Leistungsnachweis zu erwerben.

 

 

Lehrveranstaltungen Sommersemester 2010

 

Weltpolitik und Weltbilder im 21. Jahrhundert

Dozent: Prof. Dr. Hans-Jürgen Burchardt

Vorlesung

Die Welt hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verändert: Globale Problemlagen wie die Finanzkrise, der Klimawandel oder das weltweite Aufrüsten stellen die internationale Politik vor zahlreiche neue Aufgaben. Zusätzlich erweitern neue Akteure wie transnationale Unternehmen oder Nichtregierungsorganisationen, aber auch aufstrebende Staaten wie China oder Brasilien ihren Einfluss durch die Globalisierung. Die Vorlesung stellt die zentralen Konturen und die wichtigsten Akteure des neuen Weltsystems vor und diskutiert die bedeutsamsten theoretischen Erklärungen zwischenstaatlicher sowie transnationaler Kooperationen und Konflikte. Ein Leistungsnachweis kann über eine regelmäßige Teilnahme und das erfolgreiche Bestehen der Abschlussklausur erworben werden.

 

Der Klimawandel in der internationalen Politik

Dozent: Prof. Dr. Hans-Jürgen Burchardt

Seminar

Die politische Bearbeitung des globalen Problemfeldes Klimawandel hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Noch zu wenig Problembewusstsein gibt es aber zu dem Umstand, dass sich globaler Klimawandel regional und lokal ganz unterschiedlich darstellt und somit die Entwicklung verschiedener Handlungsalternativen erfordert. Insbesondere in den Nord-Süd-Beziehungen zeichnen sich in Bezug auf Klimawandel sehr unterschiedliche Auswirkungen und Handlungsoptionen ab. Die Veranstaltung möchte darum Kasseler und “Dritte-Welt”-Studierende zusammenkommen lassen, um angeleitet die lokalen Auswirkungen und Lösungsoptionen kennenzulernen, sich gegenüber dem Problem Klimawandel zu sensibilisieren und dabei gleichzeitig interkulturelles und um interdisziplinäres Kommunizieren und Handeln einzuüben.
Die Teilnehmer des Seminar haben ab Semesterbeginn die jeweiligen Zustände eines Süd-Landes in Bezug auf Klimawandel selbstständig aufzuarbeiten. Dazu werden jeweils deutsche und ein ausländische Studierende von der Seminarleitung zusammengeführt und müssen bis zum Termin des Blockseminars den eigenen Kenntnisstand der/dem Kommilitonin/en aus dem anderen Kulturkreis näher bringen. Während des Seminars haben die interkulturell gemischten Studierendenteams die Länderpräsentation mit Klima-Schwerpunkt vorzustellen und zu diskutieren.
Das Blockseminar findet in Kooperation mit dem Studienbegleitprogramm Niedersachsen (STUBE) statt. Kosten für das Seminar entstehen nicht.

 

200 Jahre Unabhängigkeit Lateinamerika – ein Vergleich

Dozent: Prof. Dr. Hans-Jürgen Burchardt

Seminar

Im Jahr 2010 jährt sich die zweihundertjährige Unabhängigkeit lateinamerikanischer Staaten. Der Kontinent hat sich in diesen zwei Jahrhunderten merklich verändert. Die Veranstaltung betrachtet die Geschichte, wirtschaftliche und soziale Entwicklung sowie politischen Konjunkturen auf dem Subkontinent und sucht nach Kontinuitäten und Brüchen. Betrachtet werden hierbei die Ausgestaltung der Demokratie, soziale Ungleichheiten, politische und kulturelle Konfliktlinien, wirtschaftliche Performance sowie die Außenpolitik und der Fortbestand externer Abhängigkeiten. Gleichzeitig werden anhand verschiedenen Länderprofile exemplarisch die zentralen Konturen der Region vorgestellt.
Während des Seminars findet vom 7-9. Juli eine Exkursion zu verschiedenen lateinamerikanischen Botschaften und Instituten in Berlin statt. Aus diesem Grunde muss die Teilnehmerzahl begrenzt werden.

 

Von der Staatswerdung der Gesellschaft – Lektürekurs zu Norbert Elias

Dozent: Prof. Dr. Hans-Jürgen Burchardt

Kolloquium

Die sozial- und kulturhistorischen Forschungen von Norbert Elias zur Entwicklung von Staat und Gesellschaft gehören heute zu den klassischen Arbeiten der Gesellschaftswissenschaften – werden aber in der Politikwissenschaft noch selten rezipiert. Im Zentrum der Betrachtung steht bei Elias die Entstehung der Staaten in Europa auf Grundlage der Herausbildung des Gewalt- und Steuermonopols. Gleichzeitig dokumentiert er die im Kontext wachsender sozialer Verflechtung zunehmende Affektregulierung der Einzelnen, die letztendlich als „Prozeß der Zivilisation“ zur Entstehung moderner Gesellschaften und Politik führte. Hierzu entwickelte Elias eigene methodische und theoretische Kategorien, die neue Zugänge zum Erklären aktueller politischer Phänomene versprechen. Im Kurs werden die zentralen theoretischen Annahmen von Norbert Elias an Hand ausgewählter Textbeispiele erarbeitet und mit Blick auf aktuelle Entwicklungen diskutiert. Die Bereitschaft intensiver Textlektüre und die Vorstellung eines Textabschnitts ist Teilnahmevoraussetzung.

 

Bildung und soziale Ungleichheit in Europa und Lateinamerika

Dozent: Stefan Peters

Seminar

Mit seltener Einigkeit wird der Bildung von verschiedenster Seite weltweit eine besondere Bedeutung für verschiedene Aspekte gesellschaftlicher Entwicklung attestiert. In der globalisierten Wissensgesellschaft sei der Ausbildungsgrad der Bevölkerung entscheidend für die Zukunftsfähigkeit eines Landes. Folglich wird von internationalen Organisationen wie der UNESCO eine qualitativ hochwertige Bildung für alle Menschen proklamiert. Jedoch ist diese Norm in der Realität bei weitem nicht erfüllt. Zudem legen verschiedene Studien nahe, dass insbesondere herkunftsbedingte und askriptive Faktoren den Bildungserfolg einer Person und damit mittelbar auch deren soziale Position maßgeblich beeinflussen. Entgegen der Hoffnung zu einer gerechten Gesellschaft beizutragen, scheint das Bildungssystem somit eher zur Reproduktion sozialer Ungleichheitsstrukturen beizutragen.
Am Beginn des Seminars steht eine Präzisierung des Begriffspaars Bildung und soziale Ungleichheit, sowie die Vorstellung zentraler bildungssoziologischer und entwicklungspolitischer Theorien zu ihrem Zusammenhang. Im Anschluss werden aktuelle bildungspolitische Herausforderungen diskutiert und das Potential der Bildung zur Reduzierung sozialer Ungleichheit erörtert. Im Vordergrund des Seminars steht somit die sozialpolitische Dimension der Bildung. Am Vergleich zwischen Europa und Lateinamerika sollen exemplarisch die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Problemlagen und politischen Antworten zwischen ‚Nord’ und ‚Süd’ herausgearbeitet werden.

 

Einführung in die Friedens- und Konfliktforschung

Dozent: Alexander Reichwein

Seminar

In diesem Seminar geht es um die Friedens- und Konfliktforschung als ein Teilbereich der Internationalen Beziehungen. Dabei wird zunächst gefragt, was Friedens- und Konfliktforschung ist und welchen kritischen und normativen Anspruch sie erhebt? Es folgt der Versuch, zentrale Gegenstandsbereiche zu identifizieren. Dazu werden Begriffe, Ansätze und Entwicklungen dargestellt und folgende Kontroversen behandelt: die Erwartungen einer Neuorientierung internationaler Politik zugunsten der Entwicklungsländer (Nord-Süd-Dimension), die Auseinandersetzung mit den Kategorien Macht und Herrschaft, das Verständnis von Normen, die Debatte um den „Demokratischen Frieden“ und Demokratische Kriege“, „neue Kriege“ und das Völkerrecht. Abschließend soll anhand konkreter Problemstellungen und Konflikte in der internationalen Politik erörtert werden, welche Analyse- und Problemlösungsstrategien die Friedensforschung anbietet und an welche Grenzen sie dabei stößt.

 

Die Bedeutung der UN in einer globalisierten Welt

Dozentin: Dr. Christine Löw

Seminar

Ziel der Veranstaltung ist es, Aufbau, Funktion sowie Möglichkeiten und Begrenzungen politischer Handlungsfähigkeit der Vereinten Nationen kennen zu lernen und kritisch zu diskutieren. Ausgehend von einem historischen Überblick sollen die zentralen UN-Themenfelder Selbstbestimmungsrecht der Völker/Völkerrecht, kollektive Sicherheit und Friedenssicherung, Menschenrechte, Entwicklungs- und Umweltpolitik im Hinblick auf die gegenwärtige Weltordnung analysiert werden. Abschließend erfolgt auch eine Auseinandersetzung mit aktuellen Überlegungen zur Reform der UN und zu ‚humanitäre Einsätzen’.

 

Neuere Diskussionen zu internationaler Politik, Demokratie und Globalisierung

Dozentin: Dr. Christine Löw

Seminar

Ausgehend von Chantal Mouffes Buch Über das Politische. Wider die kosmopolitische Illusion (2007) sollen in dem Seminar aktuelle Fragen zu Demokratie und Politik im inter-/nationalen Kontext untersucht werden. Es ist geplant, sich im Anschluss an Mouffes agonistisches Demokratiemodell mit den Überlegungen von u.a. Habermas, Beck, Giddens, de Sousa Santos sowie Hardt/Negris Vorstellungen zu radikaler Demokratisierung und Multitude zu beschäftigen. Erkenntnisleitend sind dabei die Fragen: Welche Konzepte von Demokratie, dem Politischen bzw. Politik und Globalisierung werden entwickelt und wie angemessen sind diese Begriffe, um die Realität zu beschreiben.

 

Aktuelle Debatten zum Begriff des Politischen im Feld der internationalen Beziehungen

Dozentin: Dr. Christine Löw

Seminar

In den letzten Jahren gab es verstärkt Debatten um die Funktion von Politik und dem Bereich des Politischen. Vor dem Hintergrund von Globalisierung und Regionalisierung stellt sich die Frage, ob sich die Demokratie bereits in einer postnationalen Konstellation befindet und welche Gestaltungsmöglichkeiten es für die Zukunft auch im Hinblick auf eine globale Ordnung geben soll. In dem Seminar werden zu diesem Themenkomplex u.a. kosmopolitische, deliberative, realistische, agonistische Perspektiven erarbeitet und kritisch diskutiert.

 

Postcolonial Studies and their Critics

Dozentin: Dr. Christine Löw

Seminar

Postcolonial studies were from the beginning of their emergence as a transdisciplinary field under critical scrutiny. Scholars from different disciplinary backgrounds have questioned the use of postcolonial perspectives for a variety of reasons, among other things the focus on western experiences, the exclusion of economic relations or the affinity towards literary analyses. This course aims at reading the works of Aijaz Ahmad, Arif Dirlik and Benita Parry in order to discuss their criticism and to develop a nuanced position towards postcolonial studies and their analytic range.

 

Die neue Weltwirtschaftskrise und ihre gesellschaftlichen Folgen II

Dozent: Dr. Stefan Schmalz

Projektseminar

Im zweiten Teil des Projektseminars wird die Arbeit aus dem vergangenen Semester fortgeführt. Nachdem zunächst die konzeptionelle Erarbeitung der Ausstellung (zu den sozialen Folgen der Weltwirtschaftskrise) sowie die Vorarbeiten für die länderbezogenen Forschungspapiere zum Thema im Mittelpunkt standen, wird nun die praktische Umsetzung vorangetrieben. Vorraussetzung für die Teilnahme ist der erfolgreiche Abschluss des ersten Teils des Projektseminars. Die Leistungsanforderungen und der Ablauf werden im Seminar bekannt gegeben. Erste Ergebnisse des Projektstudiums sind unter http://www.krisenprojekt.de/ einzusehen.

Lehrveranstaltungen Wintersemester 2009/2010

Nord-Süd-Beziehungen: Zentrale Kategorien und Steuerungsoptionen

Dozent: Prof. Dr. Hans-Jürgen Burchardt

Seminar

Die Nord-Süd-Beziehungen stellen sich als ein Entwicklungsgefälle dar, welches in den letzten 50 Jahren das Weltsystem nicht substantiell destabilisierte bzw. durch den dominanteren Ost-West-Konflikt überlagert wurde. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts scheint diese Entwicklungsasymmetrie aber das Potenzial zu entfalten, sich zu einer zentralen Konfliktachse im Weltsystem auszuwachsen. Die globalen Ungleichheiten zwischen Industrie- und Entwicklungsländern fordern den Norden schon seit einiger Zeit über Bumerang-Effekte wie ökonomischen Wettbewerbsdruck, Migration, Lohndumping, die Bedrohung durch zerfallende Staaten oder Terrorismus heraus. Gleichzeitig ist eine Veränderung internationaler Machtkonstellationen zu beobachten. Aufstrebende Staaten wie China, Indien, Brasilien oder Südafrika erweitern ihren ökonomischen und politischen Einfluss. Im Seminar werden wir die zentralen Facetten der Nord-Süd-Beziehungen sowie die aktuellen Erklärungsansätze wie fragile Staatlichkeit oder regionale Führungsmächte analysieren und Möglichkeiten ihrer Steuerung diskutieren.
Teilnahmevoraussetzung an der Veranstaltung ist die Übernahme eines Referats; für den Leistungsnachweis ist zusätzlich eine Hausarbeit zu erstellen.

Globale Sozialpolitik und Governance

Dozent: Prof. Dr. Hans-Jürgen Burchardt

Seminar

Die unzureichende Bearbeitung globaler sozialer Problemlagen und die ökonomischen, ökologischen und politischen Asymmetrien in der Welt werden zunehmend zu einer zentralen Konfliktachse des Weltsystems. Als Antwort auf die hierbei entstehenden Veränderungen und Bedrohungen werden in der Weltpolitik heute besonders verschiedene Formen von Governance vorgeschlagen. In der Veranstaltung werden zum einen Inhalte, Strukturen und Akteure einer sozial ausgerichteten Politik innerhalb ausgewählter globaler Problem- und Konfliktfelder analysiert. Zum anderen werden verschiedene Governance-Strukturen und Mechanismen mit ihren Potenzialen und Begrenzungen vorgestellt, die zur globalen Problembearbeitung dienen könnten.
Teilnahmevoraussetzung an der Veranstaltung ist die Übernahme eines Referats; für den Leistungsnachweis ist zusätzlich eine Hausarbeit zu erstellen.

 

Staat und Demokratie in der Weltpolitik

Dozent: Prof. Dr. Hans-Jürgen Burchardt

Seminar

Die Welt ist im Umbruch. Dynamiken wie die internationale Finanzkrise, der globale Klimawandel oder das weltweite Aufrüsten stellen Politik und Wissenschaft vor neue Aufgaben. Für die Bearbeitung globaler Problemlagen werden die Länder und Regionen außerhalb der OECD darum immer wichtiger. Doch über viele politische Phänomene der Nicht-OECD liegt bis heute nur begrenztes Wissen vor. Für nicht wenige Staaten Afrikas, Asiens und Lateinamerikas sind bereits aufgrund der mangelnden Datenlage generelle Aussagen über gesellschaftliche Entwicklungen oder politischen Wandel nur partiell möglich. In dieser Veranstaltung werden die für die Politikwissenschaft zentralen Kategorien Staat und Demokratie außerhalb der OECD aus verschiedenen methodischen und theoretischen Perspektiven vorgestellt und diskutiert.
Teilnahmevoraussetzung ist eine intensive Lektüre der angegebenen Literatur, die Übernahme eines Referats und die Erbringung einer schriftlichen Leistung.

 

Anthony Giddens: The Constitution of Society – ein Lektürekurs

Dozent: Prof. Dr. Hans-Jürgen Burchardt

Seminar

Mit seiner Strukturationstheorie will der britischer Soziologe und Sozialtheoretiker Anthony Giddens die bisherigen methodischen und theoretischen Begrenzungen, die die Begriffe Handlung und Struktur umfassen, überwinden. Er sucht hierbei einen Mittelweg zwischen Positionen, die den Fokus auf soziale Systeme oder auf das Individuum richten und bemüht sich, subjektive und objektive Dimension erkenntnistheoretischer Grundannahmen miteinander zu vereinen. Dieses Vorhaben gehört zweifelsohne zu den einflussreichsten und interessantesten Versuchen der jüngeren Theorieentwicklung, die Gesellschaftswissenschaften um eine neue Perspektive zu bereichern. Die Strukturationstheorie beeinflusst auch die politikwissenschaftliche Forschung und Theorie bis heute im nennenswerten Umfang. Als Lektürekurs werden wir uns im Seminar die Ausführungen von Anthony Giddens über ein intensives Literaturstudium aneignen und gemeinsam überprüfen, inwieweit sie auf aktuelle politische Phänomene angewendet werden können. Um eine intensive Arbeitsatmosphäre zu gewährleisten, findet das Seminar vierzehntägig statt. Leistungsnachweise werden über eine durchgehende Teilnahme, ein Referat und eine schriftliche Arbeit erlangt.

 

Demokratie und Sozialpolitik in internationaler Perspektive

Dozent: Dr. Stefan Schmalz

Seminar

Der Globalisierungsprozess hat nicht nur die Spielregeln der Weltwirtschaft verändert. Auch die politischen Steuerungsprozesse und Kräfteverhältnisse wurden transformiert. Dies spiegelt sich in den verschiedensten Politikfeldern wider. Das Seminar geht diesen Umbrüchen exemplarisch anhand von zwei Themenbereichen sowohl in den OECD- als auch Nicht-OECD-Ländern nach. Zunächst werden die Veränderungen der demokratischen Regierungsform analysiert. Dabei wird insbesondere die Postdemokratie-Debatte reflektiert und mit neuen Entwicklungen im globalen Süden kontrastiert. Analog wird der Bereich der Sozialpolitik untersucht. Hier sollen vor allem die klassische Typologie von Esping-Andersen und der neoliberale Umbau der einzelnen Wohlfahrtsstaatsmodelle sowie die Transformation von Sozialsystemen außerhalb des Westens in Bezug zueinander gebracht werden. Abschließend werden die Befunde vor dem Hintergrund der derzeitigen Finanz- und Globalisierungskrise diskutiert.

Die neue Weltwirtschaftskrise und ihre gesellschaftlichen Folgen

Dozent: Dr. Stefan Schmalz

Projektseminar

“Krise macht Urlaub”, so der Titel des Leitartikels der Wirtschaftswoche vom 11.07.2009. Folgt man der Einschätzung des Chefredakteurs Roland Tichy, werden schon bald nach der Bundestagwahl viele kurzfristige (sozial)politische Maßnahmen auslaufen und die gesellschaftlichen Folgen der Krise auch in Deutschland spürbar werden. Ein Blick über den Tellerrand zeigt, dass die Krise weltweit gigantische Auswirkungen gezeitigt hat: Abermillionen wurden in Arbeitslosigkeit und Armut geworfen, Regierungen und Parteiensysteme gerieten ins Wanken und als Gegenmittel wurden milliardenschwere Konjunkturpakete geschnürt. Dennoch fehlt eine Übersicht über dieses Dickicht von Krisenfolgen und Gegenmaßnahmen. Zu stark variieren die Reaktionen von Land zu Land. Das Projektseminar soll Licht ins Dunkel bringen. Forschungsgegenstand ist ein Krisenvergleich von verschiedenen Ländern – vorzugsweise die G-20-Staaten. Dabei sollen nicht die wirtschaftlichen, sondern die gesellschaftlichen Auswirkungen im Mittelpunkt stehen. Die Studierenden werden ein Forschungsraster erarbeiten und in Ländergruppen Fallstudien anfertigen. Ziel ist die Erarbeitung einer Ausstellung, die im zweiten Semester präsentiert werden soll. Fremdsprachenkenntnisse jeglicher Art sind für das Projekt von Gewinn. Studierende im Auslandssemester können problemlos mitarbeiten. Drittmittel für das Projekt wurden bereits beantragt. Die Ergebnisse eines früheren Projektstudiums des Dozenten sind unter: http://www.tagung-bolivien.de/ einzusehen.

 

Die Sozialpolitik der „neuen“ Linken in Lateinamerika: Brasilien, Chile und Venezuela im Vergleich

Dozentin: Dr. Ingrid Wehr

Seminar

Auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist Lateinamerika die Region mit der höchsten Ungleichverteilung von Einkommen und Lebenschancen weltweit. Trotz langjähriger demokratischer Erfahrungen und ausgeprägter wohlfahrtsstaatlicher Traditionen, ist es bisher nicht gelungen, die extreme Ungleichheit abzubauen. Der Kurs möchte die Möglichkeiten und Grenzen sozialpolitischer Maßnahmen zur Armutsreduzierung und Umverteilung in Lateinamerika vergleichend ausloten. Wir konzentrieren uns hierbei auf drei Staaten, in denen linke politische Parteien bzw. Gruppierungen seit längerem an der Regierung sind: Brasilien unter Präsident Lula, das seit 16 Jahren von einer Mitte-Links-Koalition regierte Chile, sowie Venezuela unter der Führung des Populisten Chavez. Hierbei sollen nicht nur die sozialpolitischen Programme zur Armutsbekämpfung, sondern auch Bildungs-, Arbeitsmarkt- und Steuerpolitik vergleichend analysiert werden. Nach der Klärung der theoretischen Grundbegriffe und einer grundlegenden Einführung in die Rahmenbedingungen lateinamerikanischer Sozialpolitik in der Ära des Neoliberalismus werden wir uns sowohl mit den sozialpolitischen Programmen der Linksparteien in den drei ausgewählten Ländern wie auch mit den institutionellen bzw. strukturellen Faktoren auseinandersetzen, die deren Umsetzung schwierig machen.

 

Indigene Mobilisierung in Lateinamerika – der politische Aufstieg des Ausgegrenzten

Dozent: Zeljko Crncic

Seminar

Die politische Landkarte vieler lateinamerikanischer Länder hat sich in den letzten Jahren, nicht zuletzt durch das Auftreten starker sozialer Bewegungen verändert. Das Seminar soll zunächst einen theoretischen Einblick in die Entstehung und die Aktionsformen sozialer Bewegungen bieten. In einem zweiten Schritt sollen anhand empirischer Beispiele aus drei ausgewählten Ländern der Region die praktischen Auswirkungen des Auftretens sozialer Bewegungen beleuchtet werden.
Ziel ist es, mit Hilfe der erarbeiteten theoretischen Grundlagen, Entstehung, Ausbreitung und Implikationen sozialer Mobilisierung in politischen System der jeweiligen Länder zu analysieren. In einem zweiten Schritt sollen lokale Unterschiede in der Ausprägung der Bewegungen und die Auswirkungen auf das regionale Gefüge der Andenregion bearbeitet werden.

 

 

Lehrveranstaltungen Sommersemester 2009

 

Einführung in die Internationalen Beziehungen

Dozent: Prof. Dr. Hans-Jürgen Burchardt

Vorlesung

Diese Veranstaltung beschäftigt sich mit Erklärungen von internationaler Politik und führt in die Theorien der Internationalen Beziehungen ein. Neben der Geschichte, den Merkmalen und den Akteuren der internationalen Beziehungen geht es dabei neben anderen um Machtgleichgewichte, Staaten und die Nord-Süd-Beziehungen. Weiterhin werden die wichtigsten Erklärungen zu zwischenstaatlicher Kooperation betrachtet und die Ansicht diskutiert, dass demokratische Staaten friedlicher als andere politische Systeme sind. Außerdem wird der Frage nachgegangen, welche Rolle souveräne Staaten angesichts von Globalisierung und der wachsenden wirtschaftlichen Vernetzung noch spielen und wie die internationale Bedeutung von nicht-staatlichen Akteuren wie multinationalen Konzernen oder Nicht-Regierungsorganisationen einzuschätzen ist.
Ein Leistungsnachweis kann über eine regelmäßige Teilnahme und das erfolgreiche Bestehen der Abschlussklausur erworben werden.

 

Frauen und internationale Entwicklung

Dozent: Prof. Dr. Hans-Jürgen Burchardt

Seminar

Die Lebenssituation von Frauen ist ein Thema, das international immer mehr Aufmerksamkeit erlangt. So wächst die Erkenntnis, dass die Entwicklung von Gesellschaften stark von gendnerspezifischen Komponenten abhängt. Beginnen Wissenschaft und Politik mit diesen Einsichten auch neue Standards in Theorie und Praxis zu setzen, beschäftigen wir uns noch viel zu selten mit der Frage, wie es um die konkreten Lebenswelten von Frauen in den Ländern des Südens bestellt ist. Mit ihren ökonomischen, sozialen, politischen, kulturellen und ethnischen Komponenten spiegelt die Situation von Frauen dabei viele Facetten gesellschaftlicher Wirklichkeit wider.
Über einen interkulturellen Austausch zwischen Kasseler Studierenden und „Dritte-Welt“-Studenten von niedersächsischen Hochschulen will das Seminar das Thema „Frauen und Entwicklung“ bearbeiten und gleichzeitig einen Beitrag zu mehr Verständnis gegenüber den eigenen und fremden Wahrnehmungen und Realitäten von Gender leisten. Es soll in dem Seminar also um eine sowohl akteursbezogene also auch theoretische Diskussion von Strategien gehen, welche kontextabhängig über eine größere Geschlechtergerechtigkeit in verschiedenen Gesellschaften Entwicklung fördern helfen könnten.
Die Teilnehmer des Seminar haben ab Semesterbeginn die jeweiligen Zustände eines Süd-Landes in Bezug auf Gender selbstständig aufzuarbeiten. Dazu werden die deutschen und ausländischen Studierenden in Teams zusammengeführt und müssen bis zum Termin des Blockseminars den eigenen Kenntnisstand den Studierenden aus den anderen Kulturkreisen näher bringen. Während des Seminars haben die interkulturell gemischten Studierendenteams die Länderpräsentation mit Gender-Schwerpunkt vorzustellen und zu diskutieren. Von Experten angebotene Einführungsreferate in die Themenschwerpunkte, eine wissenschaftlich geführte Diskussion, der Einsatz verschiedener didaktischer Maßnahmen und Medien sowie eine Exkursion garantieren während des Blockseminars eine systematische Bearbeitung der Inhalte und eine angeleitete Form des interkulturellen Kommunizierens und Lernens.

 

Demokratie, politischer Wandel und soziale Bewegungen in Lateinamerika – neue Optionen für Politik?

Dozent: Prof. Dr. Hans-Jürgen Burchardt

Seminar

Lateinamerika hat in der letzten Zeit bemerkenswerte politische Veränderungen zu verzeichnen: Soziale Bewegungen gewinnen an Einfluss, die Bearbeitung der sozialen Frage steht wieder auf der politischen Agenda und die Debatten um Demokratie und lokale Partizipation stoßen auf wachsendes Interesse. In der Veranstaltung wird in die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen Lateinamerikas eingeführt, die den Kontinent in den letzten Jahrzehnten prägten. Anhand verschiedener Länderbeispiele werden dann die unterschiedlichen Politikoptionen der neuen Regierungen und Akteurskonstellationen diskutiert, die heute die Region bestimmen. Ergänzt wird das Seminar voraussichtlich um eine zweitägige Blockveranstaltung im Mai, in der eine renommierte Sozialwissenschaftlerin eine Einführung in die sozialen Bewegungen Lateinamerikas gibt. Ein Leistungsnachweis kann über eine regelmäßige Teilnahme, über die Durchführung eines Referates und die Erstellung einer anschließenden Hausarbeit erworben werden. Sprachkenntnisse im Spanischen und Englischen werden erwartet.

 

Demokratie und staatlicher Wandel: Neue Theorieansätze in inter-/nationaler Perspektive

Dozent: Prof. Dr. Hans-Jürgen Burchardt

Seminar

Demokratie wird innerhalb der OECD- Staaten als entfaltete Legitimationsdimension eine wichtige Bedeutung zugemessen. Durch Prozesse der Sub- und Internationalisierung von Politik und dem Auftauchen neuer Akteure gerät Demokratie aber zunehmend unter Druck. Dies hat eine wissenschaftliche Debatte über den aktuellen Zustand der Demokratie und ihrer Zukunft ausgelöst. Eine der originellsten Denkansätze vertritt hier die Theoretikern Chantal Mouffe. In ihrem neuen Buch „Über das Politische“ kritisiert sie die Prämisse, Demokratie als Prozess der Konsensbildung und Versöhnung zu sehen und plädiert für ein Demokratieverständnis, welches Antagonismen anerkennt und sich der politischen Exklusion von Demokratie bewusst wird. Zusätzlich prüft sie die Ansätze der aktuellen Staats- und Demokratiedebatten wie reflexive Moderne, der dritte Weg, Neo-Populismus, Kosmopolitismus, Global Governance, Multitude und andere auf ihren Gehalt und entwickelt über eine scharfsinnige Kritik ein alternatives Demokratieverständnis. Als Lektürekurs und damit eng am Text des erwähnten Buches orientiert werden wir uns im Seminar die Kritik und Vorschläge von Chantal Mouffe über ein intensives Literaturstudium und Referate aneignen. Um eine intensive Arbeitsatmosphäre zu gewährleisten, findet das Seminar vierzehntägig statt. Leistungsnachweise werden über eine durchgehende Teilnahme, ein Referat und eine Hausarbeit erlangt. Die Teilnehmer werden gebeten, sich das Buch vor Beginn des Seminars anzuschaffen.

 

Einführung in die Internationalen Beziehungen: Das Beispiel der UNO

Dozentin: Dr. Christine Löw

Seminar

Das Seminar ist als Einführungsveranstaltung in das politikwissenschaftliche Teilgebiet der Internationalen Beziehungen am Beispiel der UNO konzipiert. Ziel ist es, vor dem Hintergrund klassischer (u.a. Realismus, Liberalismus und Marxismus) und neuere Ansätze wie (z.B. Neo-Gramscianismus, Feminismus, Weltsystemtheorie und Konstruktivismus) die Grundlagen und Funktionsweisen der Vereinten Nationen kennen zu lernen und kritisch zu diskutieren. Ausgehend von einem historischen Überblick sollen die zentralen UN-Themenfelder Selbstbestimmungsrecht der Völker/Völkerrecht, kollektive Sicherheit und Friedenssicherung, Menschenrechte, Umgestaltung der Weltwirtschaftsordnung sowie Entwicklungs- und Umweltpolitik analysiert werden. Ergänzend werden auch aktuelle Überlegungen zur Reform der UN und die Diskussionen um ‚humanitäre Einsätze’ behandelt.

 

Kolloquium zu Demokratie, Globalisierung und Regionalisierung: Neuere Theorieansätze in inter-/nationaler Perspektive

Dozentin: Dr. Christine Löw

Seminar

In dem Kolloquium sollen aktuelle Fragen zu Demokratie und Politik vor dem Hintergrund von Globalisierung und Regionalisierung im inter-/nationalen Kontext untersucht werden. Ausgehend von Carl Schmitts Überlegungen zum Gegensatzpaar Freund-Feind als Basis des Politischen werden u.a. Chantal Mouffes Vorstellungen einer antagonistischen demokratischen Politik, Jürgen Habermas’ Ausführungen zu einer postnationalen Demokratie in Europa und Jacques Rancières postdemokratische Ansätze diskutiert. Des Weiteren ist es geplant, sich mit Beck und Giddens reflexiver Modernisierung sowie aktuellen Arbeiten zum Verhältnis zwischen Demokratie und Empire sowie Kosmopolitismus zu beschäftigen. Neben der intensiven inhaltlichen Auseinandersetzung wird auch Raum für die Vorstellung eigener Projekte und methodologischer Fragestellungen geboten. Leistungsnachweise werden durch regelmäßige Teilnahme, vorbereitete Textlektüre und die Präsentation eines inhaltlichen Beitrages (Referat + Handout) sowie einer anschließenden Diskussionsstrukturierung abgedeckt.

 

Die aktuelle Weltwirtschaftskrise aus Sicht der Internationalen Beziehungen

Dozent: Dr. Stefan Schmalz

Seminar

Die US-Wirtschaft „könnte in eine größere Depression verfallen, als zur Zeiten der Großen Depression“, umschrieb der ehemalige US-amerikanische Präsident Bush am Rande des Weltfinanzgipfels im November 2008 den Zustand seines Landes. Der Anlass des Treffens von 20 Staatschefs deutet auf die globale Dimension der Krise hin. Beinahe die gesamte Welt ist von der Krise betroffen: Einige Staaten haben in die US-amerikanische Blase investiert, andere leiden unter massivem Kapitalabzug, wieder andere sind von den Exporten in die USA abhängig. Die Krise hat politische Implikationen. Oft wird sie nicht nur als rein ökonomisches Phänomen, sondern auch als das Ende der US-amerikanischen Hegemonie in der internationalen Politik wahrgenommen. Die These: Neue Akteure betreten die weltpolitische Bühne, allen voran wird China als möglicher Herausforderer genannt. In diesem Seminar werden die Auswirkungen  der Krise auf die internationalen Beziehungen diskutiert. Die Veranstaltung erfordert eine ausreichende Erfahrung mit englischer Literatur.

 

Theories of International Political Economy

Dozenten: Prof. Dr. Christoph Scherrer, Dr. Stefan Schmalz

Seminar

This core course will introduce the manifold theoretical approaches, issues, and methods of the field of International Political Economy: neorealism, regime theory, dependency theory, world system analysis, and regulation theory as well as approaches from a gender theoretical and constructivist perspective. The lecture will thereby highlight the importance of theory and will give guidance in the handling of theories. In addition, students will learn a critical approach to texts by writing summaries of journal articles and a book review.

 

Einführung in die Friedens- und Konfliktforschung. Theorie und Empirie (inter-) gesellschaftlicher und internationaler Konflikte

Dozent: Stefan Peters

Seminar

Mit der Implosion des Realsozialismus ging weder ein ‚Ende der Geschichte’ einher, noch wurden die mit dem Begriff ‚Friedensdividende’ verknüpften Erwartungen einer Neuorientierung internationaler Politik auf die Förderung der Länder des globalen Südens erfüllt. Vielmehr zeigte sich, dass durch die ‚Globalisierung’ bestehenden gesellschaftlichen Konflikte neue Dimensionen hinzugefügt wurden und neue Konflikte entstanden sind.
Auf internationaler Ebene hat spätestens der 11. September 2001 verdeutlicht, dass die Ablösung der Logik des Kalten Krieges von einer Veränderung der zentralen Konfliktachsen begleitet wurde. Einerseits rückten neue, häufig asymetrische Kriege in den Vordergrund, andererseits steigerten verschiedene Regionalmächte ihr politisches Gewicht. Die Friedens- und Konfliktforschung stellt sich der Aufgabe die aktuellen Konflikte unter den veränderten weltpolitischen Rahmenbedingungen zu analysieren und nach möglichen Regelungsformen zu fragen.
Die Lehrveranstaltung gibt einen einführenden Überblick über zentrale Begriffe und Theorien der Friedens- und Konfliktforschung und wird diese an Hand von ausgewählten Konfliktanalysen anwenden. Es werden sowohl klassische Problemfelder mit deren aktuellen Transformationen als auch neuere Konflikte auf gesellschaftlicher, intergesellschaftlicher und internationaler Ebene behandelt.

 

Autoritarismus in Kolumbien und Mexiko – Kontraste zum „Linkstrend” in Lateinamerika

Dozentin: Alke Jenss

Seminar

Seit einigen Jahren wird in Bezug auf Lateinamerika von einer „Linkswende“ gesprochen. Doch Mexiko und Kolumbien sind unter den Präsidenten Felipe Calderón bzw. Álvaro Uribe Vélez von einer vollkommen anderen Ausrichtung geprägt – einer Radikalisierung des rechten politischen Flügels, der mit den Streitkräften oder mit Paramilitärs kooperiert. Dieser Prozess wurde von vergleichbaren externen Faktoren, etwa einem starken Engagement der USA, und internen Faktoren, wie dem florierenden Drogenhandel, befördert. Dennoch hat es in beiden Ländern divergierende einschneidende politische Umbrüche – z.B. die mexikanische Demokratisierung oder das Scheitern des  Friedensprozesses in Kolumbien – gegeben. Im Seminar werden die Veränderungen des letzten Jahrzehnts genauer untersucht: wie ist es zur Transformation zum neuen Autoritarismus gekommen? Welche aktuellen Entwicklungen sind in Kolumbien bzw. Mexiko zu beobachten? Dazu werden zunächst verschiedene Basistexte zur Rolle des Staates in Lateinamerika diskutiert. Aufbauend auf die theoretische Einordnung wird die politische Situation Mexikos und Kolumbiens beleuchtet. Die Vorbesprechung findet am 17.4. um 10-12 Uhr statt.

 

Gewerkschaften in Lateinamerika: Historische Entwicklungen und aktuelle Herausforderungen anhand der Beispiele Argentinien, Mexiko und Uruguay

Dozent: Johannes Schulten

Seminar

Seit Mitte der 1980er  Jahre befinden sich gewerkschaftliche Organisationen in Lateinamerika in einer  tiefen Krise. Prozesse wie die Öffnung zur Weltwirtschaft und der Rückzug des Staates machten es immer schwieriger, gewerkschaftliche Kernaufgaben, etwa die Aufrechterhaltung der Reallöhne, weiterhin zu erfüllen. Das Seminar gibt anhand der Länderbeispiele Argentinien, Mexiko und Uruguay einen Überblick über die historischen Entwicklungsprozesse lateinamerikanischer Arbeiterorganisationen. Dabei sollen sowohl die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu Ländern des kapitalistischen Nordens als auch die verschiedenen Formen gewerkschaftlicher Organisationen in den Ländern des Subkontinents herausgearbeitet werden. Im Zentrum des Seminars steht die Untersuchung der Rolle von Gewerkschaften während der neoliberalen Reformperiode der 1990er Jahre. Welche unterschiedlichen Strategien wurden in den einzelnen Ländern verfolgt? Wie gestaltete sich das Verhältnis zum Staat? Wie verhalten sich die Gewerkschaften im Kontext eines wachsenden informellen Sektors? Konnten Erfolge erzielt werden? Abschließend sollen aktuelle Herausforderungen und Perspektiven gewerkschaftlicher Politik vor dem Hintergrund der aktuellen lateinamerikanischen Linkswende diskutiert werden. Die Vorbesprechung findet am 17.4 von 12-14 Uhr statt.

 

Gender and Politics in Latin America: the case study Venezuela

Dozentin: Rita Bitar Deeb

Seminar

Course description:
The course reviews gender problems in modern political theory, trends of development of women’s right concept, national and international legal mechanisms of protection of women’s political rights. The course also reviews main directions of state gender policy, as well as gender equality
supporting legislation and institutional machinery. Along with providing students with theoretical knowledge the course is also aiming at helping students apply concrete instruments of gender analysis. The course structure allows teacher supplement theoretical presentations with
practical assignments, based on the knowledge obtained through the course, students will conduct gender analysis of Venezuelan legislation and specific aspects of political processes.

Course objectives:
At the completion of the course, students will be able to apply gender as one of the categories for analysis of political processes and will better understand gender aspects of different political systems, institutions and policies. Students will be able to identify gender related problems in politics. They will compare different gender policies. They will be able to
list main components of gender state policy and describe structure and competences of institutional machinery for Gender equality. They will be introduced to concepts of gender analysis and gender mainstreaming, particularly, concerning politics in developing countries. Homework, discussions, case studies will familiarize students with concrete instruments of gender analysis, help them practice skills of gender analysis and apply the knowledge and skills obtained through the course in practice.

 

Einführung in die Internationalen Beziehungen

Dozent: Prof. Dr. Hans-Jürgen Burchardt

Vorlesung

Diese Veranstaltung beschäftigt sich mit Erklärungen von internationaler Politik und führt in die Theorien der Internationalen Beziehungen ein. Neben der Geschichte, den Merkmalen und den Akteuren der internationalen Beziehungen geht es dabei neben anderen um Machtgleichgewichte, Staaten und die Nord-Süd-Beziehungen. Weiterhin werden die wichtigsten Erklärungen zu zwischenstaatlicher Kooperation betrachtet und die Ansicht diskutiert, dass demokratische Staaten friedlicher als andere politische Systeme sind. Außerdem wird der Frage nachgegangen, welche Rolle souveräne Staaten angesichts von Globalisierung und der wachsenden wirtschaftlichen Vernetzung noch spielen und wie die internationale Bedeutung von nicht-staatlichen Akteuren wie multinationalen Konzernen oder Nicht-Regierungsorganisationen einzuschätzen ist.

Ein Leistungsnachweis kann über eine regelmäßige Teilnahme und das erfolgreiche Bestehen der Abschlussklausur erworben werden.

 

Frauen und internationale Entwicklung

Dozent: Prof. Dr. Hans-Jürgen Burchardt

Seminar

Die Lebenssituation von Frauen ist ein Thema, das international immer mehr Aufmerksamkeit erlangt. So wächst die Erkenntnis, dass die Entwicklung von Gesellschaften stark von gendnerspezifischen Komponenten abhängt. Beginnen Wissenschaft und Politik mit diesen Einsichten auch neue Standards in Theorie und Praxis zu setzen, beschäftigen wir uns noch viel zu selten mit der Frage, wie es um die konkreten Lebenswelten von Frauen in den Ländern des Südens bestellt ist. Mit ihren ökonomischen, sozialen, politischen, kulturellen und ethnischen Komponenten spiegelt die Situation von Frauen dabei viele Facetten gesellschaftlicher Wirklichkeit wider.

Über einen interkulturellen Austausch zwischen Kasseler Studierenden und „Dritte-Welt“-Studenten von niedersächsischen Hochschulen will das Seminar das Thema „Frauen und Entwicklung“ bearbeiten und gleichzeitig einen Beitrag zu mehr Verständnis gegenüber den eigenen und fremden Wahrnehmungen und Realitäten von Gender leisten. Es soll in dem Seminar also um eine sowohl akteursbezogene also auch theoretische Diskussion von Strategien gehen, welche kontextabhängig über eine größere Geschlechtergerechtigkeit in verschiedenen Gesellschaften Entwicklung fördern helfen könnten.

Die Teilnehmer des Seminar haben ab Semesterbeginn die jeweiligen Zustände eines Süd-Landes in Bezug auf Gender selbstständig aufzuarbeiten. Dazu werden die deutschen und ausländischen Studierenden in Teams zusammengeführt und müssen bis zum Termin des Blockseminars den eigenen Kenntnisstand den Studierenden aus den anderen Kulturkreisen näher bringen. Während des Seminars haben die interkulturell gemischten Studierendenteams die Länderpräsentation mit Gender-Schwerpunkt vorzustellen und zu diskutieren. Von Experten angebotene Einführungsreferate in die Themenschwerpunkte, eine wissenschaftlich geführte Diskussion, der Einsatz verschiedener didaktischer Maßnahmen und Medien sowie eine Exkursion garantieren während des Blockseminars eine systematische Bearbeitung der Inhalte und eine angeleitete Form des interkulturellen Kommunizierens und Lernens.

 

Demokratie, politischer Wandel und soziale Bewegungen in Lateinamerika – neue Optionen für Politik?

Dozent: Prof. Dr. Hans-Jürgen Burchardt

Seminar

Lateinamerika hat in der letzten Zeit bemerkenswerte politische Veränderungen zu verzeichnen: Soziale Bewegungen gewinnen an Einfluss, die Bearbeitung der sozialen Frage steht wieder auf der politischen Agenda und die Debatten um Demokratie und lokale Partizipation stoßen auf wachsendes Interesse. In der Veranstaltung wird in die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen Lateinamerikas eingeführt, die den Kontinent in den letzten Jahrzehnten prägten. Anhand verschiedener Länderbeispiele werden dann die unterschiedlichen Politikoptionen der neuen Regierungen und Akteurskonstellationen diskutiert, die heute die Region bestimmen. Ergänzt wird das Seminar voraussichtlich um eine zweitägige Blockveranstaltung im Mai, in der eine renommierte Sozialwissenschaftlerin eine Einführung in die sozialen Bewegungen Lateinamerikas gibt. Ein Leistungsnachweis kann über eine regelmäßige Teilnahme, über die Durchführung eines Referates und die Erstellung einer anschließenden Hausarbeit erworben werden. Sprachkenntnisse im Spanischen und Englischen werden erwartet.

 

Demokratie und staatlicher Wandel: Neue Theorieansätze in inter-/nationaler Perspektive

Dozent: Prof. Dr. Hans-Jürgen Burchardt

Seminar

Demokratie wird innerhalb der OECD- Staaten als entfaltete Legitimationsdimension eine wichtige Bedeutung zugemessen. Durch Prozesse der Sub- und Internationalisierung von Politik und dem Auftauchen neuer Akteure gerät Demokratie aber zunehmend unter Druck. Dies hat eine wissenschaftliche Debatte über den aktuellen Zustand der Demokratie und ihrer Zukunft ausgelöst. Eine der originellsten Denkansätze vertritt hier die Theoretikern Chantal Mouffe. In ihrem neuen Buch „Über das Politische“ kritisiert sie die Prämisse, Demokratie als Prozess der Konsensbildung und Versöhnung zu sehen und plädiert für ein Demokratieverständnis, welches Antagonismen anerkennt und sich der politischen Exklusion von Demokratie bewusst wird. Zusätzlich prüft sie die Ansätze der aktuellen Staats- und Demokratiedebatten wie reflexive Moderne, der dritte Weg, Neo-Populismus, Kosmopolitismus, Global Governance, Multitude und andere auf ihren Gehalt und entwickelt über eine scharfsinnige Kritik ein alternatives Demokratieverständnis. Als Lektürekurs und damit eng am Text des erwähnten Buches orientiert werden wir uns im Seminar die Kritik und Vorschläge von Chantal Mouffe über ein intensives Literaturstudium und Referate aneignen. Um eine intensive Arbeitsatmosphäre zu gewährleisten, findet das Seminar vierzehntägig statt. Leistungsnachweise werden über eine durchgehende Teilnahme, ein Referat und eine Hausarbeit erlangt. Die Teilnehmer werden gebeten, sich das Buch vor Beginn des Seminars anzuschaffen.

 

Einführung in die Internationalen Beziehungen: Das Beispiel der UNO

Dozentin: Dr. Christine Löw

Seminar

Das Seminar ist als Einführungsveranstaltung in das politikwissenschaftliche Teilgebiet der Internationalen Beziehungen am Beispiel der UNO konzipiert. Ziel ist es, vor dem Hintergrund klassischer (u.a. Realismus, Liberalismus und Marxismus) und neuere Ansätze wie (z.B. Neo-Gramscianismus, Feminismus, Weltsystemtheorie und Konstruktivismus) die Grundlagen und Funktionsweisen der Vereinten Nationen kennen zu lernen und kritisch zu diskutieren. Ausgehend von einem historischen Überblick sollen die zentralen UN-Themenfelder Selbstbestimmungsrecht der Völker/Völkerrecht, kollektive Sicherheit und Friedenssicherung, Menschenrechte, Umgestaltung der Weltwirtschaftsordnung sowie Entwicklungs- und Umweltpolitik analysiert werden. Ergänzend werden auch aktuelle Überlegungen zur Reform der UN und die Diskussionen um ‚humanitäre Einsätze’ behandelt.

 

Kolloquium zu Demokratie, Globalisierung und Regionalisierung: Neuere Theorieansätze in inter-/nationaler Perspektive

Dozentin: Dr. Christine Löw

Seminar

In dem Kolloquium sollen aktuelle Fragen zu Demokratie und Politik vor dem Hintergrund von Globalisierung und Regionalisierung im inter-/nationalen Kontext untersucht werden. Ausgehend von Carl Schmitts Überlegungen zum Gegensatzpaar Freund-Feind als Basis des Politischen werden u.a. Chantal Mouffes Vorstellungen einer antagonistischen demokratischen Politik, Jürgen Habermas’ Ausführungen zu einer postnationalen Demokratie in Europa und Jacques Rancières postdemokratische Ansätze diskutiert. Des Weiteren ist es geplant, sich mit Beck und Giddens reflexiver Modernisierung sowie aktuellen Arbeiten zum Verhältnis zwischen Demokratie und Empire sowie Kosmopolitismus zu beschäftigen. Neben der intensiven inhaltlichen Auseinandersetzung wird auch Raum für die Vorstellung eigener Projekte und methodologischer Fragestellungen geboten. Leistungsnachweise werden durch regelmäßige Teilnahme, vorbereitete Textlektüre und die Präsentation eines inhaltlichen Beitrages (Referat + Handout) sowie einer anschließenden Diskussionsstrukturierung abgedeckt.

 

Die aktuelle Weltwirtschaftskrise aus Sicht der Internationalen Beziehungen

Dozent: Dr. Stefan Schmalz

Seminar

Die US-Wirtschaft „könnte in eine größere Depression verfallen, als zur Zeiten der Großen Depression“, umschrieb der ehemalige US-amerikanische Präsident Bush am Rande des Weltfinanzgipfels im November 2008 den Zustand seines Landes. Der Anlass des Treffens von 20 Staatschefs deutet auf die globale Dimension der Krise hin. Beinahe die gesamte Welt ist von der Krise betroffen: Einige Staaten haben in die US-amerikanische Blase investiert, andere leiden unter massivem Kapitalabzug, wieder andere sind von den Exporten in die USA abhängig. Die Krise hat politische Implikationen. Oft wird sie nicht nur als rein ökonomisches Phänomen, sondern auch als das Ende der US-amerikanischen Hegemonie in der internationalen Politik wahrgenommen. Die These: Neue Akteure betreten die weltpolitische Bühne, allen voran wird China als möglicher Herausforderer genannt. In diesem Seminar werden die Auswirkungen der Krise auf die internationalen Beziehungen diskutiert. Die Veranstaltung erfordert eine ausreichende Erfahrung mit englischer Literatur.

 

Theories of International Political Economy

Dozenten: Prof. Dr. Christoph Scherrer, Dr. Stefan Schmalz

Seminar

This core course will introduce the manifold theoretical approaches, issues, and methods of the field of International Political Economy: neorealism, regime theory, dependency theory, world system analysis, and regulation theory as well as approaches from a gender theoretical and constructivist perspective. The lecture will thereby highlight the importance of theory and will give guidance in the handling of theories. In addition, students will learn a critical approach to texts by writing summaries of journal articlesand a book review.

 

Einführung in die Friedens- und Konfliktforschung. Theorie und Empirie (inter-) gesellschaftlicher und internationaler Konflikte

Dozent: Stefan Peters

Seminar

Mit der Implosion des Realsozialismus ging weder ein ‚Ende der Geschichte’ einher, noch wurden die mit dem Begriff ‚Friedensdividende’ verknüpften Erwartungen einer Neuorientierung internationaler Politik auf die Förderung der Länder des globalen Südens erfüllt. Vielmehr zeigte sich, dass durch die ‚Globalisierung’ bestehenden gesellschaftlichen Konflikte neue Dimensionen hinzugefügt wurden und neue Konflikte entstanden sind.

Auf internationaler Ebene hat spätestens der 11. September 2001 verdeutlicht, dass die Ablösung der Logik des Kalten Krieges von einer Veränderung der zentralen Konfliktachsen begleitet wurde. Einerseits rückten neue, häufig asymetrische Kriege in den Vordergrund, andererseits steigerten verschiedene Regionalmächte ihr politisches Gewicht. Die Friedens- und Konfliktforschung stellt sich der Aufgabe die aktuellen Konflikte unter den veränderten weltpolitischen Rahmenbedingungen zu analysieren und nach möglichen Regelungsformen zu fragen.

Die Lehrveranstaltung gibt einen einführenden Überblick über zentrale Begriffe und Theorien der Friedens- und Konfliktforschung und wird diese an Hand von ausgewählten Konfliktanalysen anwenden. Es werden sowohl klassische Problemfelder mit deren aktuellen Transformationen als auch neuere Konflikte auf gesellschaftlicher, intergesellschaftlicher und internationaler Ebene behandelt.

 

Autoritarismus in Kolumbien und Mexiko – Kontraste zum „Linkstrend” in Lateinamerika

Dozentin: Alke Jenss

Seminar

Seit einigen Jahren wird in Bezug auf Lateinamerika von einer „Linkswende“ gesprochen. Doch Mexiko und Kolumbien sind unter den Präsidenten Felipe Calderón bzw. Álvaro Uribe Vélez von einer vollkommen anderen Ausrichtung geprägt – einer Radikalisierung des rechten politischen Flügels, der mit den Streitkräften oder mit Paramilitärs kooperiert. Dieser Prozess wurde von vergleichbaren externen Faktoren, etwa einem starken Engagement der USA, und internen Faktoren, wie dem florierenden Drogenhandel, befördert. Dennoch hat es in beiden Ländern divergierende einschneidende politische Umbrüche – z.B. die mexikanische Demokratisierung oder das Scheitern des Friedensprozesses in Kolumbien – gegeben. Im Seminar werden die Veränderungen des letzten Jahrzehnts genauer untersucht: wie ist es zur Transformation zum neuen Autoritarismus gekommen? Welche aktuellen Entwicklungen sind in Kolumbien bzw. Mexiko zu beobachten? Dazu werden zunächst verschiedene Basistexte zur Rolle des Staates in Lateinamerika diskutiert. Aufbauend auf die theoretische Einordnung wird die politische Situation Mexikos und Kolumbiens beleuchtet. Die Vorbesprechung findet am 17.4. um 10-12 Uhr statt.

 

Gewerkschaften in Lateinamerika: Historische Entwicklungen und aktuelle Herausforderungen anhand der Beispiele Argentinien, Mexiko und Uruguay

Dozent: Johannes Schulten

Seminar

Seit Mitte der 1980er Jahre befinden sich gewerkschaftliche Organisationen in Lateinamerika in einer tiefen Krise. Prozesse wie die Öffnung zur Weltwirtschaft und der Rückzug des Staates machten es immer schwieriger, gewerkschaftliche Kernaufgaben, etwa die Aufrechterhaltung der Reallöhne, weiterhin zu erfüllen. Das Seminar gibt anhand der Länderbeispiele Argentinien, Mexiko und Uruguay einen Überblick über die historischen Entwicklungsprozesse lateinamerikanischer Arbeiterorganisationen. Dabei sollen sowohl die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu Ländern des kapitalistischen Nordens als auch die verschiedenen Formen gewerkschaftlicher Organisationen in den Ländern des Subkontinents herausgearbeitet werden. Im Zentrum des Seminars steht die Untersuchung der Rolle von Gewerkschaften während der neoliberalen Reformperiode der 1990er Jahre. Welche unterschiedlichen Strategien wurden in den einzelnen Ländern verfolgt? Wie gestaltete sich das Verhältnis zum Staat? Wie verhalten sich die Gewerkschaften im Kontext eines wachsenden informellen Sektors? Konnten Erfolge erzielt werden? Abschließend sollen aktuelle Herausforderungen und Perspektiven gewerkschaftlicher Politik vor dem Hintergrund der aktuellen lateinamerikanischen Linkswende diskutiert werden. Die Vorbesprechung findet am 17.4 von 12-14 Uhr statt.

 

Gender and Politics in Latin America: the case study Venezuela

Dozentin: Rita Bitar Deeb

Seminar

Course description:
The course reviews gender problems in modern political theory, trends of development of women’s right concept, national and international legal mechanisms of protection of women’s political rights. The course also reviews main directions of state gender policy, as well as gender equality supporting legislation and institutional machinery. Along with providing students with theoretical knowledge the course is also aiming at helping students apply concrete instruments of gender analysis. The course structure allows teacher supplement theoretical presentations with practical assignments, based on the knowledge obtained through the course, students will conduct gender analysis of Venezuelan legislation and specific aspects of political processes.

Course objectives:
At the completion of the course, students will be able to apply gender as one of the categories for analysis of political processes and will better understand gender aspects of different political systems, institutions and policies. Students will be able to identify gender related problems in politics. They will compare different gender policies. They will be able to list main components of gender state policy and describe structure and competences of institutional machinery for Gender equality. They will be introduced to concepts of gender analysis and gender mainstreaming, particularly, concerning politics in developing countries. Homework, discussions, case studies will familiarize students with concrete instruments of gender analysis, help them practice skills of gender analysis and apply the knowledge and skills obtained through the course in practice.

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