abgeschlossene Promotionen

Ezequiel Luis Bistoletti

Nur leere Worte? Die Arbeitspolitik der linken Regierungen in Ecuador und Venezuela

Seit drei Dekaden lässt sich in Lateinamerika eine Konvergenz zwischen Demokratie und perpetuierter sozialer Ungleichheit beobachten, die in der Politik und Wissenschaft zunehmend Beachtung findet. In den aktuellen Debatten über Ungleichheit und Demokratie rückt hierbei die Analyse von Arbeitspolitiken wieder stärken ins Zentrum des Interesses, da sich hier Fragen der sozialen und politischen Teilhabe verschränken. Die Internationale Arbeitsorganisation hat mit ihrem Konzept “decent work”, das sie seit 1999 als neues Paradigma vertritt, diese Situation erkannt und betrachtet daher den Arbeitsmarkt in ihren Analysen und ihrer Politik als einen wichtigen Faktor der sozialen Inklusion sowie der politischen Partizipation. Auf der Basis dieses Konzepts wird in dem Projekt die Arbeitspolitik der „linken“ Regierungen in Ecuador und Venezuela, die die Reduktion der sozialen Ungleichheit und die Verbreitung der Demokratie explizit als Kernelement ihrer Politik angekündigt haben, untersucht. Es soll geprüft werden, in welchem Umfang in den Ländern „decent work“ Standards umgesetzt wurden bzw. welches die Blockaden für die Verbreitung einer solchen Politik sind.

 

Tanja Ernst

Die Dekolonisierung der Demokratie: Teilhabe braucht Umverteilung und Anerkennung. Demokratietheoretische Lehren aus Bolivien!

Das Promotionsvorhaben befasst sich mit den demokratietheoretischen und -praktischen Implikationen von sozialer Ungleichheit und kultureller Differenz am konkreten Beispiel Boliviens. Der erste Teil untersucht retrospektiv die Grenzen formaler Gleichheit und zeichnet die politökonomischen und soziokulturellen Ursachen der Krise des liberal-repräsentativen Demokratiemodells im Andenstaat nach. Der zweite Teil fokussiert die sozialpolitische sowie demokratietheoretische Qualität und Reichweite des gegenwärtig laufenden Transformationsprozesses unter der Regierung von Evo Morales. Die Frage, wie das liberal-repräsentative Modell, um direkt-demokratische sowie traditionelle Formen der Entscheidungsfindung und Organisationsstrukturen erweitert werden könnte, um die demokratische und sozioökonomische Teilhabe strukturell benachteiligter Bevölkerungsteile zu stärken und welche demokratietheoretischen Potentiale und Konflikte dies beinhaltet, wird  anhand der indigenen Autonomieforderungen diskutiert.

 

Dana de la Fontaine

Neue Dynamiken in der Süd-Süd-Kooperation: Indien, Brasilien und Südafrika als “Emerging Donors”

Ziel des Projekts ist eine vergleichende Analyse des außenpolitischen Wandels in Indien, Brasilien und Südafrika seit der ökonomischen Liberalisierung, der Demokratisierung und der außenpolitischen Umorientierung seit den 1990er Jahren. Der Schwerpunkt liegt auf der Identifikation neuer Akteure und Interessen in den jeweiligen außenpolitischen Systemen und deren Einfluss auf die Gestaltung der Außenpolitik. Dabei ist der Fokus auf die neue Dynamik im Bereich der Süd-Süd-Kooperation und die relativ neue Rolle dieser Staaten als so genannte “Emerging Donors”, als Geber technischer, finanzieller und humanitärer Unterstützungsleistungen an andere Entwicklungsländer gerichtet.

 

Stefan Peters

Kontinuität im Wandel. Bildung und soziale Ungleichheiten in Lateinamerika. Befunde aus Venezuela und Uruguay

Die Reduzierung sozialer Ungleichheiten steht im Zentrum der politischen Strategie der ‚Linksregierungen’ in Lateinamerika. Im Einklang mit der internationalen Debatte wird hierfür der Bildung eine zentrale Bedeutung zugeschrieben. Die Dissertation untersucht die bildungspolitischen Reformen der aktuellen Regierungen in Venezuela und Uruguay auf ihr Potential zur Reduzierung von sozialen Ungleichheiten beizutragen. Hierfür wird ein komplexes Analyseraster aus den Kategorien des Bildungszugangs, der Bildungsqualität und der hierarchischen Fragmentierung der Bildungssysteme für die empirische Forschung fruchtbar gemacht. Das Ergebnis der Arbeit zeigt, dass trotz unterschiedlicher Reformpfade beide Beispiele linksgerichteter Bildungspolitik aus unterschiedlichen Gründen nicht zu einer substantiellen Reduzierung sozialer Ungleichheiten beitragen können. Damit stellt die Arbeit nicht nur die Relevanz der Unterscheidung zwischen einer moderaten und einer radikal-populistischen ‚Linken’ für die sozialpolitische Performance auf einem zentralen Politikfeld in Frage, sondern liefert zusätzliche Evidenz für die Notwendigkeit der Einbettung bildungspolitischer Reformen in einen integralen sozialpolitischen Ansatz, der nicht zuletzt auch die Redistribution des gesellschaftlichen Reichtums beinhaltet.

 

Anne Tittor

Triebkräfte von Kommodifizierung und Privatisierung im Gesundheitsbereich in Lateinamerika

In meiner Dissertation gehe ich der Frage nach, welche Akteure Kommodifizierung und Privatisierung im Gesundheitsbereich seit den 1980er Jahren in Argentinien und El Salvador vorantreiben. Besonderes Augenmerk wird darauf gerichtet, wie internationale Strukturen und Politiken beispielsweise durch Konditionalisierung von Projekten nationale Gesundheitspolitik prägen und wie sie mit denjenigen Kräften vor Ort, die selbst ein Interesse an Privatisierung haben, Allianzen eingehen. Auch wenn seit etwa 2003 von Modifikationen in internationaler Gesundheitspolitik gesprochen werden muss, und es zu Kritik und Widerstand gegen die Privatisierung im Gesundheitswesen kam, ist der Trend der Kommodifizierung dennoch nicht gestoppt.

 

Kristina Dietz

Komplexe Vulnerabilitäten: Soziale und politische Dimensionen von Klimavulnerabilität im Nord-Süd-Kontext. Die Beispiele Nicaragua und Tansania

Klimawandel gilt im aktuellen Klimadiskurs als globales Umweltproblem sowie als weltweite Herausforderung der Menschheit im 21. Jahrhundert. Auch wenn die Erderwärmung als globales Phänomen beschrieben werden kann, verändert sich diese Problemsicht dann, wenn aus armutspolitischer Perspektive bestehende globale sowie gesellschaftliche Ungleichheiten als Einflussfaktoren für den Grad der Vulnerabilität gegenüber Klimawandel zu Grunde gelegt werden. Vulnerabilität wird in dem hier vorliegenden Promotionsvorhaben als dynamisches und hybrides Krisenphänomen verstanden, das von sozialen, politischen, polit-ökonomischen und umweltbedingten Einflussfaktoren determiniert ist. Ziel des Vorhabens ist es, die soziopolitischen Dimensionen von Vulnerabilität anhand zweier Länderstudien (Nicaragua und Tansania) zu erfassen. Die zentrale Frage lautet dabei, inwiefern die Praxis der politischen Partizipation und (Mit)-Gestaltungsmacht der Armutsbevölkerung Einfluss auf die determinierenden Faktoren von Vulnerabilität hat und welche hemmenden und fördernden Variablen sich identifizieren lassen.

 

Anke Butcher

Der gewählte Caudillo – Nicaraguas Demokratie im Schatten von Korruption, Klientelismus und Eliten

Entwicklungs- und Demokratieprozesse weisen jeweils länder- oder regional-spezifische Ausprägungen auf, die eine Übersetzung der allgemeinen Erfahrungen auf den Einzelfall erfordern. Um eine Einzelfallanalyse vornehmen zu können wurde für das Promotions-vorhaben Nicaragua herausgegriffen, welches in seiner jüngeren Geschichte gravierende soziale und politische Umwälzungsprozesse erfahren hat und durch externe Intervention in seinem Demokratisierungsprozess beeinflusst wurde. Die genaue Betrachtung des nicaraguanischen Entwicklungs- und  Demokratie­prozesses zeigt, dass – trotz vorhandener demokratischer Strukturen, formaler Umsetzung institu-tioneller Rahmenbedingungen und hinreichender Gesetzesgrundlagen – eine breite politische Teilhabe und ein sozioökonomisch innergesellschaftlicher Ausgleich kaum nennenswert stattfinden. Auf Grundlage dieser Beobachtung liegt der Fokus der Arbeit auf der Darstellung von herrschaftsanalytischen und endogenen Faktoren und damit auf der Untersuchung der endogenen Kontextbedingung von Demokratieentwicklung. Der spezielle Fokus des Promotionsvorhabens wird auf die Kontextualisierung von Klientelismus, Korruption und das Handeln der Eliten gelegt – wie beeinflussen diese informellen Macht- und Regelsysteme die demokratisch-formalen Mechanismen und welche Auswirkungen haben sie auf die Generierung von sozialer und gesellschaftlicher Gleichheit bzw. Ungleichheit im Demokratisie­rungs­prozess (1979 – 2009) Nicaraguas. Und, wie systemimmanent ist die politische und gesellschaftliche Tradierung von Korruption und Klientelismus in Nicaragua?

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